... newer stories
Dienstag, 3. April 2012
11. Lautlos am Morgen
guennisseite, 18:02h
Eine morgendliche Verweigerung den sich nahenden Tagespflichten Einlass zu gewähren sorgte gänzlich gegen meinen Willen dafür, dass mir träumte, ich sei ein Täubchen, das auf einem sehr hohen Industrieschornstein sass und ohne es zu wissen in einen "Dürrenmatt'schen Weltraumfahrer" verwandelt war. Über die kleine Kurzwellenantenne von Blitzableiterstummel neben mir hielt ich regen Funkkontakt mit der Bodenstation. Auf Grund der enorm in den Weltraum ragenden Backsteintechnologie des Schornstein und der damit verbundenen grossen Distanzen kam es immerwieder zu Empfangsproblemen, die wiederum Missverständnisse in der Kommunikation nach sich zogen. Der Satellit auf dessen Rand ich sass war schon seit Jahren still gelegt und keine russende und stinkende Kohlendioxidwolke oder sonstige interstellare Gaswolke von Orionnebel verschleierte die nächtliche Sicht auf die unter mir funkelnde Galaxie. In ihr zogen kleine rote Kometen mehrspurig ihre Bahnen und winzige Fixsterne von Schreibtischlampen und Teelichtern leuchteten neben grossen Ansammlungen sogenannter Kugelsternhaufen von Strassenlampen, Ampeln mit roten Riesen, einem orange blinkendenm Pulsar oder sonstigen bunten Neonsternen, die einer Supernova gleich erstrahlten, um schon in ein paar Stunden von Lichtjahren wieder zu erlischen.
Leider gab es immerwieder Unterbrechungen beim Empfang der Trägerwelle des Funksignals durch atmosphärische Störungen, weil irgend ein Leichtmatrose versuchte die hochfrequente Wellenausbreitung zu brechen, indem er hektisch auf der Morsetaste seiner Autohupe rumhackte. Das ornitologische Sprachübersetzungsprogramm meines Bordcomputer war wie so vieles im letzten Jahrzehnt dem Rotstift zum Opfer gefallen und daher war mein Differenzverstärker des Mikrofon, der für die phonetische Efassung zuständig ist, auch nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Das bedeutete wiederum, dass immerwieder das eine oder andere Signal falsch interpretiert wurde und es am Ende nicht "Federlesen" hiess, sondern "elender Besen" und ich und die Funkoffizierin der Bodenstation Funkstille für den Rest des Tages hatten.
In diesem Moment surrte ein Alarmsignal und eine rote LED auf der Konsole begann zu blinken. Das kam mir im Moment allein schon desswegen unpassend, da laut Briefing keine offiziellen Berichte gesendet oder empfangen werden mussten und ich mir die Langeweile in der Unendlichkeit des Weltraum mit einer weiteren Folge eines VALERIAN & VERONIQUE - Comic vertreiben wollte. Das vibrierende Relais sorgte für einen zweiten und jetzt sich zunehmend bedrohlicher anhörenden dritten Impuls. Verdammt - jemand hatte an der Tür geläutet! Wer will das denn jetzt schon sein, wo ich noch nicht mal Gefrühstückt habe und gerade vor dem Fenster in Gedanken verloren in die morgendliche Landschaft des Stadtrandgebietes sah, wo sich ein von der Sonne hell erleuchteter Industrieschornstein vor einem dunklen gewittrigem Himmel abzeichnete. " Guten Morgen! Ach so - hatte ich ganz vergessen. Stimmt - Sie wollten ja den alten Fernseher von meinem Vormieter , der hier noch rumsteht, abholen. Ja - kein Problem . . . Noch einen schönen Tag."
.
.
Mein Internet - Tipp: . . . https://www.dlr.de
.
.
.
.
Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Illllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . | . . . . . . . . . . . . . . . Illllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . .///^°> .| . . . . . . . . . . . . . . .llllllllll
Illlllll . . Andromeda . . . . . . . . . . . . . .//|--------|--| . . . . . . . . . . . . . Illlllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . • . • . • . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .llllllllll
Illlllll. . . . . . . . . . . . . . . . . @. . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . • . . . . .llllllllll
Illlllll. . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lllllllllll
Illlllll. . . . . . . . . .,,-------,,. . . . . . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll---lll
Illlllll. . . . . . . . /ll\,;,;,;,/ll\. . . . . . . . • . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll -- lll
Illlllll. . . . . . . .lllllllllllllllllll. . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll -- lll
Illlllll. . . . . . .((lllllllllllllllll)). . . . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll---lll
Illlllll. . . . . . . . \lllllllllllll/. . . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . • . . . . . . . . . .lllllllll
Illlllll. . . ____//--------------\\_____. . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lllllllll
Illlllll . ./################\ . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . . IIIIIlll
Illlllll. /##################\________________. . . . . . . . . . .llllllll
Illlllll/###################\+++++++++++++\ . . . . . . . . .lllllllll
Illlll/###\############\####\+++++++++++++\. . . . . . . . .llllllll
Illll|####|#############\####\llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illlll\####|#############\####\llllllllllllllllllllllllllllllllllllllGM2026
.
.
.
Leider gab es immerwieder Unterbrechungen beim Empfang der Trägerwelle des Funksignals durch atmosphärische Störungen, weil irgend ein Leichtmatrose versuchte die hochfrequente Wellenausbreitung zu brechen, indem er hektisch auf der Morsetaste seiner Autohupe rumhackte. Das ornitologische Sprachübersetzungsprogramm meines Bordcomputer war wie so vieles im letzten Jahrzehnt dem Rotstift zum Opfer gefallen und daher war mein Differenzverstärker des Mikrofon, der für die phonetische Efassung zuständig ist, auch nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Das bedeutete wiederum, dass immerwieder das eine oder andere Signal falsch interpretiert wurde und es am Ende nicht "Federlesen" hiess, sondern "elender Besen" und ich und die Funkoffizierin der Bodenstation Funkstille für den Rest des Tages hatten.
In diesem Moment surrte ein Alarmsignal und eine rote LED auf der Konsole begann zu blinken. Das kam mir im Moment allein schon desswegen unpassend, da laut Briefing keine offiziellen Berichte gesendet oder empfangen werden mussten und ich mir die Langeweile in der Unendlichkeit des Weltraum mit einer weiteren Folge eines VALERIAN & VERONIQUE - Comic vertreiben wollte. Das vibrierende Relais sorgte für einen zweiten und jetzt sich zunehmend bedrohlicher anhörenden dritten Impuls. Verdammt - jemand hatte an der Tür geläutet! Wer will das denn jetzt schon sein, wo ich noch nicht mal Gefrühstückt habe und gerade vor dem Fenster in Gedanken verloren in die morgendliche Landschaft des Stadtrandgebietes sah, wo sich ein von der Sonne hell erleuchteter Industrieschornstein vor einem dunklen gewittrigem Himmel abzeichnete. " Guten Morgen! Ach so - hatte ich ganz vergessen. Stimmt - Sie wollten ja den alten Fernseher von meinem Vormieter , der hier noch rumsteht, abholen. Ja - kein Problem . . . Noch einen schönen Tag."
.
.
Mein Internet - Tipp: . . . https://www.dlr.de
.
.
.
.
Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Illllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . | . . . . . . . . . . . . . . . Illllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . .///^°> .| . . . . . . . . . . . . . . .llllllllll
Illlllll . . Andromeda . . . . . . . . . . . . . .//|--------|--| . . . . . . . . . . . . . Illlllllll
Illlllll . . . . . . . . . . . . . . . • . • . • . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .llllllllll
Illlllll. . . . . . . . . . . . . . . . . @. . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . • . . . . .llllllllll
Illlllll. . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lllllllllll
Illlllll. . . . . . . . . .,,-------,,. . . . . . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll---lll
Illlllll. . . . . . . . /ll\,;,;,;,/ll\. . . . . . . . • . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll -- lll
Illlllll. . . . . . . .lllllllllllllllllll. . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll -- lll
Illlllll. . . . . . .((lllllllllllllllll)). . . . . . . . . . . .| . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lll---lll
Illlllll. . . . . . . . \lllllllllllll/. . . . . . . . . . . . . | . | . || ||| . . • . . . . . . . . . .lllllllll
Illlllll. . . ____//--------------\\_____. . . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . .lllllllll
Illlllll . ./################\ . . . . . | . | . || ||| . . . . . . . . . . . . . IIIIIlll
Illlllll. /##################\________________. . . . . . . . . . .llllllll
Illlllll/###################\+++++++++++++\ . . . . . . . . .lllllllll
Illlll/###\############\####\+++++++++++++\. . . . . . . . .llllllll
Illll|####|#############\####\llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Illlll\####|#############\####\llllllllllllllllllllllllllllllllllllllGM2026
.
.
.
... link
Freitag, 30. März 2012
10. BEUYS HONIGPUMPE TIEFER GELEGT
guennisseite, 19:15h
(07.Dezember 2023)
"Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys, Documenta 6, Kassel 1977.
Ich finde es fällt auf, dass man relativ wenig webweit an eingehender Erläuterung und Interpretation über diese Installation auf der Documenta 6 lesen kann. Nach kurzem Aufzählen von ein paar beteiligten Gegenständen und dem Nachplappern von Beuysschen Formulierungen vom Blutkreislauf der Gesellschaft und der Freien Universität, die sich darin manifestiere, flüchtet man sich meist ganz schnell in Bienengeschichten und was es sonst noch zu Fett und Filz und dem erweiterten Kunstbegriff zu schreiben gibt. Aber was "DA UNTEN" eigentlich zu sehen ist, scheint niemand wirklich eingehender auf sich wirken zu lassen und mal Detail für Detail auseinander zu klamüsern.
Die "Honigpumpe am Arbeitsplatz" haben vermutlich inzwischen nicht nur tausende sondern Millionen von Leuten zu sehen bekommen auf einem der im Netz existierenden Fotos. Aber alle die darüber schreiben, erzählen ersteinmal nur das nach, was sie von einer einzigen Person darüber zu hören oder zu lesen bekommen haben. Nämlich das Gesagte dieser Person Joseph Beuys. Woher wollen die denn alle gemeinsam wissen, dass diese besagte Person die Wahrheit sagt und uns fragende Betrachter in Wirklichkeit nicht an der Nase herumführt und uns ganz wissentlich, warum auch immer, versucht in die Irre zu führen?
Also lasst uns doch einfach mal für einen Moment vergessen, was diese eine Person Joseph Beuys über diese Installation auf der Documenta 6 von 1977 gesagt hat. Wollen wir doch einmal sehen, was so alles auf Fotos zu finden ist und versuchen zu interpretieren und deuten, was da zu sehen ist, bevor wir das "wiederkäuen", was die Fachwelt von Herrn Beuys rezitiert. Das ist gar nicht so kompliziert, wie man sich vielleicht erzählt.
Trotzdem fang ich gleich mal mit einem Kommentar von Herrn Beuys dazu an. Am Ende dieser Ausstellung soll er gesagt haben, dass er nicht möchte, dass die Honigpumpe als funktionierendes Kreislaufsystem noch einmal woanders aufgebaut werden soll. Sie soll so lediglich als Dokument der Documenta 6 von Kassel erhalten bleiben. Warum? Ist sie so sehr an die Diskussionen in den Räumen der Freien Universität gebunden? Ich glaube kaum. Ich vermute, der Grund ist die außergewöhnliche Räumlichkeit, in der sie aufgebaut war, was so von vornherein kein Museum dieser Welt zu bieten hat. Die Rotunde im Fridericianum. Einfach gesagt: Ein halber runder Raum. Dieser Ort war, von einer Reihe Fotos, die während dem Aufbau der Installation von verschiedenen Seiten auf der Höhe der Pumpen entstanden einmal abgesehen, für die Besucher und Betrachter der Documenta, nur von oben einzusehen. Und man muss kein Akademiker mit Medizinstudium sein, um zu erkennen, dass dieser runde Halbraum dort unten, der auf Fotos wie die kartographische Abwicklung der Nord oder Südhalbkugel der Erde wirkt, eher etwas mit der "Höhlentheorie von Platon" zu tun hat, als mit irgend einem Blutkreislauf.
Und was heißt hier überhaupt "Blutkreislauf"? Ein Stoff, der für das Leben eines Individuum unabdingbar ist, soll durch sein totales Gegenteil, eines der allerersten Luxusgüter der Menschheit überhaupt dargestellt werden? Durch Honig? Das ist doch wohl ein Witz?! Gut - gänzlich auszuschließen ist das nicht. Herr Beuys behauptete ja in seinem Frühstücksgespräch von 1985, dass er ein Schüler des HUMORISTISCHEN Gymnasiums zu Kleve war. Sagen wir also mal, der Honig ist nicht Blut sondern Honig und wenn Symbolik, dann das was er schon immer war,
zumindest seit dem Alten Testament der Bibel, nämlich als Beispiel für Luxusgüter wie Auto, Eigenheim, Urlaub, Fernseher, Stereoanlage, Homecomputer, Smartphone, Stadionbesuch und Museumsbesuch usw..... Während ich die Symbolbedeutungen des Honig aufzähle stelle ich fest, dass das mit dem Blut doch stimmen könnte, denn so mancher würde lieber sterben wollen, als auf den einen oder anderen der aufgezählten Artikel zu verzichten. Wer also weiter an die Symbolkraft des durch die Schläuche und Röhren fließenden Blutes in Form des Honig glauben will (Vorsicht ! Abends wird abgeschaltet, Morgens durch Herrn Beuys persönlich reanimiert.), möge weiter geradeaus gehen bis ans Ende und dann rechts.......und ihr wisst, jeder nur ein Kreuz. Alle anderen, die inzwischen an die Symbolik des Luxusgutes dargestellt durch den fließenden Honig glauben, bitte hier entlang.....
Auch der Titel der Installation weist deutlich auf den Honig hin, denn er lautet ja nicht Blutpumpe, sondern Honigpumpe am Arbeitsplatz. Aber was für ein Arbeitsplatz ist hier gemeint? Wenn, dann ist die Pumpe selbst ja schon der Arbeitsplatz des fließenden Honig. Aber es heisst ja "am" Arbeitsplatz. Na - ich denke es ist der Arbeitsplatz daneben. Das was da mittels Motor so im aufgehäuften Fett rotiert. Der "WEITERVERARBEITETE" Stoff, aus dem dann das Fett wird. Was mag das wohl für ein Ausgangsprodukt sein, aus dem dann durch Rotation und verquirlen Fett wird? Nun erzählt mir nicht, es wäre eine Wanne voll Sonnenblumensträusse, weil es sich ja unzweifelhaft um Sonnenblumenmargariene handeln würde. Obwohl - so gänzlich falsch mag der Gedanke noch gar nicht sein. Denn es könnte sein, dass Herr Beuys, neben der finanziellen Seite, hier schon auf die Tatsache hinweisen wollte: Es ist nicht überall drin, was auf der Verpackung drauf steht. Denn meines Wissens nach wird Pflanzenmargariene durch "pressen" hergestellt. Rotierende Werkzeuge dagegen verquirlen Milch bzw. den Rahm in einer Wanne bis daraus Butter, also Fett entsteht. Milch ist also der Stoff den wir uns neben dem Honig in diese Installation dazu denken müssen, um ihre exakte Bedeutung verstehen zu können. Denn es fließt hier "sichtbarlich" Honig, aber eben auch unsichtbar Milch durch die Schläuche. Dass bekommen wir dadurch bestätigt; wenn wir uns die von Beuys irgendwo auf einem Blatt Papier notierten Dinge ansehen, die dort für den Aufbau aufgeschrieben sind. Da steht unter anderem nicht Plastikschlauch, nicht Aquarienschlauch oder Gummischlauch. Da steht ... Meter "MELKSCHLAUCH"! Also der Schlauch, der vom Bauern für den Transport der Milch in die dafür vorgesehenen Kannen verwendet wird. Beuys wird sich sicherlich bei der Auswahl gerade dieses Schlauchtyps was gedacht haben. Wir haben also zwei zentrale Materialien in diesem Kunstwerk. Honig und Milch in seiner weiterverarbeiteten Form des Fettes. Na - dämmert's so langsam, was die eigentliche Bedeutung der "Honigpumpe am Arbeitsplatz" sein könnte?
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
[[[[[[[||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||\\
..===================================...\\
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.....\\
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.....//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||...//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[.G.I.B.|||||||.M.I.R.|||||||.H.O.N.I.G.//////-----|||||
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[|:::::|||||||||||||||||||||||||::||||||||||/::::///////////-----|||||
[[[[[[::|||||::||||::::||:::|||::::||:::||||||||||::::::::////:://::--::-|||||
[[[[[[[|||||||:::::|||:::||:::|||::||::|::|||::|||:::://:::://:://:::-::||||||
[[[[[[[||||||||::||||||||||||||||||||::||::|||||||/:::::://///////-::--::||||
[[[[[[[|||||||||::|||||||||||||||||||||::|||||||||///////////////--::--||||
[[[[[[[||||||||||::|||||||||||||||||||||::||||||||///////////////---::-||||
[[[[[[[||||||||||||||||||||||||||||||||||::|||||||///////////////----GM
[[[.J.B.1979.|||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----20
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----24
===================================
"Unser tägliches BROT GIB UNS heute"
Das besondere der Installation ist, dass sie sich in ihren Ausmaßen nicht nur auf diesen einen Raum der Rotunde beschränkt, sondern der Honigschlauch diesen Ort nach oben verlässt und seinen Weg in Richtung Räumlichkeiten der freien Universität findet. Laut Berichterstattung einer der zentralen Bedeutungspunkte der Honigpumpe. Ich bräuchte jetzt ein wenig Oktoberfest - Schunkelmusik im Hintergrund... ol l° l° l" ol ol ol l° ol ol ... Der Vorsänger: "Mei - ne Honig - Pum - pe ist das zen - trale Gerät der frei - en Uni - versi - tät". Der Chor der Kulturfachleute antwortet: "Herr Beuys, nur wir ver - steh - en nix, drum wieder - hol'n wir ihr Gesag - tes auch ganz fix."..... Suppi Musik. Nur leider im Zusammenhang des Kunstwerks völlig unwichtig. Zum Zeitpunkt der Documenta 6 hatte ich noch kein Museum von innen gesehen. Erste Discothekenbesuche standen zu dem Zeitpunkt auf Platz eins meiner Freizeitaktivitäten. Daher kenne ich natürlich nicht den Verlauf der Honigleitung im Detail. Nach meinen Informationen endete sie aber dort nicht, sondern war danach noch höher verlegt, bis es aus architektonischen Gründen nicht mehr höher ging. Erst jetzt verlief die Leitung wieder zurück nach unten bis zur Pumpe in der Rotunde. Die Räumlichkeiten der Freien Universität waren da für mein dafürhalten eher im Weg und hatten eigentlich für das Verständnis der Honigpumpe keine nennenswerte Bedeutung. Nur war die Freie Universität ein weiteres Projekt von Beuys, das für ihn mehr Zeit in Anspruch nahm, als das morgentliche ein- und abendliche Ausschalten der Honigpumpe. Daher erklärte es der Komiker aus Kleve kurzerhand zur zentralen Bedeutung dieser Installation. An der Stelle hätte aber für mein dafür halten auch eine Pommes- oder Burgerbude stehen können. Die hätte nicht weniger Bedeutung gehabt. Der entscheidende Punkt des Honigverlaufs ist nicht diese Räumlichkeit mit "diskutierenden Menschen", sondern der Punkt, wo es aus architektonischen Gründen nicht noch mehr nach oben ging. Soll heißen, die Bedeutung des Honigschlauchverlauf liegt im: DAS DA UNTEN funktioniert nur solange problemlos, solange DER DA OBEN nicht mit einem Fuss auf der Leitung steht !!!
Und dann gibt es da immer noch diese kurz aufgezählten und eher Stiefmütterlich behandelten, aber nie weiter deschifrierten 3 Töpferkrüge, die da etwas verloren in der Ecke rumstehen. Diese klassische künstlerische Vater - Mutter - Kind Konstellation. Symbol für den beteiligten Menschen? Ja - sicherlich auch das. Aber so demonstrativ in die Ecke gestellt, scheint mir hier doch auch ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Ecke vorzuliegen. Und wie Beuys einmal sagte: "Ich denke sowieso nur mit dem Knie." ...nämlich dem des christlichen Büsser's, können wir durchaus vermuten, dass mit dem deutlichen Verweis auf die Ecke der neutestamentarische verworfene Eckstein, nämlich Jesus Christus gemeint ist. (NT Luk 20,17-18; Mat 21,42-44; Apg 4,11; Psm 118,22; Röm 9,33; AT Jes 8,13-15; Jes 28,16) Also neben dem Vater - Mutter - Kind Aspekt auch ein Verweis auf die "Heilige Dreifaltigkeit" mit diesen drei Krügen vorliegt.
Wenn wir uns dazu noch die Fotoserie von Herrn Jochen Hiltmann für die Zeitschrift "Spuren" ansehen, die er zusammen mit Beuys gemacht hat, so fällt auf, wie zentral diese 3 Krüge von Beuys beim Thema Honigpumpe ins Bild gerückt werden. Einen der Krüge hat er auf den Fuss gestellt. Ich vermute eine Anspielung an die neutestamentarische Fusswaschung von Jesus (An dieser Stelle nochmal DEN DA OBEN vergegenwärtigen!). Einen Krug hält er sich wie ein Amulett vor die Brust und den dritten Krug als Krönungssymbolik auf den Kopf. Und dann noch das Foto mit der Hirtenstock - Symbolik. Aber ein wirklich interessantes Foto der Reihe und mit "Foto 3" betitelt zeigt Beuys wie er mit beiden Händen zwei Schläuche hält. Für mich ein eindeutiger Hinweis auf die Tätigkeit des Melken. So eng wie er die beiden Hände nebeneinander hält, vermutlich ein hinweis, dass es sich um ein Ziegenäuter handelt. Bei all diesen unübersehbaren Hinweisen auf Milch und Religion bleibt mir nur noch zu sagen:
Diese Installation auf der Documenta 6 in Kassel von 1977 ist nicht "Die Erschaffung Adams" von Michelangelo, ist nicht "Das Letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci und auch nicht "Die Kreuzigung hyperkubisch" von Salvador Dali...... Sondern nicht weniger, aber ersteinmal auch nicht mehr, als die künstlerische Umsetzung des aus der Bibel stammenden Spruchs: "DAS LAND WO MILCH UND HONIG FLIESSEN", mit dem Titel: "Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys. (Bibel, AT, 2Mose/Exodus 3,8; 3,17; Jer 11,5; Ez 20,6; 20,15) Und wenn wir uns unter diesem Aspekt nocheinmal das durchlesen, was Beuys alles irgendwann irgendwo zu dieser Installation gesagt hat, werden wir feststellen, wenn wir nicht zu sehr im Blutkreislauf verharren, dass alles auch einen Bezug zu dem oben genannten biblischen Spruch hat.
Aber die, die dem Humor von Herrn Beuys weiter auf den Honig - äh...pardon, auf den Leim gehen möchten und seine Documenta Installation wie Professor Dr. Bean seine "Whistlers Mutter" behandeln wollen, sollen ruhig weiter an den elitären Quark vom Blutkreislauf der Gesellschaft glauben.....
http://www.thebroad.org/art/joseph-beuys
"Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys, Documenta 6, Kassel 1977.
Ich finde es fällt auf, dass man relativ wenig webweit an eingehender Erläuterung und Interpretation über diese Installation auf der Documenta 6 lesen kann. Nach kurzem Aufzählen von ein paar beteiligten Gegenständen und dem Nachplappern von Beuysschen Formulierungen vom Blutkreislauf der Gesellschaft und der Freien Universität, die sich darin manifestiere, flüchtet man sich meist ganz schnell in Bienengeschichten und was es sonst noch zu Fett und Filz und dem erweiterten Kunstbegriff zu schreiben gibt. Aber was "DA UNTEN" eigentlich zu sehen ist, scheint niemand wirklich eingehender auf sich wirken zu lassen und mal Detail für Detail auseinander zu klamüsern.
Die "Honigpumpe am Arbeitsplatz" haben vermutlich inzwischen nicht nur tausende sondern Millionen von Leuten zu sehen bekommen auf einem der im Netz existierenden Fotos. Aber alle die darüber schreiben, erzählen ersteinmal nur das nach, was sie von einer einzigen Person darüber zu hören oder zu lesen bekommen haben. Nämlich das Gesagte dieser Person Joseph Beuys. Woher wollen die denn alle gemeinsam wissen, dass diese besagte Person die Wahrheit sagt und uns fragende Betrachter in Wirklichkeit nicht an der Nase herumführt und uns ganz wissentlich, warum auch immer, versucht in die Irre zu führen?
Also lasst uns doch einfach mal für einen Moment vergessen, was diese eine Person Joseph Beuys über diese Installation auf der Documenta 6 von 1977 gesagt hat. Wollen wir doch einmal sehen, was so alles auf Fotos zu finden ist und versuchen zu interpretieren und deuten, was da zu sehen ist, bevor wir das "wiederkäuen", was die Fachwelt von Herrn Beuys rezitiert. Das ist gar nicht so kompliziert, wie man sich vielleicht erzählt.
Trotzdem fang ich gleich mal mit einem Kommentar von Herrn Beuys dazu an. Am Ende dieser Ausstellung soll er gesagt haben, dass er nicht möchte, dass die Honigpumpe als funktionierendes Kreislaufsystem noch einmal woanders aufgebaut werden soll. Sie soll so lediglich als Dokument der Documenta 6 von Kassel erhalten bleiben. Warum? Ist sie so sehr an die Diskussionen in den Räumen der Freien Universität gebunden? Ich glaube kaum. Ich vermute, der Grund ist die außergewöhnliche Räumlichkeit, in der sie aufgebaut war, was so von vornherein kein Museum dieser Welt zu bieten hat. Die Rotunde im Fridericianum. Einfach gesagt: Ein halber runder Raum. Dieser Ort war, von einer Reihe Fotos, die während dem Aufbau der Installation von verschiedenen Seiten auf der Höhe der Pumpen entstanden einmal abgesehen, für die Besucher und Betrachter der Documenta, nur von oben einzusehen. Und man muss kein Akademiker mit Medizinstudium sein, um zu erkennen, dass dieser runde Halbraum dort unten, der auf Fotos wie die kartographische Abwicklung der Nord oder Südhalbkugel der Erde wirkt, eher etwas mit der "Höhlentheorie von Platon" zu tun hat, als mit irgend einem Blutkreislauf.
Und was heißt hier überhaupt "Blutkreislauf"? Ein Stoff, der für das Leben eines Individuum unabdingbar ist, soll durch sein totales Gegenteil, eines der allerersten Luxusgüter der Menschheit überhaupt dargestellt werden? Durch Honig? Das ist doch wohl ein Witz?! Gut - gänzlich auszuschließen ist das nicht. Herr Beuys behauptete ja in seinem Frühstücksgespräch von 1985, dass er ein Schüler des HUMORISTISCHEN Gymnasiums zu Kleve war. Sagen wir also mal, der Honig ist nicht Blut sondern Honig und wenn Symbolik, dann das was er schon immer war,
zumindest seit dem Alten Testament der Bibel, nämlich als Beispiel für Luxusgüter wie Auto, Eigenheim, Urlaub, Fernseher, Stereoanlage, Homecomputer, Smartphone, Stadionbesuch und Museumsbesuch usw..... Während ich die Symbolbedeutungen des Honig aufzähle stelle ich fest, dass das mit dem Blut doch stimmen könnte, denn so mancher würde lieber sterben wollen, als auf den einen oder anderen der aufgezählten Artikel zu verzichten. Wer also weiter an die Symbolkraft des durch die Schläuche und Röhren fließenden Blutes in Form des Honig glauben will (Vorsicht ! Abends wird abgeschaltet, Morgens durch Herrn Beuys persönlich reanimiert.), möge weiter geradeaus gehen bis ans Ende und dann rechts.......und ihr wisst, jeder nur ein Kreuz. Alle anderen, die inzwischen an die Symbolik des Luxusgutes dargestellt durch den fließenden Honig glauben, bitte hier entlang.....
Auch der Titel der Installation weist deutlich auf den Honig hin, denn er lautet ja nicht Blutpumpe, sondern Honigpumpe am Arbeitsplatz. Aber was für ein Arbeitsplatz ist hier gemeint? Wenn, dann ist die Pumpe selbst ja schon der Arbeitsplatz des fließenden Honig. Aber es heisst ja "am" Arbeitsplatz. Na - ich denke es ist der Arbeitsplatz daneben. Das was da mittels Motor so im aufgehäuften Fett rotiert. Der "WEITERVERARBEITETE" Stoff, aus dem dann das Fett wird. Was mag das wohl für ein Ausgangsprodukt sein, aus dem dann durch Rotation und verquirlen Fett wird? Nun erzählt mir nicht, es wäre eine Wanne voll Sonnenblumensträusse, weil es sich ja unzweifelhaft um Sonnenblumenmargariene handeln würde. Obwohl - so gänzlich falsch mag der Gedanke noch gar nicht sein. Denn es könnte sein, dass Herr Beuys, neben der finanziellen Seite, hier schon auf die Tatsache hinweisen wollte: Es ist nicht überall drin, was auf der Verpackung drauf steht. Denn meines Wissens nach wird Pflanzenmargariene durch "pressen" hergestellt. Rotierende Werkzeuge dagegen verquirlen Milch bzw. den Rahm in einer Wanne bis daraus Butter, also Fett entsteht. Milch ist also der Stoff den wir uns neben dem Honig in diese Installation dazu denken müssen, um ihre exakte Bedeutung verstehen zu können. Denn es fließt hier "sichtbarlich" Honig, aber eben auch unsichtbar Milch durch die Schläuche. Dass bekommen wir dadurch bestätigt; wenn wir uns die von Beuys irgendwo auf einem Blatt Papier notierten Dinge ansehen, die dort für den Aufbau aufgeschrieben sind. Da steht unter anderem nicht Plastikschlauch, nicht Aquarienschlauch oder Gummischlauch. Da steht ... Meter "MELKSCHLAUCH"! Also der Schlauch, der vom Bauern für den Transport der Milch in die dafür vorgesehenen Kannen verwendet wird. Beuys wird sich sicherlich bei der Auswahl gerade dieses Schlauchtyps was gedacht haben. Wir haben also zwei zentrale Materialien in diesem Kunstwerk. Honig und Milch in seiner weiterverarbeiteten Form des Fettes. Na - dämmert's so langsam, was die eigentliche Bedeutung der "Honigpumpe am Arbeitsplatz" sein könnte?
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
[[[[[[[||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||\\
..===================================...\\
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.....\\
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.....//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||...//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||.//
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[.G.I.B.|||||||.M.I.R.|||||||.H.O.N.I.G.//////-----|||||
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----|||||
[[[[[[[|:::::|||||||||||||||||||||||||::||||||||||/::::///////////-----|||||
[[[[[[::|||||::||||::::||:::|||::::||:::||||||||||::::::::////:://::--::-|||||
[[[[[[[|||||||:::::|||:::||:::|||::||::|::|||::|||:::://:::://:://:::-::||||||
[[[[[[[||||||||::||||||||||||||||||||::||::|||||||/:::::://///////-::--::||||
[[[[[[[|||||||||::|||||||||||||||||||||::|||||||||///////////////--::--||||
[[[[[[[||||||||||::|||||||||||||||||||||::||||||||///////////////---::-||||
[[[[[[[||||||||||||||||||||||||||||||||||::|||||||///////////////----GM
[[[.J.B.1979.|||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----20
[[[[[[[|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||///////////////-----24
===================================
"Unser tägliches BROT GIB UNS heute"
Das besondere der Installation ist, dass sie sich in ihren Ausmaßen nicht nur auf diesen einen Raum der Rotunde beschränkt, sondern der Honigschlauch diesen Ort nach oben verlässt und seinen Weg in Richtung Räumlichkeiten der freien Universität findet. Laut Berichterstattung einer der zentralen Bedeutungspunkte der Honigpumpe. Ich bräuchte jetzt ein wenig Oktoberfest - Schunkelmusik im Hintergrund... ol l° l° l" ol ol ol l° ol ol ... Der Vorsänger: "Mei - ne Honig - Pum - pe ist das zen - trale Gerät der frei - en Uni - versi - tät". Der Chor der Kulturfachleute antwortet: "Herr Beuys, nur wir ver - steh - en nix, drum wieder - hol'n wir ihr Gesag - tes auch ganz fix."..... Suppi Musik. Nur leider im Zusammenhang des Kunstwerks völlig unwichtig. Zum Zeitpunkt der Documenta 6 hatte ich noch kein Museum von innen gesehen. Erste Discothekenbesuche standen zu dem Zeitpunkt auf Platz eins meiner Freizeitaktivitäten. Daher kenne ich natürlich nicht den Verlauf der Honigleitung im Detail. Nach meinen Informationen endete sie aber dort nicht, sondern war danach noch höher verlegt, bis es aus architektonischen Gründen nicht mehr höher ging. Erst jetzt verlief die Leitung wieder zurück nach unten bis zur Pumpe in der Rotunde. Die Räumlichkeiten der Freien Universität waren da für mein dafürhalten eher im Weg und hatten eigentlich für das Verständnis der Honigpumpe keine nennenswerte Bedeutung. Nur war die Freie Universität ein weiteres Projekt von Beuys, das für ihn mehr Zeit in Anspruch nahm, als das morgentliche ein- und abendliche Ausschalten der Honigpumpe. Daher erklärte es der Komiker aus Kleve kurzerhand zur zentralen Bedeutung dieser Installation. An der Stelle hätte aber für mein dafür halten auch eine Pommes- oder Burgerbude stehen können. Die hätte nicht weniger Bedeutung gehabt. Der entscheidende Punkt des Honigverlaufs ist nicht diese Räumlichkeit mit "diskutierenden Menschen", sondern der Punkt, wo es aus architektonischen Gründen nicht noch mehr nach oben ging. Soll heißen, die Bedeutung des Honigschlauchverlauf liegt im: DAS DA UNTEN funktioniert nur solange problemlos, solange DER DA OBEN nicht mit einem Fuss auf der Leitung steht !!!
Und dann gibt es da immer noch diese kurz aufgezählten und eher Stiefmütterlich behandelten, aber nie weiter deschifrierten 3 Töpferkrüge, die da etwas verloren in der Ecke rumstehen. Diese klassische künstlerische Vater - Mutter - Kind Konstellation. Symbol für den beteiligten Menschen? Ja - sicherlich auch das. Aber so demonstrativ in die Ecke gestellt, scheint mir hier doch auch ein deutlicher Fingerzeig in Richtung Ecke vorzuliegen. Und wie Beuys einmal sagte: "Ich denke sowieso nur mit dem Knie." ...nämlich dem des christlichen Büsser's, können wir durchaus vermuten, dass mit dem deutlichen Verweis auf die Ecke der neutestamentarische verworfene Eckstein, nämlich Jesus Christus gemeint ist. (NT Luk 20,17-18; Mat 21,42-44; Apg 4,11; Psm 118,22; Röm 9,33; AT Jes 8,13-15; Jes 28,16) Also neben dem Vater - Mutter - Kind Aspekt auch ein Verweis auf die "Heilige Dreifaltigkeit" mit diesen drei Krügen vorliegt.
Wenn wir uns dazu noch die Fotoserie von Herrn Jochen Hiltmann für die Zeitschrift "Spuren" ansehen, die er zusammen mit Beuys gemacht hat, so fällt auf, wie zentral diese 3 Krüge von Beuys beim Thema Honigpumpe ins Bild gerückt werden. Einen der Krüge hat er auf den Fuss gestellt. Ich vermute eine Anspielung an die neutestamentarische Fusswaschung von Jesus (An dieser Stelle nochmal DEN DA OBEN vergegenwärtigen!). Einen Krug hält er sich wie ein Amulett vor die Brust und den dritten Krug als Krönungssymbolik auf den Kopf. Und dann noch das Foto mit der Hirtenstock - Symbolik. Aber ein wirklich interessantes Foto der Reihe und mit "Foto 3" betitelt zeigt Beuys wie er mit beiden Händen zwei Schläuche hält. Für mich ein eindeutiger Hinweis auf die Tätigkeit des Melken. So eng wie er die beiden Hände nebeneinander hält, vermutlich ein hinweis, dass es sich um ein Ziegenäuter handelt. Bei all diesen unübersehbaren Hinweisen auf Milch und Religion bleibt mir nur noch zu sagen:
Diese Installation auf der Documenta 6 in Kassel von 1977 ist nicht "Die Erschaffung Adams" von Michelangelo, ist nicht "Das Letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci und auch nicht "Die Kreuzigung hyperkubisch" von Salvador Dali...... Sondern nicht weniger, aber ersteinmal auch nicht mehr, als die künstlerische Umsetzung des aus der Bibel stammenden Spruchs: "DAS LAND WO MILCH UND HONIG FLIESSEN", mit dem Titel: "Honigpumpe am Arbeitsplatz" von Joseph Beuys. (Bibel, AT, 2Mose/Exodus 3,8; 3,17; Jer 11,5; Ez 20,6; 20,15) Und wenn wir uns unter diesem Aspekt nocheinmal das durchlesen, was Beuys alles irgendwann irgendwo zu dieser Installation gesagt hat, werden wir feststellen, wenn wir nicht zu sehr im Blutkreislauf verharren, dass alles auch einen Bezug zu dem oben genannten biblischen Spruch hat.
Aber die, die dem Humor von Herrn Beuys weiter auf den Honig - äh...pardon, auf den Leim gehen möchten und seine Documenta Installation wie Professor Dr. Bean seine "Whistlers Mutter" behandeln wollen, sollen ruhig weiter an den elitären Quark vom Blutkreislauf der Gesellschaft glauben.....
http://www.thebroad.org/art/joseph-beuys
... link
Donnerstag, 29. März 2012
9. MALLORCA: URLAUBER ERSTICKT BEIM ESSEN...
guennisseite, 17:36h
. . . lautete die Überschrift einer Meldung auf verschiedenen Nachrichtenportalen vom 31.August 2025. Laut dieses Berichts hatte sich ein 82 - jähriger deutscher Großvater verschluckt und war mit einem Stück Fleisch im Hals erstickt, ohne dass einer der 555555 umstehenden Verwandten oder Restaurantbesucher ihn retten konnte. Wie das Nachrichtenportal "Cronica Balear" erklärte, haben ihn auch ein paar Rettungschwümmer unter Anwendung der "Heimlich Methode", keine Ahnung was das ist, nicht aus seiner misslichen Lage befreien können. Man soll laut Bericht dabei 5 mal kräftig auf den Rücken klopfen und 5 mal Druck auf den Oberbauch ausüben. Vermutlich damit der Brocken filmreif wieder aus dem Mund fliegt und im Dekolleté der gegenübersitzenden Tante Gertrud landet. Oder doch zumindest auf einem Stück Servietten - Passepartout, um dann fein säuberlich gerahmt zur Erinnerung an die Rettung über dem Beistelltischchen mit dem Telefon an die Wand genagelt zu werden.
Gut - Man könnte sagen, was woll'n denn die ganzen Leute? Opa war 82 und hatte einen intensiven aber kurzen Tod. Viele andere siechen noch Jahre irgendwo allein in einem Bett im Altersheim dahin. Opa hatte das Glück im Kreise seiner Frau, seiner lieben Enkelin und seines Schwiegersohns sterben zu dürfen. Was will man mehr in dem Alter. Ja - Opa könnte aber auch noch sehr rüstig in seinem Alter gewesen sein. Einen gut und umfangreich ausgebauten Hobbykeller sein eigen nennen. War, wie wir erfahren, noch recht unternehmungslustig und aufgeschlossen für Reisen. Hatte vieleicht vor, nocheinmal mit EasyJet den Jakobsweg entlang zu fliegen, oder was weiß ich noch zu besteigen. Why not?
In dem Fall aber, habe ich das ungute Gefühl, daß sich die 555555 Retter für die falsche Richtung des Fleischbrocken entschieden haben. Zumindest hat mir das mal eine "Putte" getackert.
Ja - ich muss gestehen, ich war auch mal in der misslichen Lage wie Opa. Und auch ich hatte einen Brocken im Hals, der sich keinen Millimeter mehr, weder vor noch zurück bewegte und war wie Opa am ersticken und auf dem absolut sicheren Weg in Richtung Jenseits. Aber was hat dann doch noch zu meiner wundersamen Rettung beigetragen?
Es war zu einer Zeit...(moment - fangen so nicht Märchen an? Egal...) als ich noch auf der Straße lebte und mit Betteln in Lissabon und Umgebung unterwegs war. Genauer gesagt waren es gerade die Monate, in denen ich in einem alten verlassenen Haus in Sintra die Nächte verbrachte. Der Ort unweit von Lissabon, der kurz in dem Film von 1999 "Die Neun Pforten" mit Johnny Depp zu sehen ist. Von dem für diesen Ort auffallend mickrigen erbettelten Geld hatte ich mir noch ein trockenes Brötchen ohne jeglichen Belag als Betthupferl für den Abend aufgehoben. Ich lag nun auf der ausrangierten Matratze in einem noch halbwegs erträglichen, nicht mit Parkett, sondern noch mit alten verwitterten Holzbolen ausgestatteten Zimmer, mit einem Arm aufgestütz, wie ein römischer Centurio auf seinem Chaiselonge. Eine vermutlich nicht gekaufte sondern von einem Friedhof "organisierte" Kerze sorgte für die spärliche Beleuchtung. Da lag ich nun; sinierte über die Vorkommnisse des Tages und brach das Brötchen, um mir in aller Ruhe Stück für Stück in den Mund zu schieben.
Bis dann der falsche Brocken an der Reihe war. Der blieb in meinem Hals stecken und machte keinen Ruckler mehr. Weder vor noch zurück und die Sauerstoffzufuhr sank in einer Sekunde von 100% auf 0%...Scheiße!...Scheiße!...Scheiße!
(Ab jetzt versuche ich in der Beschreibung von Echtzeit auf Superslowmotion zu wechseln) Ich kann euch versichern, das war'ne knallharte Tatsache, daß ich im Moment wie Opa auf dem sicheren Weg war zu krepieren, nur daß ich niemanden in meiner Nähe hatte, der mir, wie auch immer, hätte helfen können. Um Hilfe schreien? Na - ich brauch wohl keinen langen medizinischen Bericht halten, daß man auch dafür erst mal die nicht mehr zur Verfügung stehende Luft braucht, um nur den kleinsten Piepser zu artikulieren. Sicher - Es mag Leute geben, die sagen: "Was soll das Gejammer! Das ist nun mal die natürliche Auslese in der Savanne von Portugal. Wie lange will der schnorrende Hänger noch von seinen armen Mitmenschen leben?" Eji - Mann ! Gut - ich lebte'n ganz schön hartes Leben ohne jegliche Luxusgüter. Nicht mal Geld für'n Glas Honig hatte ich damals. Es gibt aber auch Tage, da ist irgendwie fast alles geil. Geiles Wetter. Geile Stadt. Geiler Fluss. Geiles Meer. Erträgliche Mitmenschen. Man könnte sich kaum besser fühlen. Und jetzt soll mit dem allem ganz plötzlich Schluss sein? Ohne ersichtlichen Grund? So von einer Sekunde auf die Andere, wegen so einem Scheiß Brocken im Hals?
Nun müssen wir unterscheiden, denn das ist mein Wissensstand des Vortages.
Das Know How des Momentum ist aber inzwischen ein anderer. Was war also passiert? An diesem Morgen wurde ich durch ein besonderes Geräusch geweckt. Oder war ich schon wach? Egal - Dieses Geräusch hob sich stark von allem anderen ab, wie vorbeifahrenden Autos oder quaselnde Passanten auf dem Bürgersteig die durch die Fenster deren Glas nicht mehr vorhanden war drang. Es klang so wie wenn jemand mit etwas schwerem einmal auf Holzbretter schlägt oder drauf springt. Dieses Geräusch war so einprägend, daß ich mich in diesem panischen Moment am Abend sofort daran erinnerte und wusste, was jetzt zu tun ist. Innerhalb von Sekunden, nachdem Sauerstoff - mässig nichts mehr ging, sprang ich von meiner Matratze hoch, setzte mit meinen 1m83 wie in alten Tagen zum Fosbury Flop an, aber nicht um Bezirksmeister im Hochsprung bei einem Hallenevent meiner Stadt in den Siebzigern zu werden, sondern um bewusst unsanft und ohne abzufedern wieder auf den Füssen zu landen. Der Brocken rutschte problemlos durch in Richtung Magen, frischer modrig duftender verstaubter Sauerstoff flutete wieder meine Lungen und ich war sichtlich verdattert über das, was mir gerade in den letzten Sekunden passiert war. Im Animationsfilm "Polar Express" steigen jetzt die Kellner auf die Tische und tanzen und der Schaffner singt:"SUPERKLASSE - EXTRAKLASSE - ERSTE KLASSE..." (We got it...)
Ja sicher. Von einem 82 - jährigem Opa zu verlangen, er soll Basketball - mässig zu einem Dunking ansetzen ist sicher problematisch. Wenn also keine Treppenstufe in der Nähe war, von der er hätte hopsen können, hätte man ihn zumindest dazu überreden können aufzustehen und sich mutig ohne abzubremsen wieder auf den Stuhl plumsen zu lassen. Vieleicht wäre das seine letzte Rettung gewesen. Vieleicht auch nicht.....
Und hier noch abschließend ein Kurztrip in die Vergangenheit Portugals mit dem Film "Nachtzug nach Lissabon" . . . . . ? . . . . .
https://youtube.com/watch?v=LYVqLj84rQ4&si=NIK7drAKzDrIN32I
(Sept. 2025)
.
.
.
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . . . . . .|[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]\_________/[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][] Brocken [][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]/------👿-----\[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . I . . . . |[][][][][][][][][]______[][][][][][][][][][][][][][]
][][][] Luftröhre ----> []| . . . . I . . . . |[][][][][][][]/ . . . . . . [][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . I . . . . |[][] v = V 2 • g • h [][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . .\/. . . . |[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . . . . . . |[][] v = Aufprallgeschwindigkeit [][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]|___________|[][][][][][][][][][][] in m : s [][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][] g = Erdbeschleunigung 9,81• m [][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]---------[][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][] s • s [][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][] h = Fallhöhe in m [][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][\ ll /][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][\/][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
====================💥===============================
......................................BODEN............................................................
..............................................................................................................
........ F = m • a .......F = Kraft in Newton [ N ] ......................................
..............................m = Masse des Körper in [ kg ] .............................
...............................a = Beschleunigung in [ m ] pro [ s ] ....................
..............................................................................................................
..............................................................................................................
.....................................................................................GM2026 🤭 .....
.
.
.
TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION
.
.
TOURIST SUFFOCATES WHILE EATING. . .
. . . was the headline of a report on various news portals from August 31,2025. According to this report, an 82 - year - old German grandfather had suffocated with a piece of meat in his throat, without any of the 555555 surrounding relatives or restaurant visitors being able to save him. As the news portal "Cronica Balear" explained, even a few lifeguards using the "Heimlich Method", I have no idea what that is, were unable to free him from his predicament. According to the report you should pat your back vigorously 5 times and apply pressure to your upper abdomen 5 times. Presumably so that the chunk flies out of the mouth cinematic and lands in the cleavage of Aunt Gertrud sitting opposite. Or at least on a piece of napkin and then neatly framed and nailed to the wall above the side table with the telephone as a reminder of the rescue.
Good - you could say: What do all the people want? Grandpa was 82 and had an intense but short death. Many others will waste away alone in a bed in a retirement home for years to come. Grandpa was lucky enough to die surrounded by his wife, his dear granddaughter and his son in law. What more could you want at that age? Yes - grandpa could have been allso very spry at his age. Own a well and extensively developed hobby cellar. As we learn, he was still quite adventurous and open to travel. Maybe was planning to fly along the trail of St. James again with EasyJet, or I don't know what else to climb. Why not.
But in this case, I have a bad feeling that the 555555 rescuers chose the wrong direction for the chunk of meat. At least that's what a cherub once told me. Yes - I have to admit, I was once in the same predicament like grandpa. And I also had a lump in my throat that did'nt move a millimeter, neither vorwards nor backwards and like grandpa, I was suffocating and on the absolutely safe path towards afterlife. But what else contributed to my miraculous rescue?
It was at a time... (wait - isn't that how fairy tales begin? Never mind.) ...when I was still out begging on the streets of Lisbon and the surrounding area. To be more precise, these were the months in which I spent the nights in an old abandoned house in Sintra. The place not far from Lisbon that can be seen briefly in the 1999 film "The Ninth Gate" with Johnny Depp. With the money I begged for, which was noticeably paltry for this place, I saved a dry bun without any toppings as a bedtime snack for the evening. I was now lying on the discarded mattress in a room that was still somewhat bearable, not furnished with parquet but with old weathered wooden boards, with one arm propped up like a Roman centurion on his chaise longue. A candle that was probably not purchased but "organized" by a cemetery provided the sparse lightning. There I lay, thinking about the day's events and breaking the bun and calmly shoving it into my mouth, piece by piece.
Until it was the turn of the wrong chunk. It got stuck in my throat and stopped moving. Neither forward nor back and the oxygen supply dropped from 100% to 0 percent in one second. . . Fuck . . . Fuck . . . Fuck . . !
(From now on I'll try to switch from real time to super slow motion in the description)
I can assure you that at the moment I was on the verge of dying like grandpa, exept that I had no one near me who could have helped me in any way. Scream for help? Well - I probably don't need a long medical report that you need the air that is no longer available to articulate even the smallest beep. Sure - there may be people who say: "What's the point of complaining? That's just natural selection in the savannah of Portugal! How long does the scrounging hangover want to live off of his poor fellow human beeings?" Eiiijjjyy - man! Well - I lived a pretty hard life without any luxury goods. I did'nt even have money for a jar of honey back then. But there are also days when almost everything is great. Great weather. Great City. Great river. Great sea. Tolerable fellow human beings. You cold'nt feel better. And now all of a sudden this is supposed to end? For no apparent reason? From one second to the next, because of a piece of crap stuck in your throat? Now we have to differentiate, because that is my level of knowledge from the previous day.
But the know-how of momentum is meanwhile different. So what had happened? This morning I was woken up by a peculiar noise. Or was I already awake? No matter - this sound stood out from everything else, like cars driving by or people chattering on the sidewalk coming through the windows whose glass was no longer there. It sounded like someone hitting on a wooden board with something heavy or jumping on them. This sound was so memorable that in that panicked moment that evening I immediately remembered it and knew what to do next. Within seconds, after oxygen moderately no longer available, I jumped up from my matress and, like in the old days, started to do the Fosbury Flop with my 1,83m height, but not to become the district champion in the high jump at an indoor event in my city in the seventies, but to deliberately land on my feet again unevenly and without any cushioning. The chunk slipped easily towards my stomach, fresh musty smelling dusty oxygen flooded my lungs again and I was visibly taken aback by what had just happened to me in the last few seconds. In the animated film "Polar Express" the waiters get now on the tables and dance and the conductor sings: ". . . WE GOT IT. . !"
Yes - of couse. Asking a 82-year-old grandpa to dunk in a basketball style is certainly problematic. So if there was'nt a step nearby from which he could hop, he could at least have been persuaded to get up and boldly plop back onto the chair without slowing down. Maybe that would have been his last resort... maybe not.....
(04/2026)
Gut - Man könnte sagen, was woll'n denn die ganzen Leute? Opa war 82 und hatte einen intensiven aber kurzen Tod. Viele andere siechen noch Jahre irgendwo allein in einem Bett im Altersheim dahin. Opa hatte das Glück im Kreise seiner Frau, seiner lieben Enkelin und seines Schwiegersohns sterben zu dürfen. Was will man mehr in dem Alter. Ja - Opa könnte aber auch noch sehr rüstig in seinem Alter gewesen sein. Einen gut und umfangreich ausgebauten Hobbykeller sein eigen nennen. War, wie wir erfahren, noch recht unternehmungslustig und aufgeschlossen für Reisen. Hatte vieleicht vor, nocheinmal mit EasyJet den Jakobsweg entlang zu fliegen, oder was weiß ich noch zu besteigen. Why not?
In dem Fall aber, habe ich das ungute Gefühl, daß sich die 555555 Retter für die falsche Richtung des Fleischbrocken entschieden haben. Zumindest hat mir das mal eine "Putte" getackert.
Ja - ich muss gestehen, ich war auch mal in der misslichen Lage wie Opa. Und auch ich hatte einen Brocken im Hals, der sich keinen Millimeter mehr, weder vor noch zurück bewegte und war wie Opa am ersticken und auf dem absolut sicheren Weg in Richtung Jenseits. Aber was hat dann doch noch zu meiner wundersamen Rettung beigetragen?
Es war zu einer Zeit...(moment - fangen so nicht Märchen an? Egal...) als ich noch auf der Straße lebte und mit Betteln in Lissabon und Umgebung unterwegs war. Genauer gesagt waren es gerade die Monate, in denen ich in einem alten verlassenen Haus in Sintra die Nächte verbrachte. Der Ort unweit von Lissabon, der kurz in dem Film von 1999 "Die Neun Pforten" mit Johnny Depp zu sehen ist. Von dem für diesen Ort auffallend mickrigen erbettelten Geld hatte ich mir noch ein trockenes Brötchen ohne jeglichen Belag als Betthupferl für den Abend aufgehoben. Ich lag nun auf der ausrangierten Matratze in einem noch halbwegs erträglichen, nicht mit Parkett, sondern noch mit alten verwitterten Holzbolen ausgestatteten Zimmer, mit einem Arm aufgestütz, wie ein römischer Centurio auf seinem Chaiselonge. Eine vermutlich nicht gekaufte sondern von einem Friedhof "organisierte" Kerze sorgte für die spärliche Beleuchtung. Da lag ich nun; sinierte über die Vorkommnisse des Tages und brach das Brötchen, um mir in aller Ruhe Stück für Stück in den Mund zu schieben.
Bis dann der falsche Brocken an der Reihe war. Der blieb in meinem Hals stecken und machte keinen Ruckler mehr. Weder vor noch zurück und die Sauerstoffzufuhr sank in einer Sekunde von 100% auf 0%...Scheiße!...Scheiße!...Scheiße!
(Ab jetzt versuche ich in der Beschreibung von Echtzeit auf Superslowmotion zu wechseln) Ich kann euch versichern, das war'ne knallharte Tatsache, daß ich im Moment wie Opa auf dem sicheren Weg war zu krepieren, nur daß ich niemanden in meiner Nähe hatte, der mir, wie auch immer, hätte helfen können. Um Hilfe schreien? Na - ich brauch wohl keinen langen medizinischen Bericht halten, daß man auch dafür erst mal die nicht mehr zur Verfügung stehende Luft braucht, um nur den kleinsten Piepser zu artikulieren. Sicher - Es mag Leute geben, die sagen: "Was soll das Gejammer! Das ist nun mal die natürliche Auslese in der Savanne von Portugal. Wie lange will der schnorrende Hänger noch von seinen armen Mitmenschen leben?" Eji - Mann ! Gut - ich lebte'n ganz schön hartes Leben ohne jegliche Luxusgüter. Nicht mal Geld für'n Glas Honig hatte ich damals. Es gibt aber auch Tage, da ist irgendwie fast alles geil. Geiles Wetter. Geile Stadt. Geiler Fluss. Geiles Meer. Erträgliche Mitmenschen. Man könnte sich kaum besser fühlen. Und jetzt soll mit dem allem ganz plötzlich Schluss sein? Ohne ersichtlichen Grund? So von einer Sekunde auf die Andere, wegen so einem Scheiß Brocken im Hals?
Nun müssen wir unterscheiden, denn das ist mein Wissensstand des Vortages.
Das Know How des Momentum ist aber inzwischen ein anderer. Was war also passiert? An diesem Morgen wurde ich durch ein besonderes Geräusch geweckt. Oder war ich schon wach? Egal - Dieses Geräusch hob sich stark von allem anderen ab, wie vorbeifahrenden Autos oder quaselnde Passanten auf dem Bürgersteig die durch die Fenster deren Glas nicht mehr vorhanden war drang. Es klang so wie wenn jemand mit etwas schwerem einmal auf Holzbretter schlägt oder drauf springt. Dieses Geräusch war so einprägend, daß ich mich in diesem panischen Moment am Abend sofort daran erinnerte und wusste, was jetzt zu tun ist. Innerhalb von Sekunden, nachdem Sauerstoff - mässig nichts mehr ging, sprang ich von meiner Matratze hoch, setzte mit meinen 1m83 wie in alten Tagen zum Fosbury Flop an, aber nicht um Bezirksmeister im Hochsprung bei einem Hallenevent meiner Stadt in den Siebzigern zu werden, sondern um bewusst unsanft und ohne abzufedern wieder auf den Füssen zu landen. Der Brocken rutschte problemlos durch in Richtung Magen, frischer modrig duftender verstaubter Sauerstoff flutete wieder meine Lungen und ich war sichtlich verdattert über das, was mir gerade in den letzten Sekunden passiert war. Im Animationsfilm "Polar Express" steigen jetzt die Kellner auf die Tische und tanzen und der Schaffner singt:"SUPERKLASSE - EXTRAKLASSE - ERSTE KLASSE..." (We got it...)
Ja sicher. Von einem 82 - jährigem Opa zu verlangen, er soll Basketball - mässig zu einem Dunking ansetzen ist sicher problematisch. Wenn also keine Treppenstufe in der Nähe war, von der er hätte hopsen können, hätte man ihn zumindest dazu überreden können aufzustehen und sich mutig ohne abzubremsen wieder auf den Stuhl plumsen zu lassen. Vieleicht wäre das seine letzte Rettung gewesen. Vieleicht auch nicht.....
Und hier noch abschließend ein Kurztrip in die Vergangenheit Portugals mit dem Film "Nachtzug nach Lissabon" . . . . . ? . . . . .
https://youtube.com/watch?v=LYVqLj84rQ4&si=NIK7drAKzDrIN32I
(Sept. 2025)
.
.
.
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . . . . . .|[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]\_________/[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][] Brocken [][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]/------👿-----\[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . I . . . . |[][][][][][][][][]______[][][][][][][][][][][][][][]
][][][] Luftröhre ----> []| . . . . I . . . . |[][][][][][][]/ . . . . . . [][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . I . . . . |[][] v = V 2 • g • h [][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . .\/. . . . |[][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][]| . . . . . . . . . |[][] v = Aufprallgeschwindigkeit [][][
][][][][][][][][][][][][][][][][]|___________|[][][][][][][][][][][] in m : s [][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][] g = Erdbeschleunigung 9,81• m [][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]---------[][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][] s • s [][][
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][ l ][][] h = Fallhöhe in m [][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][\ ll /][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][]
][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][\/][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][][
====================💥===============================
......................................BODEN............................................................
..............................................................................................................
........ F = m • a .......F = Kraft in Newton [ N ] ......................................
..............................m = Masse des Körper in [ kg ] .............................
...............................a = Beschleunigung in [ m ] pro [ s ] ....................
..............................................................................................................
..............................................................................................................
.....................................................................................GM2026 🤭 .....
.
.
.
TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION
.
.
TOURIST SUFFOCATES WHILE EATING. . .
. . . was the headline of a report on various news portals from August 31,2025. According to this report, an 82 - year - old German grandfather had suffocated with a piece of meat in his throat, without any of the 555555 surrounding relatives or restaurant visitors being able to save him. As the news portal "Cronica Balear" explained, even a few lifeguards using the "Heimlich Method", I have no idea what that is, were unable to free him from his predicament. According to the report you should pat your back vigorously 5 times and apply pressure to your upper abdomen 5 times. Presumably so that the chunk flies out of the mouth cinematic and lands in the cleavage of Aunt Gertrud sitting opposite. Or at least on a piece of napkin and then neatly framed and nailed to the wall above the side table with the telephone as a reminder of the rescue.
Good - you could say: What do all the people want? Grandpa was 82 and had an intense but short death. Many others will waste away alone in a bed in a retirement home for years to come. Grandpa was lucky enough to die surrounded by his wife, his dear granddaughter and his son in law. What more could you want at that age? Yes - grandpa could have been allso very spry at his age. Own a well and extensively developed hobby cellar. As we learn, he was still quite adventurous and open to travel. Maybe was planning to fly along the trail of St. James again with EasyJet, or I don't know what else to climb. Why not.
But in this case, I have a bad feeling that the 555555 rescuers chose the wrong direction for the chunk of meat. At least that's what a cherub once told me. Yes - I have to admit, I was once in the same predicament like grandpa. And I also had a lump in my throat that did'nt move a millimeter, neither vorwards nor backwards and like grandpa, I was suffocating and on the absolutely safe path towards afterlife. But what else contributed to my miraculous rescue?
It was at a time... (wait - isn't that how fairy tales begin? Never mind.) ...when I was still out begging on the streets of Lisbon and the surrounding area. To be more precise, these were the months in which I spent the nights in an old abandoned house in Sintra. The place not far from Lisbon that can be seen briefly in the 1999 film "The Ninth Gate" with Johnny Depp. With the money I begged for, which was noticeably paltry for this place, I saved a dry bun without any toppings as a bedtime snack for the evening. I was now lying on the discarded mattress in a room that was still somewhat bearable, not furnished with parquet but with old weathered wooden boards, with one arm propped up like a Roman centurion on his chaise longue. A candle that was probably not purchased but "organized" by a cemetery provided the sparse lightning. There I lay, thinking about the day's events and breaking the bun and calmly shoving it into my mouth, piece by piece.
Until it was the turn of the wrong chunk. It got stuck in my throat and stopped moving. Neither forward nor back and the oxygen supply dropped from 100% to 0 percent in one second. . . Fuck . . . Fuck . . . Fuck . . !
(From now on I'll try to switch from real time to super slow motion in the description)
I can assure you that at the moment I was on the verge of dying like grandpa, exept that I had no one near me who could have helped me in any way. Scream for help? Well - I probably don't need a long medical report that you need the air that is no longer available to articulate even the smallest beep. Sure - there may be people who say: "What's the point of complaining? That's just natural selection in the savannah of Portugal! How long does the scrounging hangover want to live off of his poor fellow human beeings?" Eiiijjjyy - man! Well - I lived a pretty hard life without any luxury goods. I did'nt even have money for a jar of honey back then. But there are also days when almost everything is great. Great weather. Great City. Great river. Great sea. Tolerable fellow human beings. You cold'nt feel better. And now all of a sudden this is supposed to end? For no apparent reason? From one second to the next, because of a piece of crap stuck in your throat? Now we have to differentiate, because that is my level of knowledge from the previous day.
But the know-how of momentum is meanwhile different. So what had happened? This morning I was woken up by a peculiar noise. Or was I already awake? No matter - this sound stood out from everything else, like cars driving by or people chattering on the sidewalk coming through the windows whose glass was no longer there. It sounded like someone hitting on a wooden board with something heavy or jumping on them. This sound was so memorable that in that panicked moment that evening I immediately remembered it and knew what to do next. Within seconds, after oxygen moderately no longer available, I jumped up from my matress and, like in the old days, started to do the Fosbury Flop with my 1,83m height, but not to become the district champion in the high jump at an indoor event in my city in the seventies, but to deliberately land on my feet again unevenly and without any cushioning. The chunk slipped easily towards my stomach, fresh musty smelling dusty oxygen flooded my lungs again and I was visibly taken aback by what had just happened to me in the last few seconds. In the animated film "Polar Express" the waiters get now on the tables and dance and the conductor sings: ". . . WE GOT IT. . !"
Yes - of couse. Asking a 82-year-old grandpa to dunk in a basketball style is certainly problematic. So if there was'nt a step nearby from which he could hop, he could at least have been persuaded to get up and boldly plop back onto the chair without slowing down. Maybe that would have been his last resort... maybe not.....
(04/2026)
... link
Donnerstag, 23. Februar 2012
8. GOETHES FAUST IN 8 THESEN ("RUNDEN") WIEDER NACH HAUSE GESCHICKT
guennisseite, 11:37h
ERLÄUTERUNGEN ZU
MEINER PERSÖNLICHEN
SICHT AUF
J.W. GOETHE, "FAUST"
DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL
"Ein gutes Gewissen ist nur dann ein gutes Gewissen, wenn es schlecht impliziert. . . " (. . . und das eigene Handeln in Frage stellt.) So ähnlich lautete die Charakterisierung der Selbstreflexion des Zeichner und Schriftsteller HORST JANSSEN bei einer seiner weinseligen Lesungen, die einst im Radio übertragen wurde und durch Zufall auf eine meiner Audio-Kassetten geraten war. . .
Ein leicht verändertes Gravitationsfeld scheint den Transmitterstoff verstärkt in die Spirituosenabteilung der Kaufwunschsynapsen meiner Hypophyse gepresst zu haben, dass neulich vor dem Getränkeregal des Supermarktes eine diabolische Inspiration meine Hand zum Sprudelwasser, mit einem einer Buntstiftfirma nicht unähnlich klingendem Namen greifen liess, die ja schon lange die preisliche Einstiegshöhe für Spumante darstellt und sichtbarlich an diesem Tag in meinen Warenkorb gebettet werden wollte. Am Abend sorgten dann die 11 Promille für die nötige Abwechslung in unserer (Me, Myself and I) kleinen Zweiraumwohnung. Mit stetig schwindendem Pegelstand der grünen Flasche breitete sich dann auch zunehmend die Verwirrung und der sabotageverdächtige Qualitätsschwund im Televisionsbereich als auch im frequenzmodulierten Äther aus, sodass ich mich schon bald einer in der Vergangenheit gesendeten Lesung des erwähnten Oldenburger documenta 6 - Teilnehmer erinnerte und das Bedürfnis verspürte, mich mit einer Lesung einwenig selbst zu unterhalten. Ich näherte mich leicht schwankend dem für mein Literaturinteresse arg klein geratenen Regal, um zwischen der spärlichen Auswahl zu dem viel zitierten "Guten Buch" zu greifen. Wir glaubten uns (Mich, Mir und Ich) auch schon bald in der Gesellschaft von Gleichgesinnten wiederzuerkennen und ich notierte daraufhin die folgenden 8 Thesen zu Johann Wolfgang Goethe, Faust - Der Tragödie Erster Teil:
Unabhängig von der Botschaft, die uns Goethe durch die inneren Beweggründe und Philosophien der erdachten Personen vermitteln möchte, stelle ich als "Autodidact von Faust-Forscher" die folgenden acht Thesen zur äusseren Handlung von Goethes Faust 1 auf:
1. Faust ist kein Theaterstück, noch Manuskript zu einem Theaterdrama, sondern in seiner schriftlichen Form als "ROMAN" zu sehen, der die Struktur eines Theaterdramas aufweist. (Zeile 165: ...ist's eben ein Roman.)
2. Der "AUTOR" des fiktiven Roman, den Goethe zu Papier gebracht hat und somit spezielle seiner Tage spiegelt, ist Doktor Faust, aus dessen Lebenswandel sich diese Niederschrift ergibt. Man kann es mit den Aufzeichnungen Harry Hallers vergleichen, die sozusagen mit Hermann Hesses "Steppenwolf" veröffentlicht wurden.
3. Faust hat diesen Roman aber nicht zur Veröffentlichung komponiert, sondern ersteinmal ausschliesslich für sich selbst als eine Art "GEDÄCHTNISHILFE". Aus einer schriftlichen Form der Gedächtnishilfe resultieren entweder die Schauspielerdialoge, das frei vorgetragene Gedicht, die öffentliche Rede oder aber, wie hier bei Faust, die in der Zueignung immerwieder erwähnte Form des frei vorgetragenen Liedes. (Zeilen: 17, 18, 20, 21, 23, 27, 28)
4. Die schriftliche Form dieser Dichtung, die uns Goethe visualisiert hat und Faust als Vorlage zum Auswendiglernen dienen muss, wird ihm folglich beim Rezitieren zu einer Art "SAGE". (Zeile 11: ...halb verklungenen Sage.).
Daher hat Goethe bzw. Faust für seine Rezitation den Reim gewählt - nicht wegen des Gesangs eines mittelalterlichen Barden, sondern aus dem einfachen Grund, weil sich wie bei Homer's Ilias oder dem Nibelungenlied ein umfangreicheres literarisches Werk, das in Reimen abgefasst ist, so einfacher und in seiner inhaltlichen Kontinuität zuverlässiger auswendig lernen lässt. (siehe auch F. Truffaut's "Fahrenheit 451") Aus dieser Formvorlage ergibt sich für mich auch der unter Punkt 2 zuvor erwähnte Autor der Geschichte.
5. Goethes Faust wird durch die Vortragsweise der Sage, nach meiner ganz persönlichen Theorie, zu einem durchgehenden "MONOLOG", in dem die vereinsamte Person Faust in all die vorkomponierten Rollen schlüpft. Das Werk nähert sich daher auch eher der ursprünglichen Inspiration - dem englischen Marionettentheater an, bei dem sozusagen Goethe bzw. Faust der alleinige Marionettenspieler ist und nicht eine vom Theaterintendanten bewegte Figur. Dieser Monolog bedingt auch, dass die Figuren nicht wie auf der Bühne, gleichzeitig agierten können, sondern immer nur in einer Abfolge nacheinander, wie in einer Prozession oder einem Zug, auftreten können. (Zeile 8: ...euren Zug...)
(siehe auch: Faust - Anmerkung in H. Hesse's "Tractat vom Steppenwolf")
6. Das Schauspiel ist gewissermassen eine "GESELLSCHAFTSFEIER", auf der der einsame Gastgeber auch die Rolle der Gäste übernimmt. Daher bot sich für eine vorabkomponierte Unterhaltung mit all den Themen, über die sich der kulturell interessierte Professor Faust gern mit seinen "Traumgästen" unterhalten möchte, der Theaterdialog, vergleichbar einer heutigen Talkshow am Freitagabend im Fernsehen, als geeignetste Form an. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, wenn in seiner Entstehung das "Gretchendrama" als gewünschter erster Gast schon relativ früh notiert wurde und eine der vielen "schizophrenen Wahnvorstellungen", wie sie die Fachwelt des Nervenarztes bezeichnen würde, spielen wird. (Zeile 4: ...jenem Wahn...) (Zeile 15: ...um schöne Stunden.) (Zeile 26: ...Geisterreich,...) (Zeile 40: ...ein Fest.)
7. Damit die Unterhaltung mit den imaginären Gästen für Faust intellektuell anregend und unterhaltsam ist und seine "Ein-Mann-Party" kein Reinfall wird und sich bei Gelingen wiederholen lässt, hat er sich die Dialoge zur Faust-Dichtung, die letztendlich "SELBSTGESPRÄCHE" sind, vorab komponiert. Daher erlebt der Erzähler all das nun Folgende nicht zum ersten mal. (Zeile 13: ...wiederholt...)
.
<><><><><>]]]]]]]]]]
<><><><><>]]]]]]]]]]
<><><><><>]]]]]]]]]].:.:.:.:,{{{}}`
<><><><><>]]]]]]]]]]:.:.:{{{{(, .°\
<><><><><>]]]]]]]]]].:.:{{{{{{{<
<><><><><>]]]]]]]]]].:/\-----}}}.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.iiiii
<><><><><>]]]]]]]]]]/ . . . . . . -----.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.dlllllll
<><><><><>]]]]]]]]/ . . . . . . . . . . \.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:=lllll
<><><><><>]]]]]|/ . . . . . . . ( . . . . \_______.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllll
<><><><><>]]]]]| . ./ . . . . . .\ . . . . . . . .|-----\.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllll
<><><><><>]]]]]|. / . . . . . . . . \______|.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.\| . . . . . . . . . . .|:.:.:.:.:.:.:.:./llllllllllllllllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷/ . . . . . . . . . . . |.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllllllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . .|.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . |:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . \.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:llllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . /÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.lllllllllllllllllllll÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . .|.÷.÷.÷.÷.÷.÷lllllllllllllllllllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.|_______________\.÷.÷.÷.÷.|||||||||||||||||||.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.÷.÷.÷.÷||||||||||||÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
GM.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.÷.÷.|||||||||.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
20÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.llllllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
26÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷|__|______)lllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
.
.
8. Diese wiederkehrenden Feiern, die sich über mehr als zwei Tage hinziehen können und mit einer, nach meinem Daführhalten erotischen Phantasie aus der Richtung des Schlafzimmer mit dem zu vernehmenden Ausruf "Heinrich! Heinrich! ermüdet endet, sind vor allem von "ALKOHOLISCHEN GETRÄNKEN" und Spezialmixturen begleitet, auf die immerwieder vordergründig oder auch versteckt hingewiesen wird und deren Genuss gelegentlich nur aus der Gemütsveränderung zu erkennen ist. Daher ist für Faust am Anfang der imaginären Zusammenkunft, wegen zunehmender Trunkenheit, aufkommender Müdigkeit und Dialogerinnerungsproblemen das Gelingen des Festes noch ungewiss, wie in der ersten Zeile der Zueignung zu lesen ist. (Zeile 68: ...vorgelallt,...) (Zeile 205: ...vertrinket.) (Zeile 222/23: ...wollen stark Getränke schlürfen.) (Zeile 463, 687 - 737 etc.) (Symbolisch angedeuteter Weingeistkonsum = macht die Flasche auf: Zeilen 426 - 433)
ENDE
https://de.wikisource.org/wiki/Faust_-_Der_Trag%C3%B6die_erster_Teil
Alle Zeilenangaben nach Reclams Universalbibliothek Nr. 1
http://www.marionettentheater-duesseldorf.de
.
PS 5/2026
Ich will nicht behaupten, daß ich mit meinen Ideen Hundertprozentig richtig liege, aber es sollte doch jeder interessierte Regisseur und Theaterdirektor diese Multischauspielertheaterinszenierungsschwemme einmal hinterfragen.
Denn wenn man alle Namensangaben vor den Texten wegnimmt, kann man, wenn nicht unmittelbar auf eine Frage geantwortet wird, kaum noch den Wechsel von einer Person zur nächsten erkennen, weil alles wie aus einem Mund (nähmlich dem von Faust) gesprochen wird. Ohne irgendwelche charakterliche Änderungen im Sprachstil von Faust zu Mephisto oder der lustigen Person. Mal von dem wortkargen Gott einmal abgesehen. Und überhaupt: In welchen weiteren Mehrpersonen - Theaterstücken des 18. und 19. Jahrhundert werden alle Dialoge durchgehend in Reimen gesprochen? Ich meine DURCHGEHEND und nicht so gelegentlich eingestreut wie bei Shakespeares Romeo des Sechzehnten Jahrhunderts.
.
.
Hier die berühmten acht Runden des Größten aller Zeiten in Kinshasa meine Vietnamkrieg Interessierten:
https://youtube.com/watch?v=MdjaZBNiupM&is=2WDWFVqo5m-M2b1I
.
.
MEINER PERSÖNLICHEN
SICHT AUF
J.W. GOETHE, "FAUST"
DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL
"Ein gutes Gewissen ist nur dann ein gutes Gewissen, wenn es schlecht impliziert. . . " (. . . und das eigene Handeln in Frage stellt.) So ähnlich lautete die Charakterisierung der Selbstreflexion des Zeichner und Schriftsteller HORST JANSSEN bei einer seiner weinseligen Lesungen, die einst im Radio übertragen wurde und durch Zufall auf eine meiner Audio-Kassetten geraten war. . .
Ein leicht verändertes Gravitationsfeld scheint den Transmitterstoff verstärkt in die Spirituosenabteilung der Kaufwunschsynapsen meiner Hypophyse gepresst zu haben, dass neulich vor dem Getränkeregal des Supermarktes eine diabolische Inspiration meine Hand zum Sprudelwasser, mit einem einer Buntstiftfirma nicht unähnlich klingendem Namen greifen liess, die ja schon lange die preisliche Einstiegshöhe für Spumante darstellt und sichtbarlich an diesem Tag in meinen Warenkorb gebettet werden wollte. Am Abend sorgten dann die 11 Promille für die nötige Abwechslung in unserer (Me, Myself and I) kleinen Zweiraumwohnung. Mit stetig schwindendem Pegelstand der grünen Flasche breitete sich dann auch zunehmend die Verwirrung und der sabotageverdächtige Qualitätsschwund im Televisionsbereich als auch im frequenzmodulierten Äther aus, sodass ich mich schon bald einer in der Vergangenheit gesendeten Lesung des erwähnten Oldenburger documenta 6 - Teilnehmer erinnerte und das Bedürfnis verspürte, mich mit einer Lesung einwenig selbst zu unterhalten. Ich näherte mich leicht schwankend dem für mein Literaturinteresse arg klein geratenen Regal, um zwischen der spärlichen Auswahl zu dem viel zitierten "Guten Buch" zu greifen. Wir glaubten uns (Mich, Mir und Ich) auch schon bald in der Gesellschaft von Gleichgesinnten wiederzuerkennen und ich notierte daraufhin die folgenden 8 Thesen zu Johann Wolfgang Goethe, Faust - Der Tragödie Erster Teil:
Unabhängig von der Botschaft, die uns Goethe durch die inneren Beweggründe und Philosophien der erdachten Personen vermitteln möchte, stelle ich als "Autodidact von Faust-Forscher" die folgenden acht Thesen zur äusseren Handlung von Goethes Faust 1 auf:
1. Faust ist kein Theaterstück, noch Manuskript zu einem Theaterdrama, sondern in seiner schriftlichen Form als "ROMAN" zu sehen, der die Struktur eines Theaterdramas aufweist. (Zeile 165: ...ist's eben ein Roman.)
2. Der "AUTOR" des fiktiven Roman, den Goethe zu Papier gebracht hat und somit spezielle seiner Tage spiegelt, ist Doktor Faust, aus dessen Lebenswandel sich diese Niederschrift ergibt. Man kann es mit den Aufzeichnungen Harry Hallers vergleichen, die sozusagen mit Hermann Hesses "Steppenwolf" veröffentlicht wurden.
3. Faust hat diesen Roman aber nicht zur Veröffentlichung komponiert, sondern ersteinmal ausschliesslich für sich selbst als eine Art "GEDÄCHTNISHILFE". Aus einer schriftlichen Form der Gedächtnishilfe resultieren entweder die Schauspielerdialoge, das frei vorgetragene Gedicht, die öffentliche Rede oder aber, wie hier bei Faust, die in der Zueignung immerwieder erwähnte Form des frei vorgetragenen Liedes. (Zeilen: 17, 18, 20, 21, 23, 27, 28)
4. Die schriftliche Form dieser Dichtung, die uns Goethe visualisiert hat und Faust als Vorlage zum Auswendiglernen dienen muss, wird ihm folglich beim Rezitieren zu einer Art "SAGE". (Zeile 11: ...halb verklungenen Sage.).
Daher hat Goethe bzw. Faust für seine Rezitation den Reim gewählt - nicht wegen des Gesangs eines mittelalterlichen Barden, sondern aus dem einfachen Grund, weil sich wie bei Homer's Ilias oder dem Nibelungenlied ein umfangreicheres literarisches Werk, das in Reimen abgefasst ist, so einfacher und in seiner inhaltlichen Kontinuität zuverlässiger auswendig lernen lässt. (siehe auch F. Truffaut's "Fahrenheit 451") Aus dieser Formvorlage ergibt sich für mich auch der unter Punkt 2 zuvor erwähnte Autor der Geschichte.
5. Goethes Faust wird durch die Vortragsweise der Sage, nach meiner ganz persönlichen Theorie, zu einem durchgehenden "MONOLOG", in dem die vereinsamte Person Faust in all die vorkomponierten Rollen schlüpft. Das Werk nähert sich daher auch eher der ursprünglichen Inspiration - dem englischen Marionettentheater an, bei dem sozusagen Goethe bzw. Faust der alleinige Marionettenspieler ist und nicht eine vom Theaterintendanten bewegte Figur. Dieser Monolog bedingt auch, dass die Figuren nicht wie auf der Bühne, gleichzeitig agierten können, sondern immer nur in einer Abfolge nacheinander, wie in einer Prozession oder einem Zug, auftreten können. (Zeile 8: ...euren Zug...)
(siehe auch: Faust - Anmerkung in H. Hesse's "Tractat vom Steppenwolf")
6. Das Schauspiel ist gewissermassen eine "GESELLSCHAFTSFEIER", auf der der einsame Gastgeber auch die Rolle der Gäste übernimmt. Daher bot sich für eine vorabkomponierte Unterhaltung mit all den Themen, über die sich der kulturell interessierte Professor Faust gern mit seinen "Traumgästen" unterhalten möchte, der Theaterdialog, vergleichbar einer heutigen Talkshow am Freitagabend im Fernsehen, als geeignetste Form an. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, wenn in seiner Entstehung das "Gretchendrama" als gewünschter erster Gast schon relativ früh notiert wurde und eine der vielen "schizophrenen Wahnvorstellungen", wie sie die Fachwelt des Nervenarztes bezeichnen würde, spielen wird. (Zeile 4: ...jenem Wahn...) (Zeile 15: ...um schöne Stunden.) (Zeile 26: ...Geisterreich,...) (Zeile 40: ...ein Fest.)
7. Damit die Unterhaltung mit den imaginären Gästen für Faust intellektuell anregend und unterhaltsam ist und seine "Ein-Mann-Party" kein Reinfall wird und sich bei Gelingen wiederholen lässt, hat er sich die Dialoge zur Faust-Dichtung, die letztendlich "SELBSTGESPRÄCHE" sind, vorab komponiert. Daher erlebt der Erzähler all das nun Folgende nicht zum ersten mal. (Zeile 13: ...wiederholt...)
.
<><><><><>]]]]]]]]]]
<><><><><>]]]]]]]]]]
<><><><><>]]]]]]]]]].:.:.:.:,{{{}}`
<><><><><>]]]]]]]]]]:.:.:{{{{(, .°\
<><><><><>]]]]]]]]]].:.:{{{{{{{<
<><><><><>]]]]]]]]]].:/\-----}}}.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.iiiii
<><><><><>]]]]]]]]]]/ . . . . . . -----.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.dlllllll
<><><><><>]]]]]]]]/ . . . . . . . . . . \.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:=lllll
<><><><><>]]]]]|/ . . . . . . . ( . . . . \_______.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllll
<><><><><>]]]]]| . ./ . . . . . .\ . . . . . . . .|-----\.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllll
<><><><><>]]]]]|. / . . . . . . . . \______|.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.\| . . . . . . . . . . .|:.:.:.:.:.:.:.:./llllllllllllllllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷/ . . . . . . . . . . . |.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllllllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . .|.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.lllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . |:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.llllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . \.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:.:llllllllllllllllllllllll
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . . /÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.lllllllllllllllllllll÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.| . . . . . . . . . . . . .|.÷.÷.÷.÷.÷.÷lllllllllllllllllllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.|_______________\.÷.÷.÷.÷.|||||||||||||||||||.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.÷.÷.÷.÷||||||||||||÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
GM.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.÷.÷.|||||||||.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
20÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.||.|||.|.|.|.|||.÷.÷.llllllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
26÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷|__|______)lllll.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷.÷
.
.
8. Diese wiederkehrenden Feiern, die sich über mehr als zwei Tage hinziehen können und mit einer, nach meinem Daführhalten erotischen Phantasie aus der Richtung des Schlafzimmer mit dem zu vernehmenden Ausruf "Heinrich! Heinrich! ermüdet endet, sind vor allem von "ALKOHOLISCHEN GETRÄNKEN" und Spezialmixturen begleitet, auf die immerwieder vordergründig oder auch versteckt hingewiesen wird und deren Genuss gelegentlich nur aus der Gemütsveränderung zu erkennen ist. Daher ist für Faust am Anfang der imaginären Zusammenkunft, wegen zunehmender Trunkenheit, aufkommender Müdigkeit und Dialogerinnerungsproblemen das Gelingen des Festes noch ungewiss, wie in der ersten Zeile der Zueignung zu lesen ist. (Zeile 68: ...vorgelallt,...) (Zeile 205: ...vertrinket.) (Zeile 222/23: ...wollen stark Getränke schlürfen.) (Zeile 463, 687 - 737 etc.) (Symbolisch angedeuteter Weingeistkonsum = macht die Flasche auf: Zeilen 426 - 433)
ENDE
https://de.wikisource.org/wiki/Faust_-_Der_Trag%C3%B6die_erster_Teil
Alle Zeilenangaben nach Reclams Universalbibliothek Nr. 1
http://www.marionettentheater-duesseldorf.de
.
PS 5/2026
Ich will nicht behaupten, daß ich mit meinen Ideen Hundertprozentig richtig liege, aber es sollte doch jeder interessierte Regisseur und Theaterdirektor diese Multischauspielertheaterinszenierungsschwemme einmal hinterfragen.
Denn wenn man alle Namensangaben vor den Texten wegnimmt, kann man, wenn nicht unmittelbar auf eine Frage geantwortet wird, kaum noch den Wechsel von einer Person zur nächsten erkennen, weil alles wie aus einem Mund (nähmlich dem von Faust) gesprochen wird. Ohne irgendwelche charakterliche Änderungen im Sprachstil von Faust zu Mephisto oder der lustigen Person. Mal von dem wortkargen Gott einmal abgesehen. Und überhaupt: In welchen weiteren Mehrpersonen - Theaterstücken des 18. und 19. Jahrhundert werden alle Dialoge durchgehend in Reimen gesprochen? Ich meine DURCHGEHEND und nicht so gelegentlich eingestreut wie bei Shakespeares Romeo des Sechzehnten Jahrhunderts.
.
.
Hier die berühmten acht Runden des Größten aller Zeiten in Kinshasa meine Vietnamkrieg Interessierten:
https://youtube.com/watch?v=MdjaZBNiupM&is=2WDWFVqo5m-M2b1I
.
.
... link
Dienstag, 21. Februar 2012
7. NGORONGORO PER STADTBUS
guennisseite, 13:12h
Eigentlich versprach der heutige Tag mit Aussentemperaturen unter Null ° Celsius nur sonntägliche Gemütlichkeit mit Energieheissgetränken in zentralheizungs- und fernsehverkabelten Wohnzimmern. Aber nachdem die Linie 33 gegen elf Uhr vormittags am Zoo angekommen war, standen "sie" auch schon Schlange, um mich vom Gegenteil zu überzeugen . . .
DENN DA WAREN . . .
1. Die Schildkröte, die bei meinem Eintreffen im Wintergarten versuchte sich einen Weg durch das Panzerglas zu bahnen, weil sie wohl vermutete, dass bei mir die Salatblätter von frischerer Qualität sein könnten, als zu dieser Jahreszeit bei den zwielichtigen Wärtern, die hier gelegentlich ihre Jugendstrafe ableisten müssen.
2. Die Affenmutter, die gleich zu Anfang mir dringend ein paar Grüsse von ihrer Verwandten aus dem Zoo der benachbarten Stadt bestellen sollte, mit der ich bei meinem letzten Besuch ein sehr interessantes monologlastiges Gespräch über die Bedeutung des Fussball im Affenkäfig und dem vor der Mayapyramide rumliegenden hatte.
3. Die Strausse, die, als ich um die Ecke des N'Goro - N'Goro-Gehege kam, von einer gerade freigelassenen Herde Impalas von ihrem spärlichem Haufen Heu vertrieben wurde, die ihrerseits ein paar bockende Zebras im Schlepptau hatten.
4. Die Giraffen, die sich überraschenderweise sehr für Lissaboner Giraffengeschichten zu interessieren schienen, wo ich seinerzeit mal einer Giraffe eine Anekdote vom armen Bauern und den Früchten, an die nur die grossen Tiere kommen, erzählte und am Ende der Geschichte plötzlich der Giraffe aus einem Auge eine so dicke Träne runterkullerte, dass sie locker ein Schnapsglas gefüllt hätte und ich nicht überrascht, sondern geradezu geschockt war.
5. Die zwei Löwinnen, die versuchten ihrem darunter liegendem Pascha auf's Dach zu steigen, um den Wärter, der gerade bei den Impalas zu tun hatte, besser kontrollieren zu können.
6. Der Emu, der mir versuchte klar zu machen, dass er der Einzigste wäre, bei dem niemand erraten würde, wenn ich ihm unauffällig waagerecht oder senkrecht durch die Zaunstreben eine kleine Straussenvogel-Nascherei zustecken würde.
7. Eine Fischotterfamilie, die in ihrem kleinen Gehege so heimatlos rumrannte, wie eine samische Karibuherde bei der alljährlichen Zählung.
8. Die Grosskundgebung auf der Pelikanwiese mit jede Menge Enten, Reihern und Gänsen . . .
9. Die Eule, die mir schon von weitem von der hintersten Stange auf die Vorderste entgegen hüpfte.
10. Dreissig Meter vor dem Zoorestaurant plötzlicher unerklärlicher Heisshunger in der Luft, der mir nach dem Eintrittsgeld sofort wieder einen weiteren Schein für Fisch und Pommes und eine Schokowaffel als Dessert aus der Tasche zog wie ein haariger Primat in einer Variete-Veranstaltung.
11. Der Bussard, der nicht wusste wie er in die Geier-Voliere geraten war und gukte, als wolle er den Hochzeiter von " Geierwallie " (imdb, mit H.Hatheyer) dafür verantwortlich machen.
12. Die Schnee-Eulen, die zuverlässige metereologische Informationen zu haben schienen und daher auffallend in der ersten Reihe auf gar keinen Fall verpassen wollten, wenn es heute Nachmittag, wie sich dann später tatsächlich herausstellte, nach Tagen wieder zu Schneien anfangen würde.
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|/-'''-""""*""-""-"\[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
========|.|===========|.|===========|.|===========|.|=====
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[/...|.|..●...........●...|.|..\[[[/-/-/-/-/-/.|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[{.......|.|........../\..........|.|.....$/-/-/-/-/-/-|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[#........|.|........--\/--........|.|.......%/-/-/-/-/-|.|-/-/-/-/
#######.|.|#%##............|.|........................|.|...........)-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
#######.|.|#%.................|.|........................|.|...............}/-/-/|.|-/-/-/-/
========.|.|==========.|.|===========.|.|===========|.|=====
######/..|.|..................-~|.|q......................|.|.....................-/|.|-/-/-/-/
####.{......|.|......................|.|..).....................|.|.......................|.|-/-/-/-/
###.(........|.|......................|.|))......................|.|.......................|.|[[[[[[[[[[
##.(..........|.|......................|.|)........................|.|.......................|.|[[[[[[[[[[
[[[[[(...........|.|...................))|.|.........................|.|......................)|.|[[[[[[[[[[
========|.|===========|.|============|.|===========|.|=====
[[[[(............|.|..............)).....|.|.........................|.|...................)[[[|.|[[[[[GM
[[[(.............|.|.........))..........|.|.........................|.|.................)[[[[[|.|[[[[[[20
[[[(.............|.|.....))..............|.|.........................|.|...............)[[[[[[[|.|[[[[[[24
13. Die Pyranhas und ihre mutige kleine "Fehlfarbe" im Becken, die wiedermal ein neues Siluetten-Orakelbild formiert hatten und einen Wassermusik (Vorsichtiges Fingergetrommel auf der Scheibe) -interessierten aus ihrem Schwarm in die erste Reihe schickten.
14. Die zwei krächzenden Kraniche, die Lärm machten, weil sie Angst hatten, ich könnte die zwei einsamen Rothunde auf dem Nebenweg übergehen.
15. Die die "Siluetten-Komunikation" beherschenden Leguane, die immer aufmerksam Blickkontakt mit mir haben.
16. Die Elefanten, die mir wegen eines Unfalls zur Zeit mit Krücke humpelndem allerlei Geschichten mit kleinen Stöckchen, balancierenden Ästen oder Probleme von Weihnachtsbäumen ohne passenden Ständer, um ihn dekorativ in die Ecke stellen zu können erzählten.
17. Eine Bande Seehunde, die heute plötzlich mit "Action" und reichlich Wellengang auf sich aufmerksam machten, als ich gerade durch den Elch-Wald schlich.
18. Das Menschenaffenhaus, wo das Affentheater immer vor und nicht hinter der Scheibe ist . . . und das daran läge, sagte der Orang Uthan die ganze Zeit bedeutungsvoll ein Tau haltend, dass jemand heute schwer Leute angeschleppt hätte . . .
19. Der Kiosk und Cafeautomat am Eingang, wo der Cafe und der Riegel "Lion" immer noch am billigsten sind.
20. Schliesslich der Bus, der mich um halb vier am Nachmittag wieder nach Hause fuhr und als er die Zoozufahrt verlassen hatte und auf der Hauptstrasse in Richtung Innenstadt unterwegs war, nocheinmal zum Abschied von einem Graureiher überflogen wurde........Moment - gab es da nicht mal'n Buch von Luise Rinser?
MEIN INTERNET-TIPP: .......... Ein Minuscule Video:
https://youtube.com/watch?v=TTzQC9oeQmM&si=ymSGgnd
.
.
TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION
.
.
NGORONGORO BY CITYBUS
.
Actually this day promised with outdoor temperatures below zero° Celsius only sundaycomfortambience with hot energydrinks in central heated and cablenetwork linked up livingrooms. But after the 33 was arrived around eleven o'clock in the morning at the ZOO, "they" already stood in line for to persuade me of the opposite. . .
BECAUSE THERE WERE. . .
1. The tortoise, which tried to find a way through the bulletproof glass when I arrived, because she probably assumed that at me the saladeleaf could be of more fresh quality, than at this season at the shady keeper, who here sometimes have to complete their juventile correction.
2. The monkeymother, who imediatly had strongly to send me some greetings from her relative from the zoo of the neighbouring city, with who I had a very interesting monological conversation at my last visite about the meaning of the football in the ape's cage and the in front of a Maya-pyramid laying one.
3. The ostriches, who where, when I was coming around the N'Goro N'Goro enclosure, just driven away from their meager bundle of hay by a released herd of impalas, who had for their part some stubborning zebras in tow.
4. The giraffes, who looked to be unexpected interested in Lisbon - giraffestorys where at that time I told a giraffe a anecdote about a poor farmer and the fruits which only reach the tal animals and sudenly such a big tear was running out of one of her eyes, which could easy fill a small glass for spirits and I was not surprised but a little bit shocked.
5. The two lioness who tried to climb on the underneath lying pashas sunroof, for better controlling the keeper who where just busy at the zebras.
6. The emu, who tried to make it clear to me, that he would be the onlyone with who nobody would guess, if I would give him discreetly a little struthioid-candy down, ore across.
7. A otterfamily, who was homeless running around in their enclosure, like a lapplanders reindeerherd at the yearly counting.
8. The mass demonstration on the pelican meadow with a lot of ducks, herons and gooses...
9. The owl, who jumped already from away from the last perch to the nearest towards to me.
10. Thirty meter before the zoo - restaurant suddenly unexplicable ravenous appetite in the air, which pulled out imediatly after the entrance money another bill for fish and chips and a chocolate wafer as dessert out of my pocket, like a hairy primate at a variety event.
11. The buzzard, who did not know how he was coming in to the vulture-aviary and was looking like he wanted to hold the bridegroom of "Geierwallie" (imdb, with H.Hatheyer) responsible for it.
12. The snowy owl, who seemed to have meterological information for sure and that's why she was remarkably sitting in the frontline not to miss, what in the afternnon realy emerged, when after days it is going to start snowing again.
13. The piranhas and their little plain suit in the pond, who onceagain had formed a silhouette-oracle picture and had sent an watermusic (carefully fingerdrumming on the glass) - interested from their swarm into the first line.
14. The two cawing cranes, who made noise, because they had fear I could ignore the two lonly red dogs at the minor path.
15. The silhouette-comunication mastering iguanas, who have allways keen-eye contact with me.
16. The elephants, who told me - for an accident with a crutch hobbling one at this time, a lot of storys with little sticks, balancing branchs ore problems about christmas trees without a wellfitting stand for to put it decoratively into a corner.
17. A gang of seals, who today suddenly drew the attention to them with "action" and many swelling waves, while I was just creeping through the elk wood.
18. The apehouse, where the fuss is always in front and not behind the glass and it's because somebody took a lot of people in tow, said the orangh uthan to me with holding meaningfull the whole time a tow in one hand.
19. The kiosk and coffe machine at the intrance, where the coffee and the "Lion" is still the cheapest.
20. Finally the bus, which drove me at home at half past three in the afternoon and when he had left the zoodrive and reached the mainroad into the city, was flew over oncemore by a heron for to take a last farewell. . . . . . Moment - was'nt there once a film with Mickey Rourke?
.
.
It could be that I forgot the penguins in my report. . .
https://youtube.com/watch?v=TM9NEXoNBGM&feature=shared
DENN DA WAREN . . .
1. Die Schildkröte, die bei meinem Eintreffen im Wintergarten versuchte sich einen Weg durch das Panzerglas zu bahnen, weil sie wohl vermutete, dass bei mir die Salatblätter von frischerer Qualität sein könnten, als zu dieser Jahreszeit bei den zwielichtigen Wärtern, die hier gelegentlich ihre Jugendstrafe ableisten müssen.
2. Die Affenmutter, die gleich zu Anfang mir dringend ein paar Grüsse von ihrer Verwandten aus dem Zoo der benachbarten Stadt bestellen sollte, mit der ich bei meinem letzten Besuch ein sehr interessantes monologlastiges Gespräch über die Bedeutung des Fussball im Affenkäfig und dem vor der Mayapyramide rumliegenden hatte.
3. Die Strausse, die, als ich um die Ecke des N'Goro - N'Goro-Gehege kam, von einer gerade freigelassenen Herde Impalas von ihrem spärlichem Haufen Heu vertrieben wurde, die ihrerseits ein paar bockende Zebras im Schlepptau hatten.
4. Die Giraffen, die sich überraschenderweise sehr für Lissaboner Giraffengeschichten zu interessieren schienen, wo ich seinerzeit mal einer Giraffe eine Anekdote vom armen Bauern und den Früchten, an die nur die grossen Tiere kommen, erzählte und am Ende der Geschichte plötzlich der Giraffe aus einem Auge eine so dicke Träne runterkullerte, dass sie locker ein Schnapsglas gefüllt hätte und ich nicht überrascht, sondern geradezu geschockt war.
5. Die zwei Löwinnen, die versuchten ihrem darunter liegendem Pascha auf's Dach zu steigen, um den Wärter, der gerade bei den Impalas zu tun hatte, besser kontrollieren zu können.
6. Der Emu, der mir versuchte klar zu machen, dass er der Einzigste wäre, bei dem niemand erraten würde, wenn ich ihm unauffällig waagerecht oder senkrecht durch die Zaunstreben eine kleine Straussenvogel-Nascherei zustecken würde.
7. Eine Fischotterfamilie, die in ihrem kleinen Gehege so heimatlos rumrannte, wie eine samische Karibuherde bei der alljährlichen Zählung.
8. Die Grosskundgebung auf der Pelikanwiese mit jede Menge Enten, Reihern und Gänsen . . .
9. Die Eule, die mir schon von weitem von der hintersten Stange auf die Vorderste entgegen hüpfte.
10. Dreissig Meter vor dem Zoorestaurant plötzlicher unerklärlicher Heisshunger in der Luft, der mir nach dem Eintrittsgeld sofort wieder einen weiteren Schein für Fisch und Pommes und eine Schokowaffel als Dessert aus der Tasche zog wie ein haariger Primat in einer Variete-Veranstaltung.
11. Der Bussard, der nicht wusste wie er in die Geier-Voliere geraten war und gukte, als wolle er den Hochzeiter von " Geierwallie " (imdb, mit H.Hatheyer) dafür verantwortlich machen.
12. Die Schnee-Eulen, die zuverlässige metereologische Informationen zu haben schienen und daher auffallend in der ersten Reihe auf gar keinen Fall verpassen wollten, wenn es heute Nachmittag, wie sich dann später tatsächlich herausstellte, nach Tagen wieder zu Schneien anfangen würde.
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|/-'''-""""*""-""-"\[[|.|[[[[[[[/-/-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
========|.|===========|.|===========|.|===========|.|=====
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[[[[[/...|.|..●...........●...|.|..\[[[/-/-/-/-/-/.|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[[[{.......|.|........../\..........|.|.....$/-/-/-/-/-/-|.|-/-/-/-/
[[[[[[[[[[[[[[[[[|.|[[[%[[[[[[#........|.|........--\/--........|.|.......%/-/-/-/-/-|.|-/-/-/-/
#######.|.|#%##............|.|........................|.|...........)-/-/-/-/|.|-/-/-/-/
#######.|.|#%.................|.|........................|.|...............}/-/-/|.|-/-/-/-/
========.|.|==========.|.|===========.|.|===========|.|=====
######/..|.|..................-~|.|q......................|.|.....................-/|.|-/-/-/-/
####.{......|.|......................|.|..).....................|.|.......................|.|-/-/-/-/
###.(........|.|......................|.|))......................|.|.......................|.|[[[[[[[[[[
##.(..........|.|......................|.|)........................|.|.......................|.|[[[[[[[[[[
[[[[[(...........|.|...................))|.|.........................|.|......................)|.|[[[[[[[[[[
========|.|===========|.|============|.|===========|.|=====
[[[[(............|.|..............)).....|.|.........................|.|...................)[[[|.|[[[[[GM
[[[(.............|.|.........))..........|.|.........................|.|.................)[[[[[|.|[[[[[[20
[[[(.............|.|.....))..............|.|.........................|.|...............)[[[[[[[|.|[[[[[[24
13. Die Pyranhas und ihre mutige kleine "Fehlfarbe" im Becken, die wiedermal ein neues Siluetten-Orakelbild formiert hatten und einen Wassermusik (Vorsichtiges Fingergetrommel auf der Scheibe) -interessierten aus ihrem Schwarm in die erste Reihe schickten.
14. Die zwei krächzenden Kraniche, die Lärm machten, weil sie Angst hatten, ich könnte die zwei einsamen Rothunde auf dem Nebenweg übergehen.
15. Die die "Siluetten-Komunikation" beherschenden Leguane, die immer aufmerksam Blickkontakt mit mir haben.
16. Die Elefanten, die mir wegen eines Unfalls zur Zeit mit Krücke humpelndem allerlei Geschichten mit kleinen Stöckchen, balancierenden Ästen oder Probleme von Weihnachtsbäumen ohne passenden Ständer, um ihn dekorativ in die Ecke stellen zu können erzählten.
17. Eine Bande Seehunde, die heute plötzlich mit "Action" und reichlich Wellengang auf sich aufmerksam machten, als ich gerade durch den Elch-Wald schlich.
18. Das Menschenaffenhaus, wo das Affentheater immer vor und nicht hinter der Scheibe ist . . . und das daran läge, sagte der Orang Uthan die ganze Zeit bedeutungsvoll ein Tau haltend, dass jemand heute schwer Leute angeschleppt hätte . . .
19. Der Kiosk und Cafeautomat am Eingang, wo der Cafe und der Riegel "Lion" immer noch am billigsten sind.
20. Schliesslich der Bus, der mich um halb vier am Nachmittag wieder nach Hause fuhr und als er die Zoozufahrt verlassen hatte und auf der Hauptstrasse in Richtung Innenstadt unterwegs war, nocheinmal zum Abschied von einem Graureiher überflogen wurde........Moment - gab es da nicht mal'n Buch von Luise Rinser?
MEIN INTERNET-TIPP: .......... Ein Minuscule Video:
https://youtube.com/watch?v=TTzQC9oeQmM&si=ymSGgnd
.
.
TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION-TRANSLATION
.
.
NGORONGORO BY CITYBUS
.
Actually this day promised with outdoor temperatures below zero° Celsius only sundaycomfortambience with hot energydrinks in central heated and cablenetwork linked up livingrooms. But after the 33 was arrived around eleven o'clock in the morning at the ZOO, "they" already stood in line for to persuade me of the opposite. . .
BECAUSE THERE WERE. . .
1. The tortoise, which tried to find a way through the bulletproof glass when I arrived, because she probably assumed that at me the saladeleaf could be of more fresh quality, than at this season at the shady keeper, who here sometimes have to complete their juventile correction.
2. The monkeymother, who imediatly had strongly to send me some greetings from her relative from the zoo of the neighbouring city, with who I had a very interesting monological conversation at my last visite about the meaning of the football in the ape's cage and the in front of a Maya-pyramid laying one.
3. The ostriches, who where, when I was coming around the N'Goro N'Goro enclosure, just driven away from their meager bundle of hay by a released herd of impalas, who had for their part some stubborning zebras in tow.
4. The giraffes, who looked to be unexpected interested in Lisbon - giraffestorys where at that time I told a giraffe a anecdote about a poor farmer and the fruits which only reach the tal animals and sudenly such a big tear was running out of one of her eyes, which could easy fill a small glass for spirits and I was not surprised but a little bit shocked.
5. The two lioness who tried to climb on the underneath lying pashas sunroof, for better controlling the keeper who where just busy at the zebras.
6. The emu, who tried to make it clear to me, that he would be the onlyone with who nobody would guess, if I would give him discreetly a little struthioid-candy down, ore across.
7. A otterfamily, who was homeless running around in their enclosure, like a lapplanders reindeerherd at the yearly counting.
8. The mass demonstration on the pelican meadow with a lot of ducks, herons and gooses...
9. The owl, who jumped already from away from the last perch to the nearest towards to me.
10. Thirty meter before the zoo - restaurant suddenly unexplicable ravenous appetite in the air, which pulled out imediatly after the entrance money another bill for fish and chips and a chocolate wafer as dessert out of my pocket, like a hairy primate at a variety event.
11. The buzzard, who did not know how he was coming in to the vulture-aviary and was looking like he wanted to hold the bridegroom of "Geierwallie" (imdb, with H.Hatheyer) responsible for it.
12. The snowy owl, who seemed to have meterological information for sure and that's why she was remarkably sitting in the frontline not to miss, what in the afternnon realy emerged, when after days it is going to start snowing again.
13. The piranhas and their little plain suit in the pond, who onceagain had formed a silhouette-oracle picture and had sent an watermusic (carefully fingerdrumming on the glass) - interested from their swarm into the first line.
14. The two cawing cranes, who made noise, because they had fear I could ignore the two lonly red dogs at the minor path.
15. The silhouette-comunication mastering iguanas, who have allways keen-eye contact with me.
16. The elephants, who told me - for an accident with a crutch hobbling one at this time, a lot of storys with little sticks, balancing branchs ore problems about christmas trees without a wellfitting stand for to put it decoratively into a corner.
17. A gang of seals, who today suddenly drew the attention to them with "action" and many swelling waves, while I was just creeping through the elk wood.
18. The apehouse, where the fuss is always in front and not behind the glass and it's because somebody took a lot of people in tow, said the orangh uthan to me with holding meaningfull the whole time a tow in one hand.
19. The kiosk and coffe machine at the intrance, where the coffee and the "Lion" is still the cheapest.
20. Finally the bus, which drove me at home at half past three in the afternoon and when he had left the zoodrive and reached the mainroad into the city, was flew over oncemore by a heron for to take a last farewell. . . . . . Moment - was'nt there once a film with Mickey Rourke?
.
.
It could be that I forgot the penguins in my report. . .
https://youtube.com/watch?v=TM9NEXoNBGM&feature=shared
... link
Donnerstag, 16. Februar 2012
6. SENSE OF LIFE . . . ?
guennisseite, 13:26h
Two article to this question:
a) Official competent coment by a Religion- Encyclopedia
b) The personal answer of the philosophic interestet blogger
to a) Translation of wording (more ore less) of the RELIGIONS-LEXIKON; G.BUBOLZ,CORNELSEN-VERLAG, 1990,Ger. :
(Sinnsuche) IN SEARCH FOR SENSE : Generally it is not possible to find an answer to the meaning of life. That´s why it makes no sense to expect an answer to this question. With the QUESTION TO THE MEANING OF LIFE is no question asked, which is driving for the expansion of knowledge, but it is the question of human being to himself for the reason and support to his life. Often the question to the SENSE OF LIFE is coming up in special situations: an accident, an illness, dead of a beloved person. For Siegmund Freud this question is more to see as a sign for mental disease: " Who asks for sense of life is ill.(Here it is going to get "lickered". Freud was still a neurologist and no philosopher. Comment of the blogger) The sense of life does not exist. I am making the sense of life. " What here is true is that with activity sense can be created. But makes finally constructiv doing life sensefull? Is finally life only justified with own achievement? For the christian and jewish faith there is a sense before every active creativity. So constructive doing is given with the faith in Gods care to the human. From there turned out the motivation, to support constructive life individuall and sozial active.
to b) THE PRIVATE ANSWER OF THE BLOGGER TO THE QUESTION FOR SENSE :
If I should personally answer to the question for the meaning of life, as a religious human being I can do this only with including the statemants of the Holy Bibel. As a christ I am , in according to the wording of the Old Testament an by God created human being. That's why I am firstival not subject, who is defining his own sense, but created object, which gets his meaning by his creator, the artist, by God. The painting is not giving his sense by itself, but the artist define and justify it, evan when he says, that the creation was only as an end in itself. If according to this not we making the sense, but God, so what is the SENSE that we got by God ? How we can discover it? Is it written anywhere in the Holy Bibel? If an artist is drawing a picture ore creating an object, he has in a way expectations in its effect, that should be caused at the artist ore at another observer. We can assum, that it is the same in the relationship between God and what he has created. According to this God also has expectations in his created objects - in us. These expectations, which make the SENSE OF OURE EXISTENCE, find their most succinet expression in the Ten Commandments - the DECALOGUE. ( BIBEL, OT; EXODUS 20,1-17 (2 Mose 20) and DEUTERONOMIUM 5,6-21 (5 Mose 5) and NT, MATTHEW 19,17-19 ). That's why continues the artist has not to feed the expectations of the artwork, but firstival the otherwayround the artwork to satisfy the artist. Therefore we human firstival are in debt to God to satisfy his expectations in us, which are written in the Ten Commandments. From this follows in according to my personal point of view oure primarily SENSE OF LIFE and it is possible to deduce all deeper. Or as the artist Joseph Beuys once put it: "Man's task is to live the values that the historical Christ embodied." And summarized the whole thing again in a more radical way: If we can believe the bible right here (Genesis 3,23) and were consequently thrown out of paradise (which, considering the current state of our planet and the behavior of its population, is not surprising) the meaning of life is to prove that we belong there again. And if we no longer want to go there, then, as mentioned of the beginning of the religious - lexicon above, there is no need for any meaning of life.
Everybody can establish, if he's thinking about his own life, that these by God in two Sumerian clay-tiles scrached and to Mose given commandments are easyer listed than practised. This problem is running visually like a central theme through the whole Old Testament and may continued in the year 2012 by us too fast by using a kind of smiling arrogance with the words: " I know - but it concerns not me ! " Evan the next story of a televisionfilm has his sore point somewhere between point One and point Ten of the content of the by "Indiana Jones" sought after the Ark of the Covenant . . .
MY WEB-TIP: http://www.thebricktestament.com
a) Official competent coment by a Religion- Encyclopedia
b) The personal answer of the philosophic interestet blogger
to a) Translation of wording (more ore less) of the RELIGIONS-LEXIKON; G.BUBOLZ,CORNELSEN-VERLAG, 1990,Ger. :
(Sinnsuche) IN SEARCH FOR SENSE : Generally it is not possible to find an answer to the meaning of life. That´s why it makes no sense to expect an answer to this question. With the QUESTION TO THE MEANING OF LIFE is no question asked, which is driving for the expansion of knowledge, but it is the question of human being to himself for the reason and support to his life. Often the question to the SENSE OF LIFE is coming up in special situations: an accident, an illness, dead of a beloved person. For Siegmund Freud this question is more to see as a sign for mental disease: " Who asks for sense of life is ill.(Here it is going to get "lickered". Freud was still a neurologist and no philosopher. Comment of the blogger) The sense of life does not exist. I am making the sense of life. " What here is true is that with activity sense can be created. But makes finally constructiv doing life sensefull? Is finally life only justified with own achievement? For the christian and jewish faith there is a sense before every active creativity. So constructive doing is given with the faith in Gods care to the human. From there turned out the motivation, to support constructive life individuall and sozial active.
to b) THE PRIVATE ANSWER OF THE BLOGGER TO THE QUESTION FOR SENSE :
If I should personally answer to the question for the meaning of life, as a religious human being I can do this only with including the statemants of the Holy Bibel. As a christ I am , in according to the wording of the Old Testament an by God created human being. That's why I am firstival not subject, who is defining his own sense, but created object, which gets his meaning by his creator, the artist, by God. The painting is not giving his sense by itself, but the artist define and justify it, evan when he says, that the creation was only as an end in itself. If according to this not we making the sense, but God, so what is the SENSE that we got by God ? How we can discover it? Is it written anywhere in the Holy Bibel? If an artist is drawing a picture ore creating an object, he has in a way expectations in its effect, that should be caused at the artist ore at another observer. We can assum, that it is the same in the relationship between God and what he has created. According to this God also has expectations in his created objects - in us. These expectations, which make the SENSE OF OURE EXISTENCE, find their most succinet expression in the Ten Commandments - the DECALOGUE. ( BIBEL, OT; EXODUS 20,1-17 (2 Mose 20) and DEUTERONOMIUM 5,6-21 (5 Mose 5) and NT, MATTHEW 19,17-19 ). That's why continues the artist has not to feed the expectations of the artwork, but firstival the otherwayround the artwork to satisfy the artist. Therefore we human firstival are in debt to God to satisfy his expectations in us, which are written in the Ten Commandments. From this follows in according to my personal point of view oure primarily SENSE OF LIFE and it is possible to deduce all deeper. Or as the artist Joseph Beuys once put it: "Man's task is to live the values that the historical Christ embodied." And summarized the whole thing again in a more radical way: If we can believe the bible right here (Genesis 3,23) and were consequently thrown out of paradise (which, considering the current state of our planet and the behavior of its population, is not surprising) the meaning of life is to prove that we belong there again. And if we no longer want to go there, then, as mentioned of the beginning of the religious - lexicon above, there is no need for any meaning of life.
Everybody can establish, if he's thinking about his own life, that these by God in two Sumerian clay-tiles scrached and to Mose given commandments are easyer listed than practised. This problem is running visually like a central theme through the whole Old Testament and may continued in the year 2012 by us too fast by using a kind of smiling arrogance with the words: " I know - but it concerns not me ! " Evan the next story of a televisionfilm has his sore point somewhere between point One and point Ten of the content of the by "Indiana Jones" sought after the Ark of the Covenant . . .
MY WEB-TIP: http://www.thebricktestament.com
... link
Dienstag, 14. Februar 2012
5. SINN DES LEBENS . . . ?
guennisseite, 12:51h
Zwei Beiträge zu dieser Frage:
a) Offizieller Kommentar von kompetenter Seite eines Religions-Lexikon
b) Die persönliche Antwort des philosophisch interessierten Blogger
zu a) Wortlaut des RELIGIONS-LEXIKON (G. BUBOLZ, CORNELSEN-VERLAG, 1990)
SINNSUCHE: Allgemeingültig wird man die Frage nach dem SINN DES LEBENS nicht beantworten können. Daher hat es auch keinen Sinn, eine Auskunft auf diese Frage zu erwarten. Mit der SINNFRAGE ist keine Frage gestellt, die auf Wissenserweiterung aus ist, sondern es handelt sich hier um die Frage des Menschen nach sich selbst, nach dem Grund und dem Halt für sein Leben. Häufig bricht die Sinnfrage in besonderen Situationen auf: ein Unfall, eine Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen. Nach Siegmund Freud ist diese Frage geradezu als Zeichen seelischer Krankheit zu sehen: " Wer nach dem SINN DES LEBENS fragt, der ist krank. ( Hier wird es nach meiner Ansicht "züngelnd". Noch war Freud Nervenarzt und kein Philosoph. Anmerkung des Blogger ) Den Sinn des Lebens gibt es nicht. Ich mache den Sinn des Lebens. " Daran ist sicher richtig, dass in Aktivität Sinn geschaffen werden kann. Aber macht erst sinnvolles Tun das Leben sinnvoll? Wird Leben erst durch eigene Leistung gerechtfertigt? Der christliche und jüdische Glaube sieht darin einen Sinn vor jedem aktiven Gestalten, dass Gott den Menschen vor jedem Handeln liebt. Sinnvolles Tun ist dementsprechend eine Antwort auf einen vorgängigen Sinn, der im Glauben an die Zuwendung Gottes zu den Menschen geschenkt ist. Von daher ergibt sich die Motivation, sich individuell und sozial aktiv für sinnvolles Leben einzusetzen.
----------------------------------------------------- .. -------------------------------------------------
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::::::: . . . :::::Du sollst keine=#::::l .. l:::::::::::: . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . :::: . ::: . :::::::=o#o=o#o=o#o=::::l .. l::::::::: . ::::::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . :::::::anderen Götter=o:::l .. l:::::: . : . :::::::die Ehe=o#o=::::: . I
I . :::::::::: . :::::::=o#o=o#o=o#o=::::l .. l:::: . :::::: . ::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . :::::::neben mir haben.:::l .. l::::::: . . ::::::::brechen.=o#o::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . :::: . . . . ::::Du sollst den=o#::::::l .. l:::: . . . . . . :::Du sollst=o#o::::: . I
I . :: . ::::::: . :::=o#o=o#o=o#o=::::::l .. l:::::::::::: . :::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . ::::Namen Gottes nicht:l .. l:::::::::: . ::::::::nicht=o#o=o#:::: . I
I . ::::::: . ::::::::=o#o=o#o=o#o=o:::l .. l:::::::: . :::::::::::=o#o=o#o=o::::: . I
I . :::: . . . . . :::missbrauchen.=o::::l .. l::::: . ::::::::::::::stehlen.=o#o::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . :::: . . . . :::::Du sollst=o#o=o::::::l .. l:::::: . . . . ::::::Du sollst=o#:::::: . I
I . ::::::::::::: . :::=o#o=o#o=o#o:::::::l .. l::: . ::::::::: . ::::=o#o=o#o=::::::: . I
I . :::::::::: . ::::::den Sonntag=o=::::::l .. l:::::: . :: . ::::::::nicht=o#o=::::::: . I
I . ::::::::::::: . ::::=o#o=o#o=o#o::::::l .. l::: . ::::::::: . :::::=o#o=o#o=:::::: . I
I . ::::: . . . . ::::::heiligen.=o#o=:::::::l .. l::::::: . . . . :::::::lügen.=o#o::::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::::::::::: . :::::Du sollst Vater=::::::l .. l::::::: . . . . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . :::::: . :: . ::::::=o#o=o#o=o#o:::::l .. l:::: . :::::::::: . :::=o#o=o#o=o::::: . I
I . ::: . . . . . . . ::und Mutter=o#::::::l .. l:::::::: . :: . ::::begehren deines: . I
I . ::::::::::: . ::::::=o#o=o#o=o#o:::::l .. l:::::::::: . :::::::::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::::::::::: . ::::::ehren.=o#o=o#:::::l .. l:::::::: . :::::::::nächsten Partner. . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::: . . . . . . ::::Du sollst=o=o=:::::l .. l::: . :::: . . . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . ::: . :::::::::::::::=o#o=o#o=o#::::::l .. l::: . :: . ::::: . :::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::: . . . . . :::::::nicht=o#o=o#::::::l .. l::: . :: . ::::: . ::begehren deines . I
I . :::::::::::::: . :::::=o#o=o#o=o#:::: l .. l::: . :: . ::::. . :::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::::. . . . . :::::::töten.=o#o=o:::::::l .. l::: . ::::: . . ::::::Nächsten Gut.::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
\--GM2025--------------------------------/ .. \-----------------------------------------------/
.
zu b) DIE PRIVATE ANTWORT DES BLOGGER AUF DIE SINNFRAGE
Wenn ich für mich die Frage nach dem SINN DES LEBENS beantworten soll, kann ich das als gläubiger Mensch nur unter Miteinbeziehung der Aussagen der Bibel. Als Christ bin ich nach dem Wortlaut des Alten Testament ein von Gott geschaffenes Wesen. Somit bin ich also ersteinmal nicht Subjekt, das seinen Sinn selbst deffiniert, sondern geschaffenes Objekt, das seinen Sinn vom Gestalter, vom Künstler, von Gott erhält. Das Bildnis gibt sich nicht selbst den Sinn, sondern der Künstler deffiniert und begründet ihn, selbst dann, wenn er sagt, dass die Erschaffung reiner Selbstzweck war. Wenn also folglich nicht wir den Sinn vorgeben, sondern Gott; was ist dann der Sinn, den uns Gott mitgegeben hat? Wie können wir ihn erkennen? Steht er irgendwo in der Bibel? Wenn der Künstler ein Bild malt oder eine Statue erschafft, hat er gewisse Erwartungen an seine Wirkung, die es in ihm oder einem anderen Betrachter erzeugen soll. Wir können davon ausgehen, dass es sich auch in der Beziehung zwischen Gott und dem was er erschaffen hat so verhält. Folglich hat auch Gott Erwartungen an sein geschaffenes Objekt - an uns. Diese Erwartungen, die den Sinn unserer Existenz ergeben, finden ihren prägnantesten Ausdruck in den ZEHN GEBOTEN - dem DEKALOG. ( BIBEL, AT; EXODUS 20,1-17 (2 Mose 20) und DEUTERONOMIUM 5,6-21 (5 Mose 5) und NT, MATTHÄUS 19,17-19 ). Daher hat auch weiterhin nicht der Künstler die Erwartungen des Kunstwerks zu erfüllen, sondern ersteinmal umgekehrt das Kunstwerk den Künstler zu befriedigen. Folglich stehen wir Menschen in der Schuld gegenüber Gott die Erwartungen die er in uns gesetzt hat und in den Zehn Geboten formuliert sind, zu erfüllen. Hieraus ergibt sich, nach meiner ganz persönlichen Sicht der primäre SINN UNSERES LEBENS und lässt sich auch jeder tiefergehende ableiten. Oder wie es einmal der Künstler Joseph Beuys formulierte: "Aufgabe des Menschen ist es, die Werte zu leben, die der historische Christus verkörpert hat."
Und das Ganze nocheinmal radikaler zusammengefasst: Wenn wir der Bibel an der Stelle glauben können (Genesis 3,23) und demzufolge aus dem Paradies geschmissen wurden (was, wenn man sich den derzeitigen Zustand unseres Planeten und das Verhalten seiner Bewohner ansieht, nicht verwunderlich ist), besteht der Sinn des Lebens darin, zu beweisen, daß wir dort wieder hingehören. Falls wir dort aber erst gar nicht mehr hinwollen, erübrigt sich auch, wie im obigen Religions-Lexikon zu beginn erwähnt, jeglicher Sinn im Leben.
Dass die von Gott in zwei sumerische Tontafeln geritzten und Mose übergebenen Gebote leichter aufgezählt sind, als im Leben kontinuierlich zuverlässig in die Tat umgesetzt, wird jeder feststellen können, wenn er über sein bisheriges Leben nachdenkt. Diese Problematik zieht sich sichtbarlich wie ein roter Faden schon durch das Alte Testament und dürfte auch von uns im Jahre 2012 immernoch zu schnell mit gewisser Überheblichkeit belächelnd als " Kenn ich - betrifft mich aber nicht ! " abgetan werden. Schon die nächste Geschichte eines Spielfilm im Fernsehn hat ihren wunden Punkt irgendwo zwischen Punkt Eins und Punkt Zehn in dem von " Indiana Jones " gesuchten Bundesladeninhalt . . . .
MEIN INTERNET-TIPP: http://www.thebricktestament.com
a) Offizieller Kommentar von kompetenter Seite eines Religions-Lexikon
b) Die persönliche Antwort des philosophisch interessierten Blogger
zu a) Wortlaut des RELIGIONS-LEXIKON (G. BUBOLZ, CORNELSEN-VERLAG, 1990)
SINNSUCHE: Allgemeingültig wird man die Frage nach dem SINN DES LEBENS nicht beantworten können. Daher hat es auch keinen Sinn, eine Auskunft auf diese Frage zu erwarten. Mit der SINNFRAGE ist keine Frage gestellt, die auf Wissenserweiterung aus ist, sondern es handelt sich hier um die Frage des Menschen nach sich selbst, nach dem Grund und dem Halt für sein Leben. Häufig bricht die Sinnfrage in besonderen Situationen auf: ein Unfall, eine Krankheit, der Tod eines geliebten Menschen. Nach Siegmund Freud ist diese Frage geradezu als Zeichen seelischer Krankheit zu sehen: " Wer nach dem SINN DES LEBENS fragt, der ist krank. ( Hier wird es nach meiner Ansicht "züngelnd". Noch war Freud Nervenarzt und kein Philosoph. Anmerkung des Blogger ) Den Sinn des Lebens gibt es nicht. Ich mache den Sinn des Lebens. " Daran ist sicher richtig, dass in Aktivität Sinn geschaffen werden kann. Aber macht erst sinnvolles Tun das Leben sinnvoll? Wird Leben erst durch eigene Leistung gerechtfertigt? Der christliche und jüdische Glaube sieht darin einen Sinn vor jedem aktiven Gestalten, dass Gott den Menschen vor jedem Handeln liebt. Sinnvolles Tun ist dementsprechend eine Antwort auf einen vorgängigen Sinn, der im Glauben an die Zuwendung Gottes zu den Menschen geschenkt ist. Von daher ergibt sich die Motivation, sich individuell und sozial aktiv für sinnvolles Leben einzusetzen.
----------------------------------------------------- .. -------------------------------------------------
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::::::: . . . :::::Du sollst keine=#::::l .. l:::::::::::: . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . :::: . ::: . :::::::=o#o=o#o=o#o=::::l .. l::::::::: . ::::::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . :::::::anderen Götter=o:::l .. l:::::: . : . :::::::die Ehe=o#o=::::: . I
I . :::::::::: . :::::::=o#o=o#o=o#o=::::l .. l:::: . :::::: . ::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . :::::::neben mir haben.:::l .. l::::::: . . ::::::::brechen.=o#o::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . :::: . . . . ::::Du sollst den=o#::::::l .. l:::: . . . . . . :::Du sollst=o#o::::: . I
I . :: . ::::::: . :::=o#o=o#o=o#o=::::::l .. l:::::::::::: . :::::=o#o=o#o=o#:::: . I
I . :::::::::: . ::::Namen Gottes nicht:l .. l:::::::::: . ::::::::nicht=o#o=o#:::: . I
I . ::::::: . ::::::::=o#o=o#o=o#o=o:::l .. l:::::::: . :::::::::::=o#o=o#o=o::::: . I
I . :::: . . . . . :::missbrauchen.=o::::l .. l::::: . ::::::::::::::stehlen.=o#o::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . :::: . . . . :::::Du sollst=o#o=o::::::l .. l:::::: . . . . ::::::Du sollst=o#:::::: . I
I . ::::::::::::: . :::=o#o=o#o=o#o:::::::l .. l::: . ::::::::: . ::::=o#o=o#o=::::::: . I
I . :::::::::: . ::::::den Sonntag=o=::::::l .. l:::::: . :: . ::::::::nicht=o#o=::::::: . I
I . ::::::::::::: . ::::=o#o=o#o=o#o::::::l .. l::: . ::::::::: . :::::=o#o=o#o=:::::: . I
I . ::::: . . . . ::::::heiligen.=o#o=:::::::l .. l::::::: . . . . :::::::lügen.=o#o::::::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::::::::::: . :::::Du sollst Vater=::::::l .. l::::::: . . . . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . :::::: . :: . ::::::=o#o=o#o=o#o:::::l .. l:::: . :::::::::: . :::=o#o=o#o=o::::: . I
I . ::: . . . . . . . ::und Mutter=o#::::::l .. l:::::::: . :: . ::::begehren deines: . I
I . ::::::::::: . ::::::=o#o=o#o=o#o:::::l .. l:::::::::: . :::::::::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::::::::::: . ::::::ehren.=o#o=o#:::::l .. l:::::::: . :::::::::nächsten Partner. . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
I . ::: . . . . . . ::::Du sollst=o=o=:::::l .. l::: . :::: . . . :::::Du sollst nicht:::: . I
I . ::: . :::::::::::::::=o#o=o#o=o#::::::l .. l::: . :: . ::::: . :::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::: . . . . . :::::::nicht=o#o=o#::::::l .. l::: . :: . ::::: . ::begehren deines . I
I . :::::::::::::: . :::::=o#o=o#o=o#:::: l .. l::: . :: . ::::. . :::=o#o=o#o=o#::: . I
I . ::::. . . . . :::::::töten.=o#o=o:::::::l .. l::: . ::::: . . ::::::Nächsten Gut.::: . I
I . I l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l .. l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l l . I
\--GM2025--------------------------------/ .. \-----------------------------------------------/
.
zu b) DIE PRIVATE ANTWORT DES BLOGGER AUF DIE SINNFRAGE
Wenn ich für mich die Frage nach dem SINN DES LEBENS beantworten soll, kann ich das als gläubiger Mensch nur unter Miteinbeziehung der Aussagen der Bibel. Als Christ bin ich nach dem Wortlaut des Alten Testament ein von Gott geschaffenes Wesen. Somit bin ich also ersteinmal nicht Subjekt, das seinen Sinn selbst deffiniert, sondern geschaffenes Objekt, das seinen Sinn vom Gestalter, vom Künstler, von Gott erhält. Das Bildnis gibt sich nicht selbst den Sinn, sondern der Künstler deffiniert und begründet ihn, selbst dann, wenn er sagt, dass die Erschaffung reiner Selbstzweck war. Wenn also folglich nicht wir den Sinn vorgeben, sondern Gott; was ist dann der Sinn, den uns Gott mitgegeben hat? Wie können wir ihn erkennen? Steht er irgendwo in der Bibel? Wenn der Künstler ein Bild malt oder eine Statue erschafft, hat er gewisse Erwartungen an seine Wirkung, die es in ihm oder einem anderen Betrachter erzeugen soll. Wir können davon ausgehen, dass es sich auch in der Beziehung zwischen Gott und dem was er erschaffen hat so verhält. Folglich hat auch Gott Erwartungen an sein geschaffenes Objekt - an uns. Diese Erwartungen, die den Sinn unserer Existenz ergeben, finden ihren prägnantesten Ausdruck in den ZEHN GEBOTEN - dem DEKALOG. ( BIBEL, AT; EXODUS 20,1-17 (2 Mose 20) und DEUTERONOMIUM 5,6-21 (5 Mose 5) und NT, MATTHÄUS 19,17-19 ). Daher hat auch weiterhin nicht der Künstler die Erwartungen des Kunstwerks zu erfüllen, sondern ersteinmal umgekehrt das Kunstwerk den Künstler zu befriedigen. Folglich stehen wir Menschen in der Schuld gegenüber Gott die Erwartungen die er in uns gesetzt hat und in den Zehn Geboten formuliert sind, zu erfüllen. Hieraus ergibt sich, nach meiner ganz persönlichen Sicht der primäre SINN UNSERES LEBENS und lässt sich auch jeder tiefergehende ableiten. Oder wie es einmal der Künstler Joseph Beuys formulierte: "Aufgabe des Menschen ist es, die Werte zu leben, die der historische Christus verkörpert hat."
Und das Ganze nocheinmal radikaler zusammengefasst: Wenn wir der Bibel an der Stelle glauben können (Genesis 3,23) und demzufolge aus dem Paradies geschmissen wurden (was, wenn man sich den derzeitigen Zustand unseres Planeten und das Verhalten seiner Bewohner ansieht, nicht verwunderlich ist), besteht der Sinn des Lebens darin, zu beweisen, daß wir dort wieder hingehören. Falls wir dort aber erst gar nicht mehr hinwollen, erübrigt sich auch, wie im obigen Religions-Lexikon zu beginn erwähnt, jeglicher Sinn im Leben.
Dass die von Gott in zwei sumerische Tontafeln geritzten und Mose übergebenen Gebote leichter aufgezählt sind, als im Leben kontinuierlich zuverlässig in die Tat umgesetzt, wird jeder feststellen können, wenn er über sein bisheriges Leben nachdenkt. Diese Problematik zieht sich sichtbarlich wie ein roter Faden schon durch das Alte Testament und dürfte auch von uns im Jahre 2012 immernoch zu schnell mit gewisser Überheblichkeit belächelnd als " Kenn ich - betrifft mich aber nicht ! " abgetan werden. Schon die nächste Geschichte eines Spielfilm im Fernsehn hat ihren wunden Punkt irgendwo zwischen Punkt Eins und Punkt Zehn in dem von " Indiana Jones " gesuchten Bundesladeninhalt . . . .
MEIN INTERNET-TIPP: http://www.thebricktestament.com
... link
Freitag, 3. Februar 2012
4. RACE WITH DEVIL ON SPANISH N-332
guennisseite, 12:44h
! ! ! September 2026 ! ! !
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Am frühen Morgen kurz nach dem hellwerden im Mai in einer kleinen Telefonzelle in dem kurz hinter der Französisch - Spanischen Grenze liegenden kleinen Küstenort Portbou. In dieser 1Meter mal 1Meter messenden Telefonzelle befand ich mich im Jahr 1998 aber nicht um zu telefonieren, sondern weil ich versucht hatte in ihr halbwegs erträglich die Nacht zu überstehen. Ohne Geld und nur mit einem billigen Schlafsack ausgerüstet war das die einzige schnell zu erreichende Schlafmöglichkeit in Anbetracht der Kühle der Nacht und meiner sperrlichen Bekleidung. Bis hierhin hatte ich es gestern Abend von Toulon mit dem Zug ohne Ticket geschafft. Auf dem Bahnhofsvorplatz empfing mich ein junger Russe mit einer gerade geöffneten Flasche Rotwein und wir kamen mit lediglich zwei Sätzen ins Gespräch. Ich sprach kein Russisch und er kein Englisch. Daher bestanden unsere Dialoge über die ganze Zeit in der wir die Flasche Rotwein leerten aus der Frage "Sa va?" und der zunehmend gut gelaunten Antwort "Sa va bien!". Also erst mal alles spitze soweit. Als die Flasche leer war, war er auch so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. Es war inzwischen schon lange dunkel, kein Mensch mehr auf der Strasse und ich versuchte es mir auf Grund der aufkommenden Kälte mit meinem angeduselten Kopf in der nahen Telefonzelle einzurichten und die Nacht zu überstehen.
Ich war nach dem Leben als Obdachloser auf den Straßen von Niza und dem Übernachten im dortigen Nachtasyl nach einem Monat nicht länger berechtigt dort zu übernachten. Also nahm ich den Zug nach Toulon ohne zu bezahlen. Und von dort einen weiteren bis zur Enstation von Portbou. Ebenfalls ohne Ticket. Das ging zum Glück in beiden Fällen gut ohne das ich kontrolliert wurde. Das ganze war aber trotzdem so nervenaufreibend, daß ich von der Gratiskutschiererei erstmal die Nase voll hatte und mich bewegen musste. Das Wetter war gut und ich hatte Lust zu laufen. Also erst mal raus aus dem Ort und weiter auf der N-260 Richtung Süden. Von hier über Gibraltar bis Lissabon lagen ja nur lächerliche 1.910 km vor mir.
Da ich schon seit Wochen ohne Geld unterwegs war und das Betteln um jeden Cent mir zu schwer fiel, musste ich folglich auf andere Weise zu meinem Frühstückskaffee kommen. Also einfach mal das nächste kleine Cafe das auf dem Weg lag angesteuert, rein und mit gestikulieren und gänzlich ohne Spanischkenntnisse um einen Cafe gebeten. Aber bevor ich überhaupt den Tresen ereicht und der Bedienung richtig klar machen konnte, was ich wollte, schallte mir auch schon ein hektisches "No no no !" entgegen. Also wieder kehrt und weiter in Richtung Ortsausgang. So ganz wollte ich mich aber noch nicht geschlagen geben und daher die Straßenseite gewechselt und im wohl letzten Cafe des Ortes noch einen Versuch gestartet. Und siehe da, hier war man schon bei weitem freundlicher und spendierte mir einen Milchcafe in einem Limonadenglas und dem spanischen Kellner liess sich sogar noch ein "Sandwich" entlocken. Super Start in den Tag. Auch wenn der Belag des Brötchen aus der typisch spanischen Chorizo-Salami bestand, die mir in den kommenden Wochen noch öfter begegnen sollte. Eine Wurstsorte auf die ich bisher nicht stand und ich mich auch in den kommenden Wochen nicht anfreunden können werde. Nachdem der Kellner noch meine Wasserflasche aus dem Wasserhahn auffüllen durfte ging es endlich weiter und aus dem Dorf raus in Richtung Süden.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Was das Trampen betrifft, sind meine Erfahrungen aus Deutschland ausgesprochen sparsam. Der letzte Versuch war der, dass ich mit einem Kumpel mehrere Stunden am Ortsausgang stand und wir uns immerwieder abwechselten, den Daumen rauszuhalten, aber keiner halten wollte. Nach ein paar Stunden gaben wir dann auf und liefen beide frustriert wieder nach Hause. Das ganze war immer noch in meinem Hinterkopf präsent, daß ich erst gar keine Lust hatte, es hier in Spanien auch zu versuchen. Eventuell Stunden am Straßenrand zu verbringen um dann eventuell doch mitgenommen zu werden, aber das vielleicht nur ein paar Kilometer bis zum nächsten Dorf erschien mir einfach nicht erstrebenswert. Und so machte ich mich daher einfach mit meinem Bündel auf den Weg.
Wir Deutschen bekommen schon relativ früh eingetrichtert, daß man, wenn man eine Straße entlang geht, dies immer auf der linken Seite macht. Nur hatte ich auch in der Vergangenheit im Fernsehen einen Bericht aus ich weiß nicht mehr welchem Land gesehen, wo man sich über die deutschen Touristen gerade über diese Angewohnheit aufgeregt hatte. Mich daran erinnernd wechselte ich auf die rechte Seite der Fahrbahn. Das war jetzt auch bei weitem stressfreier. Für mich als Fussgänger, der jetzt nicht mehr jeden auf sich zu kommenden LKW bis zuletzt anstarrt. Und für die Autofahrer vermutlich genau so, die sich jetzt nicht mehr fragen müssen, ob der auf sie zu kommende Wanderer auch wirklich seine Richtung beibehält. Erst recht, dann wenn es dunkel wird kommen einem auf der rechten Seite keine blendenden Autos entgegen, die einen aus der Richtung bringen können. Ab jetzt standen mir für meinen täglichen Weg ein weisser Seitenstreifen von ca 15 Centimetern plus einem halben Meter zusätzlich asphaltiertem Seitenstreifen zur Verfügung. Auf diesem schmalen Corridor sollte sich im wesentlich mein zukünftiges Leben abspielen.
Die Sonne schien. Am Himmel Schleierwolken und angenehme Temperatur zum Wandern. Der Weg mäandert aus Portbou hinaus an der abschüssigen Küste bergauf. An dieser Stelle ist wichtig zu wissen, daß wir im Moment, wenn ich das hier alles niederschreibe das Jahr 2026 haben. Ich aber über eine Reise aus dem Jahr 1998 berichte. Das ganze liegt also 28 Jahre zurück. Hätte ich damals Notizen gemacht, wie ich es bei meiner dreiwöchigen Lissabonfahrt und der London-tagesfahrt gemacht habe könnte ich damit heute vermutlich ein Buch über diese Wanderung, die irgendwann im Mai in Portbou begann und irgendwann im September - Oktober in Lissabon endete, schreiben. Aber nach achtundzwanzig Jahren gänzlich ohne die kleinste Notiz wird es wohl nicht viel mehr als eine Kurzgeschichte mit Überlänge. Von allem Erlebten habe ich vermutlich nicht mal mehr ein Prozent als Erinnerung zur Verfügung. Das erleichtert den Schreibfluss nicht gerade. Aber ich mach trotzdem erst mal weiter.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Ein Feldweg einem leise plätscherndem Bach folgend entlang an Wiesen auf denen zwischen leuchtend gelben Löwenzahnblüten verträumt schwarzbunte Kühe grasen vorbei an hüfthohen Roggenfeldern und dann durch einen Buchenwald in dessen grün belaupten Ästen sich das Sonnenlicht bricht während in der Ferne schwach ein Kuckuck zu hören ist war meine Wanderung gerade nicht. Zu meiner linken rauschten abwechselnd PKW's und immerwieder LKW's vorbei, daß ich zu Beginn Mühe hatte das Gleichgewicht zu halten und immerwieder in den sandigen Seitenstreifen abrutschte. Kilometer um Kilometer wurde es aber allmählich besser und mein Tritt wurde sicherer. Man gerät zunehmend in eine Art Trance und fängt an die Autos nicht mehr zu hören und vor sich hin zu träumen. Die Kondition war zur Zeit noch nicht die Beste und daher war ich immer dankbar, wenn mal wieder eine Bushaltestelle auftauchte, bei der ich mich ein paar Minuten ausruhen konnte. Vorausgesetzt sie war auch mit einer Bank ausgestattet. Das Übel war, daß ich zum damaligen Zeitpunkt noch Raucher war. Aber schon seit Wochen ohne Geld durch die Welt reiste. Folglich beschränkten sich meine Kippen auf von Autofahrern achtlos weggeworfene Zigarettenreste und was man halt so am Straßenrand findet. Eventuell hat man auch mal, wenn einem ein qualmender Spanier begegnet und man ihn um eine Zigarette bittet Glück und seine Schachtel ist nicht gerade wiedermal ganz zufällig leer. Das funktionierte natürlich nur in Ortschaften, wo ich dann meist auch gleich das erste kleine Cafe ansteuerte um für einen Cafe con leche zu Betteln.
Für etwas Essbares wartete ich meist bis zum nächsten Cafe. Wenn ich dann dort für ein bißchen Comer bettelte, war so gut wie immer die Antwort die obligatorische Frage: "Un Sandwich?" Wenn man so wie ich auf das Wohlwollen anderer angewiesen ist, ist man schon dankbar, wenn man ein trockenes Brötchen bekommt. Da kommt man nicht auf den Gedanken zu sagen: "Ne Paella bitte und vorab ein Süppchen mit anschließendem Schokoladenpudding mit Vanillesauce." Da antwortet man dankbar "Si - un sandwich !" Das Problem ist nur, daß man am Anfang noch nicht genügend Erfahrung hat und sich durch ein häufig vorkommendes "No" zu schnell frustrieren läßt und es dann eventuell nicht weiter versucht, sondern mit knurrendem Magen weiterläuft oder sogar damit sich am Abend in den Schlafsack verkriecht. Erst mit der Zeit und den fortschreitenden Wochen wurde mir klar, daß man von vornherein bereit sein muss auch ein "Nein" zu akzeptieren. Und wenn's weniger gut läuft auch beim zweiten Cafe ein "Nein" hinzunehmen. Und wenn's ein wirklich beschissener Tag ist, wird's eben erst im vierten Cafe was. Aber dann gleich mit Milchcafe plus Sandwich. Zum Glück gibt es an so einer spanischen Nationalstrasse diese kleinen Cafes in denen man meist auch eine Kleinigkeit essen kann am laufenden Band und werden vor allem zur Mittagszeit von den LKW - Fahrern rege besucht. Das ist eben das Problem. Die Gesundheit ist für die kommenden Wochen auf Sparflamme gesetzt, denn ab jetzt wird sich die Ernährung im wesentlichen nur um dieses Gedeck drehen.
Da ich schon seit Urzeiten gewohnt bin einen Mittagschlaf zu machen ist auch hier auf der Nationalstrasse ab Mittag nicht mehr viel mit mir anzufangen wenn ich mich nicht mindestens eine Stunde hingelegt habe. Auf Bushaltestellenbänken oder Parkbänken kleiner Küstenorte ist das natürlich nur mit Mühe möglich. Vor allem läuft man da Gefahr, runterzuplumsen und ungebremst erst beim Aufschlagen wach zu werden. Extrem ätzende Art aufzuwachen. Wenn es sich machen lässt, schlage ich mich seitlich in ein Pinienwäldchen oder sonstiges Buschland. Es gibt hier in Spanien dann ein spezielles Problem, das versucht einen beim Dösen die Ruhe zu nehmen. Nämlich die berühmte spanische Fliege. Ich meine jetzt nicht das mittelalterliche Foltergerät, sondern das Insekt. Am Anfang glaubt man es kaum wie diese gewöhnliche Stubenfliege sich von unserer deutschen unterscheidet. Das Viech fliegt einem permanent mit einer Aggressivität in Richtung der Nase daß man es nur schwer erträgt. Ohne einen Schutz ist das sogut wie nicht auszuhalten. Nur mit einem Tuch über dem Kopf kommt man dann am Mittag ein wenig zur Ruhe.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Da sich die Strasse über die hügeligen südlichen Ausläufer der Pyrenäen schlängelt, ist zur Zeit ein Abstecher an die Küste noch zu umständlich. Und ohne ein Zelt zu übernachten ist zwar auf Grund des anhaltend guten Wetters kein Problem, aber da sich in diesen mediterranen Gegenden immer ein Rohbau findet, an dem noch tagsüber gearbeitet wird oder aber dem Erbauer vorüber gehend das Geld ausgegangen ist, verkrieche ich mich immer gegen Abend in solch ein Gebäude um die Nacht zu überstehen. Am Morgen sollte man sich wegen eventuell auftauchender Arbeiter nur nicht zu viel Zeit lassen. Ärger gibt es in solchen Situationen nie, aber dämlich angeglotzt wird man schon wenn man sich dann plötzlich morgens aus einem Zimmer kommend an den Arbeitern verlegen vorbeischleicht. Einen Zimmermannshammer hat mir jedenfalls nie einer hinterher geschmissen.
In Deutschland hatte ich da zum Schluß schon größere Probleme. Anfang 1997 hatte ich dort in einem Einfamilienhaus im zweiten Stock eine teilmöblierte Einzimmer - Dachgeschosswohnung bezogen. Mit dem Vermieterpärchen fortgeschrittenen Alters verstand ich mich auch recht gut, daß sie alle paar Wochen immer mal wieder bei mir auf einen Kaffee reinschneiten. Zu der Zeit hatte ich die Angewohnheit auf einem Stövchen immer eine Kanne Tee vor sich hin ziehen zu lassen. In den ersten Wochen hatte ich noch nichts bemerkt. Aber nach ein paar Monaten musste ich plötzlich feststellen, daß sich von den täglichen Teelichtern zum warmhalten der Teekanne eine kleine stetig zunehmende Rußschicht auf der vom Vermieter zuvor neu tapezierten Tapete gebildet hatte. Und promt in den Tagen in denen ich das feststellen mußte, kündigten sich auch wiedermal mein Vermieterpärchen an. Und kaum dass ich die Beiden reingebeten hatte, war ich auch schon mehr oder weniger fristlos vor die Tür gesetzt. Zu allem Glück tauchte ich weiß nicht mehr warum die Polizei auf mit einem "fliegenden" Richter. Der verpasste mir ohne lange Diskussion einen Betreuer. Ich sagte noch dem Richter: "Das hört sich ja wie eine Entmündigung an !" Der Richter antwortete nur kurz und teilnamslos: "In Deutschland gibt es keine Entmündigung mehr." Was für ein Etikettenschwindel!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Na - jedenfalls hat der Betreuer vom Typ frisch der Uni entsprungener Soziologe sich darum gekümmert, daß ich eine neue Zweizimmerwohnung in einem billig erbauten fünfziger Jahre Mehrfamilienhaus mit dünnen Wänden bekam. Das neue Problem war nur, daß immer wenn er mir zum Monatsbeginn meine Sozialhilfe ausgezahlt hatte, ich nichts mehr von ihm gehört habe. Das bedeutete, daß ich weiterhin einen Herd in der Küche hatte, der nicht angeschlossen war und ich mir von einer älteren Untermieterin einen kleinen Gaskocher leihen musste, um wenigstens ab und zu eine Dosensuppe kochen zu können. Überall standen noch unausgepackte Umzugkartons rum. Auch das wichtigste in meiner Wohnung, meine umfangreiche Stereoanlage konnte ich nicht ohne Hilfe aufbauen und anschließen. Das hatte zur Folge daß ich auch um lauter Musik zu hören, meine Kopfhörer nicht benutzen konnte. Also war der Fernseher mit seinen Viva und MTV - Programmen aber ohne Kopfhörerbuchse die einzige Möglichkeit Musik zu hören.
Ein zusätzlicher Kostenfaktor der damaligen Zeit waren meine gelegentlichen Haschisch - Käufe. Diese sorgten zusätzlich dafür, daß ich immer öfter zum Monatsende kein Geld mehr hatte und folglich auch nichts mehr zu essen und die letzten Tage gehungert wurde. Hinzu kam, daß ich mit meinem bekifften Kopf auch mal lauter Musik hören wollte. Das brachte wiederum meinen Übermieter, ein Grieche vom Typ "Attentasopfer" aus der Pariser Metro des Wim Wenders - Film "Der amerikanische Freund" auf den Plan. Der ließ es sich nicht nehmen, mir immerwieder mal den Strom abzuschalten. Für mich war das noch kein so großes Problem, nur wollte ich meinen blauen Kongosalmlern keine kalte 100 Liter Wohnung zumuten und musste also wiedermal in den Keller. Versuchte gerade vor dem Kasten stehend meine Sicherung ausfindig zu machen als ich noch gerade einen Schatten war nehme und ein Knüppel unerbittlich und wiederholt auf mich eindrischt. Meine einzige Angst in diesem Moment war, daß er mich so zusammenschlägt, daß ich hier im Keller liegen bleibe und mich so schnell niemand findet. Zum Glück kann ich mich aber nach einer Weile aufrappeln und mich in meine Wohnung schleppen. Von da an gabs nur noch einen Gedanken für mich: "Ich muss raus aus dieser Wohnung. Muss raus aus diesem Ort. Und muss auch raus aus diesem Land." Also in einer der nächsten Tage Tasche gepackt. Tieren noch eine letzte Ration in der Hoffnung daß sich in absehbarer Zeit jemand um sie kümmert. Schlüssel in den Briefkasten und vom letzten Geld ein Zugticket bis Paris gekauft. Wies dort weiter gehen soll wird man sehen. Was aus allem Zurückgelassenem wurde habe ich nie erfahren.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
April 1998 in Paris. Ella (Fitzgerald) und Louis (Armstrong) schwärmen ja gewaltig von "April in Paris". Und wer noch nie im April in Paris war, spürt spätestens nach dem Hören ihrer Platte, hier sowas wie eine "Summertime" verpassen zu können. Der Witz ist nur, daß die beiden vermutlich einen sichtbarlichen Grund hatten, für den Rest des Monats das Hotelbett nicht mehr verlassen zu müssen. Ich muss es hier leider allen Jazz interessierten sagen: Der April in Paris ist vermutlich der verregnetste von allen Monaten! Das ist sowas von ätzend! Nach meiner Ankunft und mehr oder weniger blank suchte ich auf einer Informationstafel nach einem Touristeninfo - Signet. Ausfindig gemacht machte ich mich auf den Weg dorthin. Die freundliche Dame kreuzt mir eine Stelle auf dem Stadtplanleporello an, wo sich ein Nachtasyl befinden soll. Noch relativ zentral in Paris findet sich in einer unscheinbaren Nebenstraße ein schmukloser ausgebauter Schuppen vor dessen verschlossenem Eingang schon ein paar Typen rumlungern.
Um 18 Uhr wird die Tür von einem breitschultrigen Türsteher geöffnet. Einem Kontrolleur müssen wir unseren Ausweis vorlegen der sich unsere Daten notiert um ganz reingelassen zu werden. Es gibt Räumlichkeiten mit billigen Etagenbetten aus Stahl. In einem großen Aufenthaltsraum finden sich alle ein zu einem Abendessen. Die Übernachtung ist unproblematisch. Jeder kümmert sich um sich selbst und lässt den Nachbar in Ruhe. Am Morgen wird man um sieben geweckt und muss sich beeilen um unbeschwert einen Platz im Frühstücksraum zu bekommen, wo ich ab hier jeden Morgen den leckersten Milchcafe meines Lebens genießen werde und immer nochmal los muss um mir eine zweite Kelle in meine henkellose Schale von Tasse füllen zu lassen. Nach dem Frühstück müssen wir 50 bis 80 Leute, meist mittleren Alters mit vielen aus den ehemaligen Ostblockländern das Gebäude verlassen.
An einer Bushaltestelle mische ich mich von nun an jeden Morgen ohne Geld, folglich ohne Ticket unter die Fahrgäste und fahre ins Zentrum In Richtung Centre Pompidou um mich dort in einen grossen Raum im Kellergeschoss einer dortigen Bibliothek zwischen vielen Studenten vor dem allgegenwärtigen Regen zu retten. Während vor und hinter mir und neben mir Studenten still über Kollegeblocks und Büchern hängen, weil wir noch in einer Zeit leben, wo Notebooks noch nicht allgegenwärtig sind, habe ich meinen Kopf auf der Tischplatte platziert und döse mich der plötzlich aufkommenden Müdigkeit hingebend in Richtung Mittagessen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Meine lieben Leser, ich muss an dieser Stelle mal ein bißchen den Stadtschamanen raus hängen lassen. Natürlich ohne rythmisches Trommeln und ohne monotone Gebetsformeln. Eher so ein bißchen Joseph Beuys - mässig vor die Füße geknallt. Was ihr mit dem Gesagten macht, bleibt euch überlassen.
Ohne es zu wissen stellt sich immer die Frage bei dem was ihr gerade konsumiert ob es "gebremst" ist, oder ob es "beschleunigt". Also was ihr gerade esst, trinkt oder raucht. Wenn man wach bleiben will trinkt man entweder Kaffee oder Cola. Und wer seinen Herzrythmus so richtig zum schwitzen bringen will greift zu Red Bull oder sonstigem Energie Drink. Und wie isses am Abend? Ich meine jetzt nicht den Gang in die Disco. Ich bin inzwischen schon ne ganze Ecke älter, daher denke und frage ich nach dem Verhalten beim Fernsehgucken und anschließendem Schlafengehen. Da gehen nämlich im Allgemeinen die Probleme los. Da gibt es nicht wenig Leute, die dann stundenlang wach liegen und sich frustriert laufend von der einen auf die andere Seite drehen. Der letzte Ausweg ist dann oft die vom Arzt verschriebene Schlaftablette. Und die kann einen, wie ich aus Zeiten meiner "dunkelsten" Erfahrungen weiß, einem zwar regelmäßig abends den Knock Out verpassen, einen aber dafür jeden Morgen nicht sanft aus dem Schlaf ins Wachwerden gleiten lassen, sondern promt einen jeden Morgen mit einem Erschrecken erwachen lassen. Mit einem absoluten Alptraum startet ihr dann jeden Morgen in den so schon "sonnenlosen" Tag. Echt ätzend. Und so war das mal ein paar Morgende lang mit den vom Arzt verschriebenen Schlaftabletten. Dann doch lieber wach bleiben.
Die beiden ungesunden Extreme, Energie Drink und Schlaftablette sollen hier aber nicht Thema sein. Mir geht es um die in allen Lebensmitteln steckenden grundsätzlichen Richtungen der belebenden oder beruhigenden Wirkung. Ich musste auch erstmal über vierzig werden und auf den Straßen von Lissabon leben, um dahinter zu kommen, daß unsere gesamte Ernährung auf diesen zwei Polen aufbaut. Und ich habe bis heute (2026) weder etwas zu dem Thema gelesen, noch im TV oder Internet etwas dazu gehört. Das wundert mich schon ein bißchen, wenn ich an all die vielen Ärzte und Wissenschaftler dieser Welt denke.
Wenn man auf der Straße lebt und das tägliche Standardgetränk keine Flasche Rotwein ist, ist man schon ein wenig von öffentlichen Brunnen abhängig. Zum Glück mangelt es nicht davon in warmen Gegenden wie Portugal. Nach dem ersten halben Jahr auf Lissabons Straßen und nächtigen unter einem überdachten Gebäudekomplex im Hafenviertel von Alcantara verließ ich Lissabon sichtlich ausgemergelt, da inzwischen aus Frust nichts erbettelt zu bekommen so manches Mal erst gar nicht meine Schlafstelle verlassen hatte und lieber hungrig liegen geblieben bin. Am Strand hinter Fonte da Telha machte ich es mir mit einer den Strand entlang geschleiften ausrangierten Matratze gemütlich. Eine ganz in meiner Nähe entspringende Quelle war der Grund für die Wahl des Platzes. Das Trinken war somit gesichert und das Essen würde sich schon mit Betteln am Strand irgendwie ergeben. Mit geschenkter Sardine vom täglichen Strassenmarkt tat es das dann auch.
Mein gesunder Schlaf und das tägliche problemlose Einschlafen fielen mir am Anfang noch gar nicht auf. Erst als nach einem halben Jahr das Wetter schlechter und die Regentage öfter wurden und wegen ausbleibender Strandbesucher ich wieder in einen Ort musste, um nicht zu verhungern, bemerkte ich den Unterschied von meinem Quellwasser der Vergangenheit zum neuen Brunnenwasser von Costa da Caparica. Von jetzt an war erst mal Schluß mit zeitigem Einschlafen. Da ich in dieser Anfangszeit auch noch Raucher war, stellte ich auch einen Unterschied der verschiedenen Zigarrettenmarken fest. Schon zu Jugendlicher Zeit hatte ich Probleme mit dem Einschlafen. Bis mir meine damalige Freundin eine andere Tabakmarke empfahl, der, hätte sie gelesen, gesünder sein soll. Zu der Zeit brachte ich natürlich meine Einschlafprobleme nicht mit dem gewählten Tabak in Verbindung. Erst viel später erkannte ich den Zusammenhang des problemlosen Einschlafen mit der neuen Tabaksorte meine Gizeh - Jongleure.
Und wenn man auf der Straße vom täglichen Betteln lebt und dazu auch noch Raucher ist, lautet die erste Frage nicht nach ein paar Cent für ein Brötchen oder einem Gratiskaffee, sondern die erste Frage an die ersten Passanten die einem nach dem Aufstehen begegnen lautet, ob sie eine Zigarette für einen hätten. Und dann frag nicht nach Sonnenschein wenn dir gleich mehrere offensichtliche Raucher nach einander ne leere Packung hinhalten und sie gerade die letzte rauchen würden. Und wer hebt eigentlich eine leere Zigarrettenpackung auf? Sowas kann dann ganz plötzlich unangenehm ausarten und mit Handy im neuen Jahrtausend ist man wegen so einem idiotischen Zigarrettenproblem dann auch mal ganz schnell umringt von ein paar Uniformierten. Das alles hat dann dazu geführt, daß ich mir irgendwann in Lissabon das Rauchen abgewöhnte.
Und so wie das mit dem Tabak oder den Zigaretten ist, so verhält sich das auch mit den unterschiedlichen Mineralwassersorten. Da gibt es belebende, wie zum Beispiel GEROLSTEINER mit dem grauen Verschluss und beruhigende wie VILSA in der dunkelblauen Flasche mit dem dunkelblauen Verschluss.
Und so wie sich das mit allen Getränken dieser Welt verhält, so ist es auch mit der Nahrung. Nur da wir eine größere Kombination von allem zum Frühstück oder später zu uns nehmen, ist nicht von vornherein sicher zu sagen, worauf es hinaus läuft. Ich als erfahrener Sozialhilfeempfänger bin natürlich ein geübter Mittagsschläfer. Und da man sich beim Mittagschlaf schon sehr bald nach dem Essen hinlegt, merke ich ziemlich schnell, ob ich unruhig mit zappeligen Beinen daliege und nach einer knappen Stunde eher genervt wieder aufstehe, oder entspannt vor mich hindöse und nach ca anderthalb Stunden lieber noch liegen bleiben würde. Wenn man aber nach dem Mittagessen noch weiter arbeiten muss ist schon klar, daß man da eher wach sein sollte.
Wer also nicht zu viele Probleme am Abend mit dem Einschlafen haben möchte, sollte schon ein bißchen darauf achten, was er vor dem zu Bett gehen isst, trinkt oder raucht. Aber Vorsicht! Das braucht Zeit. Wer anfängt in zu vielen Töpfen gleichzeitig zu rühren wird nicht schlauer sondern konfus. Jedenfalls gibt es von jedem Produkt eine beruhigende und belebende Version. Egal ob Wasser, Brot oder Kartoffel. Darum wundert mich das auch heute nicht mehr, wenn es zu Schul oder Studienzeiten Phasen gab, wo ich vermutlich wegen einem falschen Frühstück regelmäßig drohte einzuschlafen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Obdachlos in Paris und ohne einen Pfennig Geld in der Tasche ist eine völlig neue Lebenserfahrung um die ich früher immer gebetet habe sie nie machen zu müssen. In jüngeren Jahren haben mich solche Leute und ihr Leben nie interessiert. Nur gelegentlich haben sich die Wege von Obdachlosen mit meinen gekreuzt, wenn mal wieder einer dieser Looser an der Tür klingelte und meine Mutter immer bereitwillig solchen durchziehenden Leuten ein paar Mark gab. Mein Vater antwortete uns dann immer regelmäßig wenn wir zurück ins Wohnzimmer kamen: "Wie könnt ihr nur so einem was geben....!"
Paris - eine Stadt mit Kultur an jeder Ecke, ist aber nur dann toll entdeckt zu werden, wenn man auch Geld in der Tasche hat. Ohne Geld und ohne Sonnenschein lebt man irgendwie, aber es könnte auch ein ganz anderer Ort sein. Das ganze Denken dreht sich nur noch um die Frage des kommenden Essen und der Frage nach der nächsten Übernachtung. Für Kunst und Kultur ist da kein Platz mehr. Inzwischen habe ich einen Ort in der Stadt ausgemacht, wo es etwas umsonst zum Mittagessen gibt. Dort find ich mich immer ein. Seit ein paar Tagen in denen ich dort bin fällt mir eine auffallend gut aussehende Blondine auf, die sich im schon fortgeschrittenen Alter befindet und zu den ehrenamtlichen Angestellten zwischen den Nonnen gehört und einem das Tablet füllt. Die macht so einen Eindruck auf mich, daß ich in meiner sogenannten Freizeit auf ein Stück Papier mit einem Kugelschreiber ein Portrait von ihr aus der Erinnerung mache um es ihr am nächsten Tag zu schenken. Am Mittag des nächsten Tages bin ich wieder bei besagter katholischer Essensausgabe, doch die Schönheit ist nirgens zu sehen. Und das ab hier auch an den darauffolgenden Tagen nicht mehr. Schade. Mir nochmal meine Zeichnung ansehend kommt mir plötzlich ein Gedanke: "Verdammt - War das etwa Ursula Andress?"
So vergehen die erste Woche und auch die zweite Woche ohne das sich in meinem Tagesablauf irgendetwas ändert. Keinen Spaziergang über die Champs Elysees. Keine Wanderung über Montmartre oder in Richtung Eiffelturm. Kein Centre Pompidou Museumsbesuch. Und logischerweise auch kein Louvre. Was den betrifft, hatte ich noch den letzten Besuch mit meiner damaligen Freundin in Erinnerung. Durch endlose Gänge und Säle kommen wir nach Stunden in einen kleineren Saal. Ich sage zu meiner Freundin: "Du - ich kann nicht mehr. Ich hab auch Hunger. Lass uns abhauen. Im Moment kleben sowieso lauter Japaner vor der Glasscheibe der Mona Lisa. Mir reichts."
An einem der Morgende habe ich plötzlich so einen Idiot in etwa meinem Alter am Frühstückstisch mir gegenübersitzen, der mit irgendeinem Tick anfängt mir gewaltig auf den Wecker zu gehen. Ich spreche ihn auf englisch an, aber er stellt sich taub und reagiert überhaupt nicht auf mich, sondern terrorisiert mich unbeeindruckt weiter. Ich bin so genervt davon, daß das ganze zu einer Handgreiflichkeit eskaliert. Der Türsteher kommt und trennt uns beide und verweist mich der Räumlichkeiten. Da ich mir keine Hoffnung zu machen brauchte, daß er den Vorfall bis zum einchecken am Abend wieder vergessen haben könnte, musste folglich eine Alternative zu dieser triesten verregneten Stadt her.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Der einzige erträgliche Ort zu dieser Jahreszeit konnte sich wenn dann nur irgendwo an der Cote d'Azur befinden. Aber dort ohne Geld möglichst zügig hin zu kommen war nicht so einfach. Also machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof Gare de Lyon. Dort angekommen studierte ich die Anzeigetafel der Abfahrtszeiten der Züge. Es gab hier tatsächlich einen Zug, der am Abend startet und nonstop am nächsten Morgen in Toulon ankommt ohne auch nur einmal zu halten. Wäre eigentlich genau das was ich jetzt bräuchte. Wenn er durchfährt ohne zu halten, kann ich mir nicht vorstellen, daß er da bei einem deutschen Schwarzfahrer eine Ausnahme machen würde und wegen mir nach dem Verlassen des Bahnhof in die Eisen geht und mich rausschmeißt. Das Problem war nur, die Nerven zu behalten und möglichst unbemerkt an den am Bahnsteig wartenden Bahnbeamten und Schaffnerinnen vorbei in einen der Waggons zu kommen ohne von ihnen beim Einsteigen ausgebremst zu werden.
Die Abfahrtszeit war gekommen. Mein Pulsschlag hämmerte und meine Atmung war alles andere als entspannt. Zwei - drei Minuten vor der angegebenen Abfahrtszeit begab ich mich zügigen Schritts auf den Bahnsteig des Sackbahnhofs, ging forsch an den Beamten vorbei und erreichte eine unbewachte Tür einer der Waggons. Kaum das ich drin war kommt auch schon ein junger Mann annähernd in meinem Alter direkt hinter mir rein. Er spricht mich auf englisch an. Wir kommen ins Gespräch und er erklärt mir, daß auch er ohne Ticket an die Cote deAzur reisen wolle. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie entspannend diese Worte für mein vegetatives Nervensystem waren. Der Zug fuhr auch schon los und der Typ packte sofort seinen Tabacksbeutel mit dem übergrossen Zigarettenpapier aus und baute uns ganz relaxed erst mal'n Joint, den wir abwechselnd durchzogen. Es dauerte dann auch gar nicht mehr so lange und ein Schaffner, der seine Runde drehte fragte nach unseren Tickets. Wir beide verneinten. Der Beamte fragte nach unseren Pässen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich noch einen und wir gaben sie ihm. Ohne viele Worte zu machen nahm er sie und ging in die Richtung zurück aus der er gekommen war. Nach ca einer viertel Stunde kam er zurück. Händigte uns wieder die Pässe aus und nahm mich mit den Waggon entlang. Mir schwahnte schon schlimmes. Aber der Mann führte mich in ein Abteil. Zeigte auf eins der Etagenbetten und gab mir zu verstehen, daß ich das bis zum Morgen benutzen dürfe. Boha - das konnte ja gar nicht besser laufen. Ich legte mich auch sofort hin und geriet mit meinem angeduselten Kopf auch schon bald in einen entspannten Tiefschlaf.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Nach einem tiefen traumlosen Schlaf wache ich auf. Es ist hell. Der Zug steht und ich schaue in den Gang. Verdammt - der Zug steht nicht nur. Er ist abgestellt. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Wieso weckt einen hier keiner oder geht zur Kontrolle nochmal durch alle Abteile? Ich angel mich aus dem zum Glück offenen Waggon. Die Sonne blendet. Der Himmel in leuchtendem blau. Überall wo man hinsieht grelle leuchtende Farben. Nach dieser Parieser Tristesse wird man geradezu von einer Buntheit erschlagen. Zum erstenmal kann ich verstehen warum die Expressionisten hier mit Farbe nur so um sich geschmissen haben. Ich suche den Weg über die Gleise zurück in den Bahnhof von Toulon. Irgendwelche siebziger Jahre Filme ziehen mich weiter in Richtung Nizza. Inzwischen das Schwarzfahren geübt besteige ich ohne noch lange zu überlegen einen Regionalzug nach Nizza. Die ganze Zeit fährt der Zug am Meer entlang, das mit seinem leuchtenden blau wie hypnotisch wirken könnte. Ich bin nur weiterhin alles andere als entspannt. Nach hundertfünfzig Kilometern erreiche ich mit dem Rest der Krawatten tragenden Berufspendlern und vereinzelten Touristen meinen Zielort ohne dass irgendwann ein Schaffner zu sehen war.
Hier führt mich mein Gang als erstes wieder zur Touristeninfo und von dort mit einem abgespeckten Faltblatt von Stadtplan zu einem örtlichen Nachtasyl. Dort empfängt uns am Abend hinter einem Schalter mit Holzverschlag und Trennscheibe wie ein altertümlicher Fahrkartenschalter weit unten sitzend ein dicker Mann mit Brille und tiefer krächzender Stimme. Dieser Typ von bischöflicher Erscheinung flankiert von zwei Padres im Stiel zweier Messdiener lässt sich von jedem Ankömmling höchstpersönlich den Pass durch eine kleine Öffnung in der Scheibe durchschieben. Nach einer kurzen Begutachtung und Notiz in seinem großen Wirtschaftsbuch bekommen wir ihn zurück und haben eingecheckt. Diese Prozedur wird sich von nun an die folgenden Tage jeden Abend wiederholen. Die Räumlichkeiten scheinen sich, von den Etagenbetten einmal abgesehen, nicht sehr verändert zu haben seit dem Film THE KID mit Charly Chaplin. In den nächsten Wochen wird sich mein Leben in Nizza nicht sonderlich von dem in Paris unterscheiden. Der einzige Unterschied ist das tägliche strahlende Wetter, daß das Warten auf die Essensausgaben und den Schlafplatz erheblich erleichtert. Ich mache mir fast jeden Tag die Mühe um eine steile Treppe hinauf zum 50 Meter höher gelegenen Parc du Chateau zu machen und um hier über den Dächern von Nizza im Gras vor mich hinzudösen oder den in der Nähe trainierenden Jungs beim Baseball zu zusehen. Nach einem weiteren Monat ist der Spass vorbei. Denn länger als vier Wochen darf man sich nicht in Frankreich in einem Nachtasyl aufhalten. Wenn, dann muss man den Ort wechseln. Was wie ich mitbekommen habe auch eine ganze Reihe machen. Mich zieht es südlicher. Von einem Urlaub mit meiner Freundin, mit der ich viereinhalb Jahre zusammen war, habe ich Portugal in sehr guter Erinnerung. Folglich nehme ich nach dem abgelaufenen vier Wochen einen Zug zurück bis Toulon und von dort auf meine übliche Weise einen weiteren bis zur Enstation von Portbou. Immernoch keinen Schaffner zu Gesicht bekommend. Warum auch immer.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Inzwischen hat die Bezeichnung der Strasse von N-260 zu N-ll gewechselt. In dieser hügeligen Gegend fällt mir ein in etwa einem knappen Kilometer entferntes Plateau auf, das sich in ungefähr 50 Meter Höhe liegend einladend grün vom dahinter liegenden Berg abhebt. Da es schon später Nachmittag ist suche ich einen Feldweg zwischen Wiesen um auf diese Rampe zu kommen. Das gelingt mir auch. Nach einer halben Stunde dort oben angekommen mache ich mir auch sofort ein Lagerfeuer. Ein paar Kartoffeln die den Weg in meine Tüten gefunden haben; Obdachlose reisen mit Alditüten und nicht mit Lois Vitton - Taschen, kommen für ein luxuriöses Abendessen in die Glut. Das ganze mit dem phantastischen Ausblick in's Tal mit der Nationalstrasse und ihren vorbeiziehenden Autos könnte kaum besser sein, wenn ich Idiot nur nicht vergessen hätte, meine Wasserflasche noch aufzufüllen. Für den Rest des Abends und die ganze lange Nacht hatte ich nur noch gerade mal eine klassische deutsche Tasse Wasser zur Verfügung. Ich glaube auf meiner ganzen Reise gab es keinen Tag an dem ich so gedurstet habe wie hier. Aber irgendwann war auch diese sternklare Nacht überstanden und ich machte am anderen frühen Morgen eine kleine Kugelschreiberzeichnung von der ganzen Szenerie die ich noch mit einer kleinen Collage bereicherte. Ein Schnipsel einer Zigarettenpackung auf dem ein Heroe ein Schwert in die Luft reckt wurde neben das angedeutete Lagerfeuer geklebt. Danach ging es wieder weiter Richtung Süden.
Über die N-ll kommend näher ich mich den ersten Vororten von Barcelona. Eigentlich habe ich nach den letzten Wochen in Frankreich die Nase voll von größeren Orten und Menschenansammlungen. Daher versuche ich auch seit Tagen grössere Orte immer möglichst in einem zu durchqueren. Das einzige was mich ausbremmst sind die Frage nach einem Milchkaffee, weil da einfach mehr drin ist als in einem kleinen Espresso und der Frage nach dem obligatorischen Sandwich. Nachdem diese Fragen im wesentlichen geklärt sind, schaffe ich es bis zum Abend aber nur bis etwas über die Mitte der Stadt. Von einer breiten Promenade begebe ich mich über eine schmale Mauer auf den zentralen Sandstrand von Barcelona. Gehe noch etwas weiter um aus dem Licht der Strassenlaternen zu kommen und rolle meine an einem der letzten Strände gefundene Bastmatte aus und richte mich unweit des Wassers mit meinem Schlafsack für die Nacht ein. Mein letztes Betthupferl für die Nacht ist meist ein Zuckerwürfel aus einem der letzten Cafes bevor ich mich auf die Seite drehe und die Augen schließe.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Nach etwa gut einer Stunde, ich bin noch nicht eingeschlafen, spüre ich, wie jemand an meiner hinteren Hosentasche rumfummelt. Ich drehe mich rum um zu sehen, was für ein Idiot das ist. Da wird mir auch schon treffsicher aus nur einem Meter Entfernung ein faustgrosser Pflasterstein direkt in's Gesicht geworfen. Ich schreie auf. Sehe erst mal gar nichts, weil ich mit meinem Schmerz erstmal zu beschäftigt bin. Greife zu einem T-Shirt und halte es an das linke Auge. Ich rappel mich auf. Schwanke in Richtung der nahen Promenade und sehe noch im Augenwinkel fünfzig Meter von meinem Lagerplatz entfernt meine aufgerissenen Plastiktüten und darum verstreut meine wenigen Klamotten. An der Promenade angekommen bitte ich jemanden eine Ambulancia zu rufen. Während ich warte versuche ich zu sortieren was da überhaupt gerade passiert ist. Sie müssen zu zweit gewesen sein. Während einer sich an meinen Taschen zu schaffen machte, muss ein Weiterer daneben gestanden haben und mir den Stein ins Gesicht gepfeffert haben, damit ich der Bullerei keine Beschreibung von den Beiden liefern kann. Und mal überhaupt. Was für Leute übernachten wohl mit Schlafsack an einem Strand? Leute die die Taschen voller Geld haben und am Morgen in ihren um die Ecke geparkten Jaguar steigen? Was für geistig unterbelichtete müssen die zwei gewesen sein. Riskieren für ein paar verschwitzte Shirts und sonstigen unbrauchbaren Kleinkram einem wildfremden Touristen ein Auge auszuwerfen. Vermutlich pilgern sie auch noch am Sonntag andächtig mit Mama in die Kirche.
Inzwischen ist ein Krankenwagen eingetroffen und fährt mich, der sich immernoch ein blutüberströmtes T-Shirt vor's Gesicht hält zum nächsten Krankenhaus, während all meine Sachen zurück bleiben. Im Krankenhaus werde ich im Bereich meines linken Auges operiert. Was genau im Detail gemacht wird weiß ich nicht. Nach der Operation frage ich den Arzt, ob ich denn wieder sehen können werde, oder blind auf dem Auge bleibe. Der Arzt zuckt nur mit den Schultern und gibt mir zu verstehen, daß er das jetzt noch nicht sagen könne. Na toll. Das kann ja wohl nicht war sein. Nach all dem unbeschwerten Wandern der letzten Tage jetzt plötzlich sowas. Wenigstens habe ich nach den letzten Wochen mal wieder ein bequemes Bett und drei reichhaltige Mahlzeiten am Tag. Am dritten Tag kommt der Arzt wieder zu mir rein, reißt mir ohne Vorwarnung den Verband vom Auge und gibt mir zu verstehen, daß ich mich mit meinen beiden unversehrten Augen verabschieden dürfe. Na - suppi. Im Spiegel des Badezimmer sehe ich an meiner Augenbraue eine etwa anderthalb Zentimeter lange vernähte Wunde. Da ham'wir wohl nochmal Glück gehabt. Ich wander also wieder in Richtung Strand. Komme auch wieder dort vorbei, wo alles vor drei Tagen passierte und sehe an fast der gleichen Stelle wieder lauter verstreute Klamotten. Nur daß das jetzt eindeutig nicht meine sind. Sie haben also tatsächlich wieder zugeschlagen! Was soll man da noch sagen? Da fällt mir nur noch eine Platte von dem spanischen Gitarristen Al di Meola ein. Von seiner "Elegant Gypsy" das Stück "RACE WITH DEVIL ON SPANISH HIGHWAY". Eine Platte die zu Beginn der Achtziger so gut wie jeder Jazzrock - Interessierte in seiner Plattenkiste hatte.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Ich habe Glück, denn meine Matte und der Schlafsack liegen immernoch wie ich sie vermutlich verlassen hatte. Ich schnappe mir das Zeug und verlasse zügigen Schritts diese Metropole über die C-31. Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen mein Leser, daß ich Probleme habe die richtige Zeit einzuhalten. Mein Schreiben wechselt gelegentlich von Gegenwart zu Vergangenheit und wieder zurück zu Gegenwart. Ich bitte das nicht zu eng zu sehen. Ich bin kein Schriftsteller. Als zweimaliger Sitzenbleiber war ich zu Schulzeiten schon glücklich, wenn es in Deutsch zu einem "Ausreichend" gelangt hat. Ich bin gelernter Radio und Fernsehtechnikergeselle mit späterem abgebrochenen Grafik - Design Studium. Wenn ich mich heute trotzdem relativ gut ausdrücken kann, dann darum weil ich mich über Jahre in einer langen Zeit der Genesung durch die umfangreiche nationalsozialistische Erinnerungs - Bibliothek meines Vaters gekämpft habe. Heldentaten zu Land, zu Wasser und in der Luft. Von "Die Nacht der Generäle" bis "Holt Hartmann vom Himmel". Das meiste heroisch. Nur weniges kritisch. Da bildeten Bücher wie Solschenizyns "Archipel Gulag" und KZ - Augenzeugenberichte schon eher die Ausnahme. Viele der Bücher Weihnachts und Geburtstagsgeschenke von mir selbst. Aber was soll man auch sonst einem Napolaschüler schenken, wenn man ein miserabler Schüler ist und ihm gefallen will.
Der Witz ist, daß es heute, also nicht hier auf der spanischen C-31, sondern inzwischen schon lange wieder in Deutschland das Gekritzel hier verfassend, im Jahr 2026 es schon wieder wie damals klingt und von westlichen Geheimdiensten noch zusätzlich befeuert wird: "DER RUSSE KOMMT! DER RUSSE KOMMT! Und man eben mal Hundert Milliarden Euro (100.000.000.000,- €) wie das weiße Kaninchen für den Verteidigungsminister aus dem Hut zaubert und gleichzeitig sich täglich in den Medien über Sparmaßnahmen in der Rente, der Krankenversicherung bis zur Sozialhilfe streitet, geradezu unbemerkt die Entwicklungshilfe für Afghanistan und Afrika um Milliarden streicht und damit in Zukunft wieder steigende Flüchtlingszahlen in Kauf nimmt und dabei auf Seiten der Politik dankbar das Thema Erderwärmung und Umweltproblematik einfach überspringt, obwohl jeden Abend sich in den Nachrichten die Meldungen über Hitze, Waldbrände, Dürre, Ernteausfälle und Niedrigwasser überschlagen, nur weil der russische Bär sich aufführt wie ein kleines plärendes Kind, dem ein paar seiner Spielkameraden davon gelaufenen sind und er sie (die Ukrainer) jetzt mit aller Gewalt zurück haben will. Ganz Deutschland ruft plötzlich wie aus dem Winterschlaf aufgeschreckt nach Soldaten, Leopard 2 und neuen Kampfjets und der Rest der Europäer ist gezwungen bei diesem allgemeinen Geblöcke so zu tun, als ob die Ukraine schon immer ein Teil der Europäischen Union war. Man versucht sie mit Sanktionen gegen Russland zu unterstützen und beschwert sich dann, wenn Putin mit hybrider Kriegsführung zurückschlägt, als ob man nicht fähig wäre Eins und Eins zusammen zu zählen. Wenn der ukrainische Gatte und der ukrainische Sohn, meine Mütter Courages dieser Welt sagen: "Wir sterben lieber, als noch mal so zu leben wie zu Sowiet Zeiten.", dann ist das ihre ganz persönliche Meinung. Meine ist das als gläubiger Christ noch nicht. Wie übrigens auch so ganz nebenbei meine momentane Wanderung verdeutlichen soll. Es mag ja in den Augen der Gesellschaft ehrenwert sein, sein Land verteidigen zu wollen, nur braucht mir keiner von diesen Landesverteidigern erzählen, er habe den Nazarehner verstanden. Was glaubt ihr wohl, meine Leser, warum sich Jesus damals noch ziemlich exakt 100 Jahre Zeit gelassen hat, um erst dann zu erscheinen, wenn die Römer in Jerusalem das Sagen haben? Ich bin mir sicher, man will keine Mütter im Paradies, die aus Zukunftsangst oder um einen Esser weniger am Tisch zu haben ihre Söhne ans Militär verschenken und dann das erste Foto in Uniform von ihm ganz stolz rumreichen. Man will einfach keine Väter im Paradies, die um ihr Ansehen bangen und daher dem Sohn mit dem Besuch der Armee eine erfolgreiche berufliche Zukunft versprechen. Man will keine Söhne und Töchter im Paradies, die sich mit anderen zusammen rotten, um dann gewaltsam was weiß ich zu verteidigen. Wem natürlich sein bißchen Freiheit und sein lächerliches kleines irdisches Paradies wichtiger sind und folglich sein ganzes Gequatsche von Gott, Jesus und "C"hristlich nur Lippenbekentnisse sind, soll halt weiter in die Kriege dieser Welt ziehen. Dann aber auch nicht wundern, wenn es "am Ende" doch nix werden sollte mit Gnade und Vergebung. Ich kann einfach nicht verstehen wie man seit der Eroberung von Nord-, Mittel- und Südamerika vor fünfhundert Jahren durch die Europäer so überhaupt kein bißchen dazu gelernt haben kann.
Und ich hab im Moment noch nicht mal sechzig Cent für einen Espresso auf Tasche. Wat'n f.....
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Am Abend, es dämmerte schon, betrat ich eine Bar mit Billiardtisch und Musik die rege Besucht war. Kaum das ich drin bin und die Räumlichkeit richtig erfasst habe, kommt auch schon ein etwa dreissigjähriger gut aussehender Spanier auf mich zu der einen Kopf kleiner ist als ich. Er, der eigentlich gar nicht aussieht wie ein Spanier sondern eher wie ein Deutscher und mich auf englisch anspricht als würden wir uns schon lange kennen läd mich sofort zu einem Glas Whisky ein. Wir palavern eine ganze Weile über Gott und die Welt. Zur fortgeschrittenen Stunde bietet er mir an auf seiner Hazienda übernachten zu können. Wir fahren also eine staubige leicht ansteigende Schotterstrasse ins Hinterland und sind schon bald auf seinem Hof oder dem seiner Eltern angekommen. Er schwärmt mir was von seiner Musik vor und versucht mich mit einer Auswahl seiner Klassik - Platten zu beeindrucken. Das ist eigentlich nicht meine Musik. In der Vergangenheit kam es nur ganz selten vor, daß ich von meinen Audio - Cassetten gelangweilt und von der aktuellen Radiomusik genervt, ich mir zum Beispiel eine Symphonie von Sibelius auf WDR3 hab gefallen lassen. Ich bin aber inzwischen so müde, daß ich mich gar nicht mehr auf die Musik konzentrieren kann. Er merkt das wohl und zeigt mir ein Jugendzimmer in dem ich pennen könne. Dauert auch nicht mehr lange und ich bin eingeschlafen. Am nächsten Morgen entdecke ich ein Board mit einer ganzen Reihe spanischer Taschenbücher. Und zwischen den an die fünfzig Exemplaren schaut mich ein Cover mit dem einzigen deutschem Titel an. Eine Biographie über den Maler Matisse. Ich, der nach all den Monaten schon auf literarischem turky war, kann es sich nicht verkneifen, das Buch ungefragt in seiner Plastiktüte verschwinden zu lassen und gut gelaunt zum Frühstück zu erscheinen. Er fährt mich danach wieder zurück an die Nationalstrasse und ich verabschiede mich mit einem schlechten Gewissen von dem netten jungen Herrn. Gracias!
Inzwischen kann ich es kaum erwarten, bis die nächste Bushaltestelle auftaucht. Dort angekommen begebe ich mich sofort wie in einem alten Marco Polo - Film unter eine akustisch geschützte Glocke aus Buchstaben, Wörtern, Zeichen, Farben und Formen, während vor mir Peugeot, Seat und Nissan und immerwieder ein LKW oder eine dieser spanischen Hornissen, diese lauten röhrenden und getunten Mopeds der spanischen Jugend vorbeirauschen. Künstlerbiographien habe ich schon zu Studienzeiten von Leonardo über Picasso bis zu Andy Warhol's Tagebuch gerne gelesen. Da fällt es mir Anfangs schwer, das Buch zu zu klappen und weiter zu laufen. Mein Weg führt mich zur Zeit unweit des Wassers entlang. An einer Stelle wo die Strasse durch parkende Autos verbreitert erscheint, fällt mir von weitem schon ein dazwischen parkender Kleintransporter auf, der zu einem Wohnmobil umgebaut wurde. Davor sitzt ein ungefähr 35 jähriger Mann auf seinem Klappstuhl der mich anspricht und zeigt, daß auch er die deutsche Sprache bevorzugt. Super - endlich sich nach all den Monaten mal wieder mit jemandem auf Deutsch unterhalten. Zwischendurch hüpfen wir zur Abkühlung in das nur wenige Meter entfernte Meer. Es wird noch ein recht lustiger Abend mit Lagerfeuer und Gegrilltem. Er pennt in seinem Wohnmobil und ich mache es mir am Strand gemütlich. Am nächsten Tag bietet er mir an, mich ein paar Kilometer mit zu nehmen. Er sei mit einem kleinen Brennofen für Getöpfertes auf dem Weg nach Marbella. Ich steige ein und los geht die Fahrt. Noch kurz an einem Supermarkt vorbei für Essbares und eine Flasche Wein. So lass ich mir das gefallen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie kommen wir auf das Thema "zur Toilette gehen". Er erklärt mir, er würde, was durchaus naheliegend ist, sein großes Geschäft immer im Meer machen. Ich, der bisher gar nicht auf den Gedanken gekommen ist, hält das für eine gute Idee meine Salvador Dali - Erfahrenen. Also beim nächsten Termin gleich mal ausprobiert. Wer sich, wie ich nicht mit der Dichte von Körpern vorher auseinander gesetzt hat; ein Liter eines Stoffs der leichter ist als ein Liter Wasser schwimmt, vereinfacht gesagt, darf sich dann nicht wundern wenn das Geschäft nicht unbemerkt zu Boden gleitet, sondern ein Kinderarm dickes Teil ganz überraschend direkt neben einem auftaucht. Man dann wie wild anfängt zu rudern um sich möglichst schnell zu entfernen und der ganze Anblick jetzt nur noch durch eine plötzlich auftauchende Haifischflosse getoppt werden kann. Ich muss es leider so drastisch formulieren: Scheiße schwimmt! Und es ist sowas von erniedrigend, daß ich es danach nur noch in absoluten Notfällen auf die Art gemacht habe. Ein bisschen Wassermusik gefällig?
An einem der kommenden Morgende wache ich auf und stelle fest, daß mir jemand den Pass in der Nacht aus der Hose gezogen haben muss. Fritz, mein Fahrer fährt mich zur nächsten Polizeiwache, da ich hoffe das ich wenigstens für den Rest der Reise sowas wie ein Ersatzdocument bekomme. Die Gendarmen nehmen auch den Verlust auf, doch sowas wie einen Ersatz bekomme ich nicht. Die Fahrt hätten wir uns folglich sparen können. Irgendwie traue ich bei dem Thema meinem derzeitigen Fahrer nicht so ganz über den Weg, aber behalte diese Vermutung für mich. Inzwischen hat die Fussball - Weltmeisterschaft begonnen und wir machen uns die Mühe, beziehungsweise Fritz, und fahren den Berg hinauf zu einem direkt auf der Spitze liegendes Bergdorf. Dort läd mich Fritz zu Grillhähnchen und anschließenden Schnäpsen in eine kleine spanische Bar ein, daß wir uns kaum noch auf das auf dem Bar - Fernseher gezeigte Spiel mit Zidane konzentrieren können. Keine Ahnung wer am Ende gewonnen hat. Jedenfalls geht es im Dunkeln gutgelaunt auf unserem Schleichweg wieder zurück an den Strand.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Am anderen Tag hat Fritz beschlossen auf den nächsten Campingplatz zu fahren um dort für ein paar Tage einen Stellplatz zu mieten. Für ihn mag das ja ganz praktisch sein, aber für mich, der ohne Zelt unterwegs ist, sich am Abend mit Matte und Schlafsack zwischen die Wohnmobile zu legen schien mir nicht gerade einladend und nahm daher meine Sachen um mich von ihm zu verabschieden und einen Platz am Strand zu suchen. Auf dem Weg dorthin konnte ich mir von einem Marktstand noch ein paar Sardinen schenken lassen. Diese bruzelten nun lecker duftend auf meinem Lagerfeuer als es inzwischen schon dunkel geworden war und sich ein Auto nähert. Das kommt direkt bis kurz vor meinen Platz gefahren ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, das blendende Licht auszumachen. Es ist Fritz der sich mit schleimendem Kommentar nähert: "Günther - ich habe ein paar Sardinen für dich." "Hab schon welche auf dem Grill." antworte ich. "Pack deine Sachen und verpiss dich aus der Stadt." ist sein Kommentar. Dann fängt er an mich ernsthaft zu bedrohen und umkreist mich die ganze Zeit, während ich halb sitzend und halb liegend mich die ganze Zeit ihm zu drehe, da ich jeden Moment einen Fußtritt oder was weiß ich von ihm erwarte. Er gibt mir zu verstehen ich hätte höchstens eine viertel Stunde um meine Sachen zu packen und zu verschwinden. Ich sehe also zu mein Zeug so schnell wie möglich in meine Tüten zu stopfen. Danach fährt er die ganze Zeit mit seinem Wohnmobil im Schneckentempo hinter mir her um zu kontrollieren ob ich auch wirklich den Küstenort verlasse. An einer Stelle, an der er gerade an einer Seitenstraße vorbei ist, gehe ich ganz schnell nochmal zurück um mich in der Straße von ihm abzusetzen. In diesem nur sparsam beleuchteten Weg verstecke ich mich zwischen Mülleimern in einem dunklen linken Seiteneingang. Nach einer Weile sehe ich ihn auf der anderen Seite vorbeilaufen. Bald darauf versuche ich mich in der anderen Richtung davon zu machen. Leider habe ich mich wie Buch Cassidy und Sundance Kid zu früh aus meinem Schuppen gewagt, denn der blöde Mexikaner steht schon wieder hinter mir. Die ganze Prozedur geht wieder von vorne los, bis er dann tatsächlich am Ortsausgang verschwunden ist. In einer Seitenstraße mit einem verlassenen frei zugänglichen Bungalow muss ich mich von dem ganzen Stress im extrem einladenden Swimmingpool erstmal abkühlen. Was für ein Tag.
Die fehlende Möglichkeit nach dem Baden im salzigen Meer nicht immer auch noch duschen zu können hat in den letzten Wochen dafür gesorgt, daß meine eher lockig braunen Haare angefangen haben sich zu verfilzen. Inzwischen haben sie einen richtigen Bob Marley - Touch bekommen und ich kann mit meinen vierzig Jahren endlich nachholen, was mir meine Eltern in den Siebzigern immer verboten haben. Nähmlich lange Haare und mit Bräune und Errol Flynn Oberlippenbart so ein richtig cooles Hippie - Outfit.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Auch die Kreativität hat in den letzten Wochen zugenommen, da ich mich außer mit Wandern und gelegentlichem Lesen noch mit anderem beschäftigen muss. An Bushaltestellen oder Parkbänken kleiner Küstenorte entstehen kleine A4 - Kugelschreiber Zeichnungen auf den Rückseiten von Akten und Kartons von Mappen aus irgendwelchen Rathausmülleimern, von dem, was ich halt so um mich sehe. In Bar's und Cafe's habe ich mir angewöhnt, wenn ich einen Milchcafe oder Espresso abstauben konnte, eine kleine Zeichnung auf Servietten von der Tasse zu machen und mit dem Kaffeelöffel und den letzten Tropfen des Kaffee noch dem Ganzen ein paar Aquarelltupfer zu verpassen und das ganze auf dem Tresen oder dem Bistrotisch als Dank zurück zu lassen. Alle paar Wochen ist auch immer eine frisch geschnorrte Zigarette dran. Die wird entweder mit dem Kugelschreiber maltretiert oder mit irgendwelchen kleinen bunten Schnipseln beklebt oder mit den restlichen bunten Wollfäden eines weggeworfenen Pulover und wechselnden Farben umwickelt. Das schärfste Objekt auf dem Gebiet entstand, in dem ich in einem kleinen Drahtgestell eine Zigarette befestigte die einen Vogelkörper darstellt, weil ich auf meiner Wanderung einen ganz kleinen Fogelschädel am Straßenrand gefunden habe und jetzt versuchte ihn in dem filigranen Teil unterzubringen. Auch mit den immer wieder auftauchenden Katzenaugen, die im Dunkeln von den Autoscheinwerfern leuchten und die Fahrbahnmarkierung an Kreuzungen bilden und hin und wieder durch vorbeifahrenden Autos aus ihrer Verankerung gerissen wurden entstehen kleine Objekte. Meist wird von mir nicht mehr viel damit gemacht. Lediglich ein Pfauenauge oder sonstiger am Wegesrand gefundener Falter wird von mir mit angezündetem und draufgetropftem Plastikrest daran befestigt. So entstanden und werden noch in den kommenden Wochen entstehen eine ganze Reihe kleiner aber feiner Zeichnungen und Objekte die ich aber nicht mit mir rumschleppe. Dafür bräuchte ich schon allein einen kleinen Bollerwagen, den ich hinter mir herziehen müsste. Nein - die Sachen bleiben immer gleich an Ort und Stelle zurück, wo sie entstanden sind. Ich bin einer der daran glaubt, daß, falls wir in's Paradies kommen sollten, auch dort alles von dem wir uns seit der Kindheit trennen mußten, wieder zurück bekommen werden. Warum also warten bis wir es verlieren, geklaut wird oder ganz einfach irgendwann nicht mehr interessiert? Ich überspringe da einfach im Leben diese Zufälle, lasse das Zeug da wo es entstanden ist und hoffe darauf, daß sich ein Damiel oder Cassiel darum kümmert. Du meinst, der Kellner hat das Teil zerrissen und in der Toilette entsorgt? Woher willst du wissen, daß das immernoch das Original war?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17
Am Morgen dauert es inzwischen immer eine ganze Weile, bis ich alles in meinen zwei oder auch mal drei Tüten verstaut habe. Die werden dann eng hintereinander gestellt; ein sich inzwischen eingefundener Stock, der mehr als Tragehilfe dient, denn als Spazierstock zu gebrauchen ist und in der Mitte mit einem kleinen Handtuch umwickelt wurde, wird durch die Griffe der Tragetaschen geschoben und hochgestemmt, daß die ganze Schose mit dem Handtuch auf meiner rechten Schulter Platz findet. Auf diese Art und Weise bin ich schon seit Wochen unterwegs. Auf altertümlichen Illustrationen sieht man aber keine Alditüten an der Stelle, sondern meist ein rotes Tuch mit weißen Punkten, das am hinteren Ende des Stocks verknotet ist und in dem sich bekannter Massen die Bordverpflegung von "Hans im Glück" befindet. Es ist tatsächlich eine bewährte Art Dinge zu transportieren, wenn man damit wandern muss.
Schon seit Deutschland bin ich ohne Armbanduhr unterwegs. Eigentlich brauche ich auch keine Uhr. Ich hab ja keine Termine einzuhalten. Aber mehr aus kreativem Drang habe ich angefangen meinen Tragestock zusätzlich zu einer Sonnenuhr zu erweitern. Dazu musste das Teil erstmal mit der Hilfe von Cafeuhren und Kirchenuhren geeicht werden. Dazu habe ich eine Zeitlang möglichst zur vollen Stunde ein Cafe verlassen, draussen den Stock möglichst exakt gerade hingestellt, einen kleinen Stein genommen, an die Stelle gelegt, wo die Schattenspitze war, den Stock nun vorsichtig seitlich in Richtung des Steinchen gekippt und so die Länge des Schatten auf meinem Stock notiert. Am Mittag war logischer Weise der kürzeste Schatten. Folglich befand sich der Zwölf Uhr Mittags - Strich am unteren Ende des Stocks. Je später oder früher es wurde, um länger wurde der Schatten und somit die als Ring in meinen Stock geschnitzte Uhrzeit. Als grobe Orientierung für den Tag war das völlig ausreichend. Ich hatte damit immerhin eine Genauigkeit von plus - minus 15 Minuten erreicht. Das Problem war nur, daß er nach zwei bis drei Wochen nicht mehr zu gebrauchen war, da sich über das Jahr gleichmäßig die Höhe des Sonnenstands ändert und somit auch die Schattenlänge. Daher hatte die Sonnenuhr dann ausgedient und ich hatte den Spaß, wieder eine Neue anfertigen zu dürfen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Viel wichtiger wäre aber eine Uhrzeit in der Nacht. Die Spanischen Sommernächte waren gelegentlich so kalt, daß ein Übernachten im billigen Schlafsack unmöglich war. Das war gelegentlich so kalt, daß sich an den Orangen der Bäume kleine Eiskristalle gebildet hatten. Ich also irgendwann wieder aufstehen musste und erst nach einer viertel Stunde laufen eine erträgliche Betriebstemperatur erreicht hatte. Das Übel war, nicht zu wissen wie lange ich dann noch laufen musste bis es hell wurde und die ersehnte Sonne aufgeht. Da kann es schon wertvoll sein zu wissen, ob man nur noch eine Stunde laufen muss, oder noch mehr als vier Stunden vor einem liegen. Zum damaligen Zeitpunkt bin ich noch davon ausgegangen, daß der Tag exakt 24 Stunden hat. Inzwischen wieder in Deutschland die Schose hier schreibend spukt mir das Internet aus: Stimmt nicht! Sind nur 23 Stunden, 56 Minuten und 26 Sekunden. Also jeden Tag 3:34 Minuten kürzer. Das sind in zehn Tagen schon über eine halbe Stunde und in einem Monat mehr als anderthalb Stunden.
In Spanien hatte ich das aber noch nicht bedacht und ging davon aus, daß es genau 24 Stunden sind. Die Position der Sterne durch die Schräglage der Erde sich über das Jahr nur in der Höhe ändern, aber nicht in ihrem Verlauf. Ich also folglich in der Nacht eine Küchenuhr am Himmel habe. Der Mittelpunkt der Uhr, also da wo die Zeiger befestigt sind, ist mein Polarstern. Jetzt musste ich nur noch ein Sternbild festlegen, daß den Zeiger meiner Uhr darstellt. Natürlich hatte ich jetzt keine Aufteilung in Zwölf Stunden, sondern auf dem Ziffernblatt befanden sich 24 imaginäre Striche am nächtlichen Himmel. Der Zeiger meiner nächtlichen Bahnhofsuhr bildete die Hinterachse des Großen Wagen oder auch Großer Bär genannt. Zu beachten ist, daß der Zeiger auf der nördlichen Halbkugel unserer Erde rückwärts läuft. Jetzt musste ich nur noch nachts die Zeiten der vollen Stunden in den Bars und Kirchturmuhren mit den Positionen und angezeigten Zeiten meiner Hinterachse auf einem Zettel synchronisieren und meine nächtliche Anzeige war vertig. Na - nicht so ganz. Je nach nächtlicher Zeit kann es sein, daß der Große Wagen so tief steht, daß ein Ablesen wegen des Streulichts am Horizont unmöglich ist. Daher musste noch ein zweites Sternbild her das jetzt besser zu sehen ist. Es bot sich daher das gegenüber dem Polarstern liegende Cassiopeia, das Himmels - W an. Die Position des hellsten Eckstern der zusammen mit dem Polarstern den Zeiger bildet notiert und fertig war die Himmelsrolex. Die durfte dann auch mal'ne halbe Stunde nach gehen. Um zu wissen wie lange diese ätzende Nacht noch dauert reichte das allemal.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Auf der N-340 gab es mal einen Morgen, der auf Grund der nächtlichen Kälte also schon in der Nacht begonnen hatte und ich somit nach dem Hellwerden kurz vor Sonnenaufgang in einen kleinen Küstenort komme und mich schon die ganze Zeit der Hunger plagt. Das einzige das um die frühe Zeit schon geöffnet hat, ist die Backstube des Ortes. Da ich aber keine Lust hatte, auf der Suche danach meinen ganzen Krempel mit mir rumzuschleppen, stellte ich das Zeug einfach an einer kleinen Mauer ab. Es war ja auch sonst noch kein Mensch unterwegs. Wer sollte also schon damit etwas anfangen können. Ich machte mich also auf den Weg um irgendwo eine Bäckerei zu erspähen oder zu erriechen. Ich wurde dann auch tatsächlich fündig. Erbettelte mir zwei Brötchen und ging zurück zu meinen Sachen. Die waren aber tatsächlich nicht mehr da, wo ich sie abgestellt hatte. Ich dachte: Das kann doch wohl nicht war sein! Was für ein Chicago ist das denn hier? Da seh ich in der Ferne wie gerade ein Müllwagen in eine Seitenstraße abbiegt. Na - herzlichen Glückwunsch Günni. Jetzt kannste wieder aufs neue den (Jäger) und Sammler machen. Und ich hör sie schon wieder von weitem rufen: "Man muss loslassen können!" Ach - tatsächlich? Schon mal mit so gar nichts im Leben in den Tag gestartet? Ich meine keine Wohnung. Keinen Job. Kein Geld. Nur das Hemd und die Hose die du trägst? Ich kann dir sagen, das ist ein völlig neues Lebensgefühl. Und wenn du dann halb verärgert, halb gut gelaunt über das schöne Wetter die spanische Nationalstrasse entlangwanderst und dann tatsächlich am Wegesrand als allererstes ein Taschenmesser findest, dann glaubst du nicht mehr, dann weißt du daß es "ihn" gibt. Das kannst du mir glauben.....
Der Weg führte mich daher auch in den nächst größeren Ort um mir in einer dortigen kirchlichen Einrichtung um Schlafsack und Sweatshirt zu bitten. Das funktionierte zum Glück auch auf Anhieb und einem gut gelaunten Weiterwandern stand nichts im Weg. Bei der Frage nach Problemen mit Hunden auf meinen täglichen Wegen muss ich ein wenig ausholen. Bei meiner Wanderung im Jahr 1998 hatte ich noch nie etwas von einem Jakobsweg gehört. Erst als ich 2008 wieder zurück in Deutschland war erfuhr ich zum erstenmal durch Hape Kerkelings 2006 erschienenes Buch etwas von dieser Strecke in Nordspanien. Ob Hape sich in seinem Buch zu Hundeproblemen geäußert hat, weiß ich im Moment nicht. Ich habe aber sehr wohl von Problemen auf dem Jakobsweg in den letzten Jahren in den Büchern von Shirley McLane und Paulo Coelho gelesen. Dort berichtet man schon im Vorfeld von Angst vor den Hunden, daß es dann sogar zu Chuck Norris - mässigem Kampf zwischen Hund und Coelho kommt. Der Fight endet mehr oder weniger unentschieden und Mensch und Hund tragen sogar ernsthaft bedrohliche Verletzungen davon. Ich habe keine Ahnung, ob das tatsächlich so passiert ist, oder ob es sich dabei bei unserem Paulo nur um eine gewinnbringende literarische Idee handelt. Jedenfalls scheinen die beiden Superstars des Film und der Literatur im realen Leben dann doch gelegentlich vorübergehende Aussetzer im Oberstübchen zu haben. Bei mir müsste man schreiben: Deutscher Stadtindianer zieht schnorrend durch Spanien während die Hunde schon von weitem die Flucht ergreifen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Mal ehrlich. Muss das Theater um die Hunde sein? Da steckt man sich einfach zwei Steine in die Tasche, Steinchen reichen da schon und das Problem ist gelöst. Ich hatte auf meinem Weg sicher genau so viel Probleme mit Hunden wie die da oben. Vor allem in der Nacht kam es schon ab und zu vor, daß da so ein Kläffer sich vom Hof traut und dann meint sich mir Lassiter - mässig mitten auf der Straße in den Weg stellen zu müssen. Dann wird halt zu einem der Steine gegriffen und in grobe Richtung des Hundes geworfen. Der oder die brauchen dann nur das Gepolter des sich nahenden Steins zu hören und beschleunigen mal eben daß die Hinterläufe die Vorderläufe überholen und schon in Kürze ist keiner mehr zu sehen oder zu hören. Problem gelöst. Vieleicht hat aber unser Pauolo Coelho sich nur bei seinen Derwischen in Konstantinopel in seinem Buch "Hippie" ein paar Mal zu oft um die eigene Achse gedreht und einen leichten Langzeitschaden davon getragen. Der Mann ist ja nicht um sonst mit einem Schwert wie Siegfried unterwegs um gegen die inneren Dämonen in den Krieg zu ziehen. Vielleicht sollte er sich mal von seinem Alchimist behandeln lassen. Übrigens - den zweiten Stein zur Sicherheit habe ich auf der ganzen Strecke nie gebraucht.
Wenn wir hier schon beim Thema Shirley McLane und Paulo Coelho auf dem Jakobsweg gelandet sind, möchte ich hier aber noch auf eine wirklich bedenkliche Sache hinweisen. Die beiden führen in ihren Büchern Dialoge und Zwiegespräche mit "Flüsterstimmen", als ob es das Selbstverständlichste von der Welt wäre. Ihre Gesprächspartner haben logischerweise fromme Namen und müssen in deutlich verständlichem Ton sich ihren Fragen stellen. Hat jemand von euch Lesern Erfahrung mit sogenanntem "Stimmen hören"? Ich seit Portugal Zeiten sehr wohl. Ob das ein Relikt aus meinen Kifferphasen ist? Keine Ahnung. Wahrscheinlich. Das heißt in diesem Jahr 2026 inzwischen schon über fünfundzwanzig Jahre lang. Aber daß in all der Zeit es nur annähernd so laut war, um ein richtiges Gespräch zu führen war es zu keinem Zeitpunkt. Ich frage mich ein bißchen, ob die Beiden von dem mit Religion überladenen Wanderweg eventuell genau wie Hesses Steppenwolf und Goethes Werther, von denen ich das schon länger vermute, eines Tages für einen Faust'schen Deal einen Mozard'schen Requiembesteller vor der Tür hatten. Wundern würde mich das bei den genannten Vier nicht. Vorallem auch diese selbstverständlich frommen Gegenüber, deren gute Absichten in keinster Weise in Frage gestellt werden. Dann gehöre ich folglich zu den Bösen. Bei mir hat sich der Ton der Flüsterstimmen schon sehr früh als einer mit einer faschistischen Grundhaltung herausgestellt und ich darum nicht viel für die Bedeutungen der Mitteilungen des Teufel oder seiner Laufburschen gebe, auch wenn er immerwieder mit Schmeicheleien versucht sich bei mir anzubiedern. Aber ihr plötzliches Fehlen durch "Heilung" inzwischen auch vermissen würde. Auch schon deshalb, weil immer wieder, wenn auch selten, Kommentare von der anderen, "der positiven Seite" auftauchen. Das ganze ausschließlich als reine "akustische Halluzinationen" abzutun, wie es die "Schriftgelehrten" der Psychologie und Neurologie machen, verbuche ich einfach mal unter sehr mutig. Mir haben jedenfalls die Stimmen durch Prophezeiungen immerwieder gezeigt, daß es sich bei mir nicht (nur) um Halluzinationen handeln kann. Aber diese Stimmen zu leichtfertig unter göttlich oder Engel zu verbuchen halte ich für einen großen Fehler. Auch wenn die vielleicht in einem Bunker sitzen und aus Gefälligkeit der liebe Gott und seine himmlischen Heerscharen sich persönlich für die technische Umsetzung im Bereich der Hypophyse und der Synapsen kümmern. Den Mitteilungen würde ich aber empfehlen, nicht naiv zu vertrauen. Jedenfalls sollte sich keiner wundern, wenn er dann doch mal auf der Brücke vor dem Abgrund steht, oder sich mit umgeschnallten Bombengürtel von seinen Freunden verabschiedet und dann noch eine Flüsterstimme hört: "Sie warten auf Dich!"........... (Mt. 4, 5-7)
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Zur Zeit war ich in einer Gegend unterwegs, wo die Landschaft aussah, wie auf dem Planeten "Plastik" kurz hinter Sirius. Wo man hinblickt, nichts als etwa zweieinhalb Meter hohe Wintergärten. Aber keine kleinen, wie in unseren Schrebergärten, sondern richtige Hallen. Eine neben der anderen. Den Spanischen Bauern mag das ja für eine gewinnbringende frühe Ernte sorgen und wir in Deutschland auch im Winter unsere Tomaten bekommen. Für mich als Wanderer ohne Geld auf der Tasche war das weniger befriedigend. Denn hier in dieser Gegend mit Plastikplanen soweit das Auge reicht und darunter mit vermutlich den leckersten Gemüsegenüssen gab es plötzlich nichts mehr zu pflücken...äh... pardon ... vergammeltes vom Boden aufzuheben. Keine Tomaten und weit und breit kein Baum mit den leckersten Orangen meines Lebens. Die spanischen Orangen sind einfach ein Traum. Ich frage mich, ob bei uns in Deutschland wirklich davon die erste Wahl ankommt. Auf Jedenfall kannst du die "Bringschuld" - Jaffa aus Israel daneben gleich ungesehen in den Mülleimer stecken. Egal ob frisch gegessen oder ausgepresst. Ich muss jedenfalls so bald wie möglich raus aus diesem "Overlook" - Plastikirrgarten und mal wieder ein bißchen Natur sehen.
Zum Glück ist es nicht so weit um an den Strand zu kommen und das Meer zu sehen. Dort ist es aber im allgemeinen nicht vor dem Spätnachmittag erträglich. Ich bekomme schon seit längerem den Eindruck, daß es zwischen Barcelona und Gibraltar nicht einen einzigen Baum mehr im Bereich des Strandes gibt. Schatten kann man folglich vergessen. Also bin ich meist immer erst gegen Abend am Strand. Lagerfeuer ist wichtig. Nicht um was zu grillen, sondern um die arschkalte Nacht zu überstehen. Wobei es natürlich Nächte gibt, wo auch das nicht bis zum Morgen reicht. Selbst wenn man sich zum Schluß noch einen erhitzten Stein, der die Umrandung des Feuer bildete in den Schlafsack holt. Das ist aber nicht immer der Fall. Keine Ahnung ob das an der Position der Küste in der ich mich befinde liegt oder ob die Windrichtung etwas damit zu tun hat. Jedenfalls sind die Nächte, was die Temperatur betrifft zur Zeit erträglich.
Meine Leser - schon mal ganz allein ohne Zelt nur in einem Schlafsack unter freiem Himmel übernachtet? Ich meine, es ist jetzt nicht bewölkt, sondern sternklarer Himmel. Man liegt da so. Versucht ein wenig Ordnung in das Durcheinander am Himmel zu bekommen. Der Große Wagen. Der Polarstern. Eventuell noch den kleinen Wagen mit den Plejaden, oder auch Siebengestirn genannt. Eventuell noch das Himmels - W mit Cassiopeia. Und während man so liegt und dieses riesige Szenario betrachtet und vor sich hin träumt, kommt plötzlich eine Sternschnuppe in dieses Spektakel reingerauscht. Was für ein Anblick! An der Stelle mag es Leute geben, die dann eventuell leicht hektisch ihren Nachbarn informieren: "Du darfst dir was wünschen!" Mag ja sein. Mit Gewissheit sagen, daß das Gewünschte auch in Erfüllung geht, kann aber vermutlich niemand. Allein schon deshalb, weil wenn der Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen sollte, sich schon lange niemand mehr an den Auslöser, die Sternschnuppe erinnert. Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung ist es bei weitem gewinnbringender, sich zu vergegenwärtigen, an was man gerade beim Reinrauschen der Schnuppe gedacht hat. Wow - was für ein Aufwand! Millionen Jahre Planung, nur um bei diesem "besonderen Gedanken" das Teil einem auf die Sekunde genau zu präsentieren. Wer's glaubt wird seelig.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Weitaus problematischer ist es, wenn man dann tatsächlich eingeschlafen ist, sich eventuell inzwischen in einer REM - Tiefschlafphase befindet und dann plötzlich hochschreckt und irgendein grelles Licht über einem sieht. Im ersten Moment weiß man nicht mal, daß man sich am Strand befindet. Das Herz hämmert bis in die Halsschlagader. Richtig erkennen, wer einen da mitten in der Nacht mit der Taschenlampe anblendet tut man schon gar nicht. Man ist sowas von erschrocken und fühlt sich wie nonstop vom Paradies in die Hölle katapultiert. Bis dann in das Dunkel die Aufforderung "Pasaporte!" fällt. Jetzt erst kapiert man was Sache ist. Drei Uniformierte meinen mitten in der Nacht bei mir auf Nummer Sicher gehen zu müssen. Komisch, aber irgendwie haben Sie auch schon mein frisch gefundenes Taschenmesser ausgemacht. Das wird nach allgemeiner Begutachtung auch sofort konfisziert. Muss sich beim Besitzer wohl um einen mordenden ETA - Terroristen aus der Billbaogegend handeln. Verständlich die Aktion. Ist halt nix mehr mit Tomaten kleinschneiden und Wanderstockverschönerung. Da ich wie schon erwähnt keinen Pass mehr besitze, haben die Herren einen berechtigten Grund mich aufzufordern alles zügig einzupacken und in den Jeep zu bitten. Der fährt uns dann zu Ihrem Stützpunkt, wo alles fein säuberlich aufgenommen wird. Nach einer abschließenden Unterschrift in ihr großes Logbuch darf ich meine Sachen nehmen und weiterziehen. Herzlichen Dank für den überflüssigen nächtlichen Terror.
Die Reise geht weiter. Keine Ahnung was meine tägliche gewandert Strecke ist. Vermute mal das es so zwischen fünfzehn und zwanzig Kilometer sind. Am Abend geht es immer links ab in Richtung Strand. Wenn es nicht gerade eine Hotelburgengegend ist, steht einem unbeschwerten Abend mit Lagerfeuer und eventuell noch ein paar Kartoffeln für die Glut nichts im Wege. Nur werde ich in dieser Nacht schon wieder aus der Tieftraumphase gerissen. Es spielt sich fast der gleiche Film ab wie schon die Nacht zuvor. Die Herrschaften scheinen gelangweilt zu sein und haben wohl von ihren Kumpels von der Wache aus dem Nachbarort erfahren, daß man sich mit dem Deutschen für ein - zwei Stunden gut ablenken und die lange Nacht rumkriegen könne und noch nebenbei sogar ein Taschenmesser dabei rausspringt. Was für ein Scheiß! Nicht noch'sone Nacht.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Es liegt also eine weitere Etappe an und ich mach es jetzt kurz. Das Theater mit der spanischen Polizei ist auch in der dritten Nacht noch nicht vorbei. Es sind natürlich wieder ein paar andere Typen, die mich in dieser Nacht terrorisieren. Also wieder alles wie die Nächte zuvor. Nur eine klitzekleine Sache ist in dieser Nacht anders. Schon in Deutschland hatte ich mir eine leicht veränderte Unterschrift angewöhnt, in dem ich am Ende meines Namens immer noch einen kleinen kunstvollen Schlenker machte, der dann noch zusätzlich ein kleines vereinfachtes Piktogramm ergab. Und genau das hatte ich in dieser Nacht nicht gemacht. Eher ganz simpel wie ein Fünftklässler. Meint doch tatsächlich der eine Bulle mit leicht kreisendem Finger, wo den die kleine Sache am Ende wäre? Scheiße - hab'ichs mir doch gedacht. Von da ab war nur noch einfache Unterschrift bei mir angesagt. War aber eigentlich gar nicht mehr nötig, denn von dieser Nacht an wahr Ruhe mit den nächtlichen Mexikaner - Überfällen, mein Hollywood. War wohl zu peinlich für die Pistoleros der letzten Nacht. Vamos - die N-332 wartet.
Was die Hygiene auf dieser langen Wanderung betrifft, die gerät Woche für Woche mehr aus dem Blickfeld. Wenn vieleicht noch am Anfang alle paar Tage die Unterwäsche und T-Shirts rausgewaschen wurden, so findet das inzwischen immer seltener statt. Es kommt schon eher mal vor daß ich, weil ich wiedermal die Nacht zum Tage machen musste, mir im Vorbeigehen ein paar wirklich schicke Shorts auf einer Wäscheleine auffallen und diese dann kurzerhand in meine Tüte fallen. Das ist dann aber schon wirklich die Ausnahme. Im allgemeinen führt mich mein Gang immer eher zu einer Kirche und im dortigen Umfeld gibt es dann auch meist eine Tür, hinter der einem bereitwillig ein neues Shirt ausgehändigt wird. In diesen Sommermonaten 1998 war es wiedermal, daß ich auf diese Art und Weise zu einem weißen T-Shirt kam, auf dessen Brust mit großen aber eleganten Buchstaben das Wort "Armstrong" aufgedruckt war. Ich hatte mir das T-Shirt nicht ausgesucht. Es wurde mir eher überreicht. Ich, als Elektronik interessierter verband den Namen natürlich sofort mit der Apollo 11 - Besatzung, der ersten Mondlande - Crew und mit der deutschen Übersetzung hatte ich den Eindruck, auch meine Wanderung und meine Tragkraft geehrt zu fühlen. Daß dem aber ganz und gar nicht so war, erfuhr ich erst mehr als ein Jahrzehnt später wieder in Deutschland. Hier musste ich mir zu aller Peinlichkeit im TV erzählen lassen, daß in diesen Jahren im Sport von nichts anderem geredet wurde, als von einem amerikanischen Radprofi, der von der Tour de France bis zur Vuelta ein Sieg nach dem anderen geholt hatte. Ihm diese Siege aber alle wieder aberkannt wurden, weil er gedopt hatte, was das Zeug hält. Ich also mit geschwollener Brust wochenlang in Spanien Werbung für einen Drogenübeltäter gemacht hatte. Man kann sich nicht vorstellen, wie peinlich mir das im Nachhinein erschien. Meine einzige Hoffnung blieb, daß das im Sommer achtundneuzig noch nicht bekannt war und unser Lance Armstrong vor jedem Fernseher der kleinen spanischen Bars gefeiert wurde. Beruhigend an der Stelle ist, daß die ganze krimminelle Geschichte in Hollywood mit dem Schauspieler Ben Foster noch ein sehenswertes Ende gefunden hat. Vor allem ist dem Mann im Western "Todeszug nach Yuma" eine Rolle auf den Leib geschnitten worden. Tja - Huston, ihr hört es, wir haben ein Problem.....
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Wie ich schon sagte, versuche ich eher vor, oder hinter den Küstenorten mein Lager am Strand aufzuschlagen, weil man da spätestens nach dem Dunkelwerden ungestört allein ist. Nur ist dann die Chance kleiner, auch mal mit einem Deutschen ins Gespräch zu kommen. Das war nämlich vor kurzem Geglückt und solche Begegnungen sorgen dann durchaus auch mal dafür, daß einem kurzerhand zum Abschied auch noch ungefragt ein Zehn Euroschein in die Hand gedrückt wird. Der wurde dann nicht von mir im nächsten Restaurant aufgegessen, sondern diese heilige Handgranate überreichte ich einem Verkäufer für das kleinste und billigste Taschenradio aus chinesischer Produktion. Macht nix. Das Teil hat Mittelwelle und der UKW - Empfang mit den örtlichen Sendern reichte völlig aus um während dem Wandern alles um mich herum zu vergessen. Zum Glück entdecke ich aber einen kleinen aber feinen Küstenort mit einem heimeligem maritimen Becken, auf dessen Rand sitzend ich meine Füsse ins Wasser hielt und fast den ganzen Nachmittag das Radio ans Ohr hielt und mich von der spanischen Moderatorinnenstimme hypnotisieren ließ. Gleichzeitig erledigten ein paar Sardinen die Fußpflege indem sie die ganze Zeit an meiner Hornhaut rumpickten. Der Nachmittag hat mir so gut gefallen, daß ich nach verbrachter Nacht in einem Rohbau am nächsten Tag wieder zum kleinen "Bruchtal" pilgerte um wieder die meiste Zeit mit den Füssen im Wasser kurzerhand noch ein paar weitere Tage unter dem Begriff "Urlaub" dran zu hängen. Das Essen war zwar sparsam, da ausser einem kleinen Markt, der ein bißchen für mich das Obst aussortierte, es nicht viel Möglichkeit zum Betteln gab. War aber alles ausreichend um ein paar Tage FM - Discosound - Ferien zu machen. Am Abend des dritten Tages, die Dämmerung war schon eingebrochen, bauten sich plötzlich ein Holländer, der eine kleine Bar unweit betrieb und zwei - drei seiner Kumpels vor mir auf, gaben mir zu verstehen, daß es ihnen jetzt reicht mit meiner Anwesenheit in ihrer maritimen Idylle und ich zu meiner eigenen Gesundheit diesen Ort besser sofort verlasse. Es war deutlich zu erkennen, daß es da für mich nix zu diskutieren gab. Ich schnappte meine Sachen, verbrachte noch eine unruhige Nacht in meinem Rohbau um am nächsten Tag wieder weiter in Richtung Süden durchzustarten. Schade.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
In all den Wochen habe ich durchgehend schönes Wetter. Mag sein, daß es zwischendurch mal ein bißchen bewölkt war, aber geregnet hat es nie. Bis auf einen einzigen Tag. Da fing es schon morgens an zu nieseln. In ein kleines Dorf an der Küste kommend finde ich dann auch prompt, wie von jemandem extra für mich hingelegt, in einer Müllcontainerecke eine circa 2 Meter mal 3 Meter große Plastikplane, wie sie die Bauern für ihre Wintergärten benutzen. Die nehme ich dankbar an mich und verkrümel mich damit an den Strand. Dort wird unter Zuhilfenahme meines Sonnenuhrstocks damit ein provisorisches Zelt gebaut in dem der Stock direkt neben meiner Matte mit dem Schlafsack in den Sand gesteckt und die Plane über mich gestülpt wird. So verbringe ich den ganzen Tag bis zum anderen Morgen auf Diät gesetzt unter dem prasselnden Zeltdach. Und das durchaus gut gelaunt. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und die Reise geht bei strahlendem Sonnenschein weiter.
Eines Tages komme ich an einem kleinen relativ frisch erbauten kleinen Hotel vorbei. Ich denk mir, geh mal rein und guck was passiert. Vieleicht gibt es ja irgendwelche Essensreste abzustauben oder dergleichen. Ich also rein. Komme in einem Vorraum an eine kleine Hotelrezeption. Niemand ist zu sehen. Vorsichtiges Rufen von mir, aber niemand taucht auf. Erst jetzt sehe ich, daß am Rand des Tresen wie bestellt und nicht abgeholt ein Taschenbuch liegt. Ich rutsche mit meinen Ellbogen aufgestützt ein bißchen rüber um zu sehen ob ich was mit dem spanischen Aufdruck anfangen kann. Verdammt - da liegt ein Taschenbuch mit Coveraufdruck in deutscher Sprache! Man sieht noch eine Roadrunner - mässige Staubwolke von mir und ich bin mit dem Teil, an dessen Autor ich mich leider nicht mehr erinnern kann auch schon wieder auf der N-332. Suppi - endlich mal wieder was frisches zu lesen.
Ich bin nun schon seit Monaten unterwegs und das an einer nicht ganz ungefährlichen viel befahrenen Straße, aber es gab nicht ein einziges Mal irgendwelche Probleme mit vorbeifahrenden Autos. Gott sei Dank. Nur ein einziges Mal, als die Straße eine Abzweigung nahm und in einem leichten Linksbogen schwach anstieg berührte ein vorsichtig beschleunigender PKW mich ganz schwach mit seinem rechten Aussenenspiegel, daß es nicht wie ein Versehen wirkte, sondern schon eher wie ein Gruß. Teu teu teu.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern warum, aber ich war mal wieder im dunkeln unterwegs. Vermutlich war es wieder zu kalt zum pennen. Irgendwann gegen zehn oder elf komme ich in eine kleine Menschenleere Siedlung. Plötzlich kommen drei vier junge Spanier und ein Mädchen um die Ecke und auf mich zu. Sie sind vermutlich alle so zwischen zwanzig und fünfundzwanzig und quatschen mich an. Sie interessieren sich sehr für meine Reise und das was ich zu erzählen habe und ich sehe, daß einer der Typen die Blätchen gezückt hat und dabei ist sein Piece klein zu bröseln. Super - denk ich. Endlich mal wieder in Gesellschaft einen durchziehen. Schade ist nur, daß die kleine Spanierin, die auffallend hübsch ist, darum bemüht ist, mich in keinster Weise eines Blicks zu würdigen. Keine Ahnung warum nicht. Als die Tüte aufgeraucht ist, müssen alle irgendetwas wichtiges zu tun haben, denn so schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch schon wieder verschwunden. Ich stehe noch einen Moment leicht verloren rum, greife dann zu meinem Gepäck und will schon weiter ziehen, als plötzlich sich langsam ein Policia - Wagen nähert und neben mir anhält. Ohne lange mit mir rumzudiskutieren bitten sie mich einzusteigen. Oh Gott - was haben Die jetzt mit mir vor. Gerade schön stoned und jetzt das Theater. Da kommen einem die schlimmsten Gedanken. Genährt durch Fernsehkrimis denkt man da auch daran, daß die mit mir irgendwohinfahren und dann ihren Frust an mir auslassen und mich gnadenlos verprügeln. Als wir ein Stück aus dem Ort raus sind halten sie plötzlich an. Einer der Männer zeigt auf ein etwa fünfzig Meter entferntes altes verlassenes Haus. Sie geben mir zu verstehen, daß ich dort übernachten könne. Ich bedanke mich erleichtert, steige aus und zeige, daß ich mich über die Wiese in Richtung der Bruchbude machen will. Die "Bullenschese" macht sich aus dem Staub. Auf halbem Weg zu der Hütte, bei der ich im Halbdunkel keinen Eingang sehe, sondern nur ein paar dunkle Löcher in Schulterhöhe ohne Scheiben, bleibe ich stehen und kehre zurück auf die Straße. Haben diese Pappnasen von Uniformierten wirklich gedacht, sich mir mit diesem filmreifen Geisterhaus, bei dem ich mich vermutlich noch Indiana Jones - mässig hätte erst mal durch Spinnweben kämpfen müssen und auf Grund der Dunkelheit gar nicht gewusst hätte, was alles für ein Dreck auf dem Boden liegt, mir einen Gefallen zu tun? Dann doch lieber ein weilchen auf der Nationalstrasse weiterlaufen bis ein schicker neuer Rohbau irgendwo zu sehen ist. Eigentlich hätte ich heute Abend lieber "DIE NACKTE KANONE" sehen wollen und keine Steven King - Gruselschose meine Kiffer dieser Welt!
Zur Zeit führt mich die Straße über ein nicht allzuhohes Plateau, bei dem es rechts von mir einige Meter schräg in die Tiefe geht. Auf dieser Schräge hat sich über die Jahre vereinzelt Sperrmüll aller Art angesammelt. An einer Stelle fällt mein Blick auf ein Gestell mit zwei kleinen Plastikrädern. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich, daß es sich dabei um einen Einkaufstrollie handelt, wie ihn ältere Leute für den Supermarkteinkauf benutzen. Das Teil könnte genau das richtige für mich sein, vorausgesetzt die Räder sind nicht irgendwie zu sehr verostet oder sonstirgendwie in mitleidenschaft gezogen. Ich nehme also mein Gepäck von der Schulter, stelle es ab und angel mich etwas unbeholfen über die Leitplanke. Hier rutsche ich mehr als daß ich gehe die zwei drei Meter die Schräge runter um mir das Gestell zu schnappen und kraxel wieder bis zur Straße hoch. Dort wird das, was vom Trolley übrig geblieben ist genauestens inspiziert. Ausser der üblichen geräumigen Einkaufstasche scheint nichts zu fehlen. Auch die Räder sind in Ordnung und drehen sich problemlos. Das Teil ist gekauft. Meine Plastiktüten werden daran befestigt und es kann auch schon den Wagen hinter mir herziehend weiter gehen. Es stellt sich nur sehr schnell heraus, daß der relativ kurze Griff dafür sorgt, daß ich ständig mit den Hacken an dem Trolley anstoße. Das Problem muss irgendwie gelöst werden, denn so, ständig mich danach umdrehend funktioniert das auf Dauer nicht. Irgendwie braucht der Griff eine Verlängerung damit ich damit unverkrampft gehen kann.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Meine noch weiter im Betrieb befindliche Sonnenuhr wird jetzt gebraucht. Diesen Stock befestigte ich mit ein paar Drahtresten an der äusseren Seite des Griffs und schon konnte die Reise jetzt bei weitem unbeschwerter weitergehen. Mit der Zeit wurde durch das Sammeln irgendwelcher am Wegesrand gefundener Gegenstände der Wagen immer schwerer und da die ganze Sache mit den kleinen Kunstoffrädern sich immer schwerer ziehen liess, vorallem wenn die Strecke über mehrere Stunden ging, oder die Strasse gar eine leichte Steigung aufwies, musste auch das Problem irgendwie gelöst werden.
Also in meinem mobilen Keller das Sammelsurium in meinen Tüten durchforstet und eine Leine gefunden. An deren Ende noch eine breitere Schlaufe befestigt, daß sie eine Art Umhängetaschentrageriemen bildete und jetzt das ganze am Trolliegriff befestigt. Die Leine musste jetzt nur noch auf die passende Länge gekürzt werden, daß, wenn ich die Umhängeschlaufe übergestülpt hatte, nur noch mit der Holzstange lenken musste. Die gesammte Zugkraft kam aus meinen Schultern. Jetzt konnte es bequem weitergehen. Mit der Zeit wurden noch ein paar optische Verschönerungen vorgenommen wie lange dünne Stange mit Wimpel, wie man sie gelegentlich bei Fahrrad - Kinderanhängern sieht. Und fertig war mein gedanklicher "Ferrari", mit dem ich ab jetzt immer stolz vor jedem spanischen Cafe vorfuhr.
Entlang der N-332 stapfend erreichte ich gegen Mittag ein Plateau. Ich hatte inzwischen Hunger und es waren keine Häuser zu sehen, also auch keine Bushaltestelle in der Nähe. An den Strand zu kommen wäre zu umständlich gewesen. Ich hatte aber ein paar Tomaten im Gepäck, die klein geschnitten mein Mittagessen werden sollten. Hinter der Leitplanke war inzwischen eine zweite Strasse aufgetaucht, die aber schon bald einfach endete. Die Stelle schien mir durchaus einladend. Nur meinen Trolley und mich selbst mit meiner Ungelenkigkeit darüber stemmen war mir zu viel Aufwand. Ich musste ja auch nur fünfzig bis hundert Meter zurückgehen, denn dort war eine Abzweigung auf der man vermutlich bis hier ans Ende kommen würde. War zwar unmittelbar neben der Hauptstraße, aber das störte mich im Moment nicht. Ich ging also zurück und fand den asphaltierten Weg bis ans Ende. Hier richtete ich mich trotz knallender Sonne mit einem zutechtgeschobenen Stein, der als Sitzunterlage diente ein. Ich legte einen kleinen Tuppertopf vor mich hin und begann die Tomaten klein zu schnippeln. Dabei freute ich mich schon auf den inzwischen von mir selbst gebrühten Pulverkaffee danach, den ich mir ab und zu mit einer leeren Coladose mit Wasser gefüllt und mit einer zurechtgebogenen Regenschirmspeiche in das schnell eingerichtete Lagerfeuer stellte, zubereitete.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Leider kam es ersteinmal nicht dazu, denn während ich in meine Tomatensalatzubereitung vertieft war, höre und sehe ich wie sich auf meinem Seitenstreifen ein Policia - Jeep langsam nähert. Das kann doch wohl nicht war sein, denk ich. Jetzt meinen die mich schon am Mittag aufmischen zu müssen. Ich bereite hier mein Mittagessen zu und wüsste nicht, gegen welches Gesetz ich hier verstoße. Die Herren quatschen mich an, aber ich bin im Moment dermaßen sauer, daß ich beschließe, deren Palaver oder Aufforderung einfach erst mal zu ignorieren. Nach kurzer Zeit, als sie wohl merken, daß das so nichts wird, gibt es auf einmal einen ohrenbetäubenden Knall. Ich blicke leicht erschrocken auf und sehe wie einer der drei Orks eine Pistole in die Luft hält. Gut - denk ich, jetzt scheint der Spass vorbei zu sein und ich kann das mit meinem leckeren Tomatensalat vergessen. Die Jungs schnappen sich meinen "Ferrari" und hieven ihn auf die Pritsche ihres Jeep. Ich darf glücklicherweise auch mitfahren. Fast eine halbe Stunde dauert die Fahrt bis zu ihrem Stützpunkt. Dort angekommen beginnt wieder das Verhör mit der üblichen Fragerei. Ich bin aber immer noch stinksauer über diese ganze überflüssige Aktion, daß ich beschlossen habe, weiter nicht den kleinsten Ton von mir zu geben.
Leider scheinen die Policias mein Schweigen unter "Geistig unzurechnungsfähig" zu verbuchen, denn es dauert dann auch nicht mehr lange und die Herren liefern mich nach einer weiteren längeren Fahrt direkt bei ihrer örtlichen Klappsmühle ab. Na das ist schon'n starkes Stück. Da landet man einfach mal so mir nichts dier nichts in der geschlossenen Abteilung einer spanischen Psychiatrie. Der Aufenthalt ist mir aber aus der Zeit in Deutschland durchaus vertraut. Also schreckt es mich nicht zu sehr ab, mal über den Tag hinweg mit anderen Trübsal blasenden Gestalten über den Flur zu schleichen. Man sollte nur nach meiner Meinung nicht anfangen wollen, sich beim Tablettenschlucken renitent zu Gebärden und die Einnahme heimlich verweigern. Irgendwann fliegt das im Allgemeinen immer auf und dann ist's vorbei mit Lustig was die Pfleger betrifft. Sollte also mal jemand freiwillig oder unfreiwillig in der Psychiatrie landen, halte ich es um ein vielfaches für wichtiger weiterhin mit einem Familienmitglied oder Freund den Kontakt über das Pflegertelefon oder gelegentliche Besuche aufrecht zu erhalten. Gut - ich muss zugeben, daß gerade solch eine Verbindung nicht angesagt war. Das lag aber auch vor allem daran, daß ich auch zum Schluß in Deutschland keinen Kontakt mehr zu Eltern oder Verwandtschaft hatte. Im übrigen gab es meinerseits nicht viel zu meckern. Ich hatte ein bequemes Bett. Drei reichhaltige Mahlzeiten am Tag um die ich mich nicht kümmern musste. Ein Gemeinschaftsfernseher. Fühlte sich eigentlich vorübergehend wie Urlaub an. Nach ziemlich genau zwei Wochen war nach einem kurzen Gespräch mit der Therapeutin mein Aufenthalt beendet und ich durfte wieder weiter ziehen. Problem war nur, daß man nach derartigen Krankenhausaufenthalten immer in neuen Klamotten steckt. Von den alten sieht man nichts mehr. Also keine Tüten mehr und auch der Ferrari-Trolley war weg. Ich konnte also wieder mal bei Null anfangen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Alle paar Wochen kam es for, daß ich nicht nur ein Sandwich bekam, sondern gleich ganz gönnerhaft an einen Restauranttisch gebeten wurde. Ein einziges Mal hatte ich richtig Glück. Da servierte mir eine Strandbarbesitzerin auf einem Teller einen großen gegrillten Fisch mit Beilage. Ich war so dankbar darüber, daß ich am Ende sofort damit anfing, eine Kugelschreiberzeichnung auf Papier vom Kopf und seinen Gräten zu machen und das Blatt dankbar zurück ließ. In den meisten Fällen aber, wenn es von Seiten der Barbesitzer zu solchen Schenkungen kam, war im allgemeinen immer meist irgendetwas Undefinierbares auf meinem Teller, bei dem ich oft das Gefühl hatte, daß man mich einfach nur testen wollte, ob ich als Ausländer das wohl mit Genuss aufessen würde.
Einmal bekam ich wieder einen Schein von einem deutschen Touristen, mit dem ich ins Gespräch gekommen war. Der drückte mir sogar zwanzig Euro in die Hand. Damit marschierte ich stolz in das nächste Strandartikel und Andenkengeschäft und kaufte davon einen billigen Drachen und wieder ein kleines Taschenradio. So ein Drachen, der in der billigsten Version immer ein Einleiner ist, wurde dann, wenn ich keine Lust zu laufen hatte, sondern den Tag lieber am Strand verbrachte an einem mit Sand gefülltem fünf Liter Plastikeimer befestigt und zappelt so auch mal unbewacht über den Tag hinweg an meinem Lager.
Für das Kofferradio hatte ich eine andere Idee. Da das Laufen mit dem Gepäck und gleichzeitiges halten des Radio zu viel Probleme mit sich brachte, baute ich aus einem gefundenen Stück stabilerem Draht ein Gestell. Das hatte über den Kopf gespannt ein Drahtende und ein zweites rückläufiges Ende. Auf der einen Seite bog ich den Draht zu einer eckigen Halterung, in die dann das Radio gesteckt werden konnte, so daß dessen Lautsprecher wie bei einem Kopfhörer direkt an meinem Ohr war. Auf der anderen Seite hatte ich nur nach einem Probelauf gemerkt, daß das so noch alles andere als bequem ist. Dort musste noch irgendetwas zum Schutz hin. Auf einer weiteren Wanderung fand ich dann auch sowas wie einen größeren Gummistopfen, der genau aufs Ohr passte und so die Sache auf der anderen Seite abfederte. Von nun an lief ich stolz mit ausgezogener Antenne und viel Discomusik und unverständlichem spanischem Moderatorinnengescherze auf der N-332 weiter. An einen Strand kommend stelle ich mein Gepäck ab. Ziehe meine Badeschorts an, stülpe mir wieder mein cooles Radiogestell über und fange einen kurzen Spaziergang an der auslaufenden Wasserlinie an. Irgendwie war ich gedanklich wohl zu sehr bei meinem UKW - Sender als mich plötzlich und unerwartet die siebte Welle der Brandung voll erwischt. Die reißt mir mein Radio vom Kopf das auch sofort auf nimmer wiedersehen in der Brandung verschwindet. Puh - die Liebe war kurz aber heftig.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Vor ein paar Tagen meinte eine der Shirley McLane und Paulo Coelho - Flüsterstimmen: "Schreib mal was zu deiner Liebe und Partnerschaft." Ich kann verstehen, wenn es Leute gibt, die sich dafür interessieren und das ganze möglichst noch mit ein bißchen prickelnder Erotik angereichert haben wollen. In meinem Fall ist das aber nicht mal soeben mit einem bißchen oberflächlichen Erzählen getan. Ich kann nur soviel sagen, egal ob die Beziehung nur Wochen oder ob sie Jahre gedauert hat. Es waren immer die Frauen, die sich von mir getrennt haben und nie umgekehrt und ich auch nicht immer erklären könnte warum. Bei meiner letzten Beziehung, in die ich mich 1988 verliebte aber wir nie endgültig zusammen fanden wurde es zum Schluß so heftig, daß es sogar in meinem Suizidversuch endete. Aber an der Stelle war noch nicht Schluß. Die psychischen Langzeitfolgen sorgten dann sogar noch zu mehreren Psychatrieaufenthalten da es am Ende gar zu soetwas wie einer JURASSIC PARK - Geschichte ausartete. Obwohl - irgendwie dachte ich, daß das so mit der Filmreihe, die ich mir immer mal wieder ganz gerne ansehe, passen würde. Aber wenn es noch ein bißchen näher an der Wahrheit sein soll, müsste ich eigentlich, bei dem was mir der Voodoo Anfang der Neunziger meiner Phantasie vorgaukelte, eher noch auf Signoret Wheaver's ALIEN - Filme verweisen. Da warn meine Tage so düster, das möchte keiner erleben. Und ich im Moment auch nicht den geringsten Bock darauf habe, das hier jetzt bis ins Detail auseinander zu klamüsern. Auch wenn das ganze vielleicht der Auslöser meiner ganzen späteren Tragödie war ........ obwohl ........ "Tragödien! .......Die Welt braucht Tragödien!" ........ heißt es zu Beginn bei der Comedia del Arte in irgend einem frühen Asterix und Obelix - Band. Jedenfalls habe ich es dann Mitte der Neunziger Jahre auf Grund meiner Lebenssituation aufgegeben, nocheinmal in meinem Leben als Sozialhilfeempfänger und angehender Obdachloser zu versuchen einen Pamela Anderson oder Carmen Electra - Clone zu erobern. Mir bleibt auf YouTube nur das Hörspiel "CORDOBA ODER DIE KUNST DES BADENS". Ich lebe seit Beginn des neuen Jahrtausend daher aus Überzeugung allein und habe seit dem keinen Tag erlebt an dem ich mich einsam gefühlt hätte.
Eine der kleinen Tragödien auf der N-332 war der tägliche permanente unterschwellige Hunger. Der musste mal wieder in den Griff bekommen werden. In einer kleinen Siedlung mit Einfamilienhäusern, die ich durchquerte entdeckte ich eine Frau im Vorgarten ihres Hauses. Ich steuerte einfach mal auf sie zu um sie mit den paar Wörtern spanisch die ich gerade so gelernt hatte um etwas Essbares zu bitten. Sie zögerte auch nicht lang und verschwand im Haus. Nach einer Weile kam sie zurück und überreichte mir lächelnd eine Plastiktüte, die bis oben hin mit Kleinigkeiten gefüllt war. Ich zog weiter, aber mußte natürlich sofort in Richtung Strand um den Inhalt der Tüte genauer in Augenschein zu nehmen. Das passte auch durchaus, da es schon später Nachmittag war. Dort angekommen fischte ich aus der Tüte Brot, Margarine, Käse, Limonade und gleich mehrere Joghurts. Die gute Frau schien geradezu ihren Kühlschrank leer geräumt zu haben. An diesem Abend gab es noch ein ausführliches Fressgelage, bei dem noch mehr als nur ein Jogurtbecher den Weg in die Mülltüte fanden.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Ist euch meine Leser schon mal aufgefallen, daß in Spielfilmen im Fernsehen der oder die Hauptdarsteller, wenn sie die Handlung nach Spanien führt, fast immernoch am selben Abend durch puren Zufall an ein Lagerfeuer führt, um das ein paar virtuos spielende Gitarreros sitzen und eine Flamencotänzerin eindrucksvoll mit ihrem Gesang die ebenso durch Zufall vorbeikommenden Touristen in ihren Bann zu ziehen weiß? Ich war wohl rund vier Monate an der spanischen Küste unterwegs. Das sind rund hundertzwanzig Abende. An diesen 120 Abenden habe ich solch eine Lagerfeuerromantik aber auch an keinem einzigen Abend auch nur aus der Ferne erahnen können. Daß diese spanische Flagge nicht ein einziges Mal gehisst wurde lässt mich irgendwie fragend zurück. Aber auch bei den spanischen Fußballnationalspielern hatte ich das Gefühl, wenn es der Barfernseher zuließ, daß sie bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer immer irgendwie leicht verschreckt über den Platz liefen und sie nicht genau wüssten, wo sich denn nun Ferdinand der Stier versteckt hält und das ganze Spiel überhaupt nicht die Souveränität von 2026 hatte. Sie schieden dann ja auch schon während der Vorrunde aus. Aus der Sicht von heute kaum vorstellbar.
Irgendwann hinter Malaga, ich kann heute nicht mehr sagen wo genau, hatte ich Glück und bekam wiedermal von einem deutschen Touristen etwas Geld. Diesmal hatte ich aber großes Glück, denn er steckte mir zum Abschied einen fünfzig Euroschein zu. Darüber war ich so dankbar, daß ich erstmal eine ganze Weile überlegte, was ich mir alles davon kaufen könnte. Letztendlich fiel mein Entschluss aber nur auf eine Sache. Ich hatte mich informiert und erfahren, daß das Geld exakt für ein Busticket bis kurz hinter die Spanisch - Portugiesische Grenze reichen würde. Endlich mal in ein paar Stunden mehr als zweihundert Kilometer überspringen nach all dem Gelatsche war einfach zu verlockend. Und da ich keinen Pass mehr hatte, erhoffte ich mir auf die Art beim Grenzübertritt weniger Probleme, als wenn ich so runter gekommen wie ich inzwischen aussah, mich zu Fuss irgendwelchen Grenzbeamten nähern würde. Also die Fahrt ging irgendwann los. Sie dauerte auch mehrere Stunden. Irgendwann näherten wir uns der portugiesischen Grenze. Freie Durchfahrt war nicht. Der Bus musste anhalten. Ein Grenzer in Uniform bestieg den Bus. Er kontrollierte von vorn angefangen den Pass von jedem Reisenden bis auch ich irgendwann an der Reihe war. Ich gab ihm zu verstehen, daß ich keinen hätte. Ohne noch groß eine Pause zu machen, setzte er einfach seine Kontrolle hinter mir fort um am Ende kommentarlos den Bus wieder zu verlassen. Puh - da ham'n wir nochmal Schwein gehabt!
Inzwischen war das Ende des Sommer gekommen und die Nächte fingen an langsam regelmäßig kühler zu werden. Mein Weg führte mich inzwischen stetig nach Norden über die N-120 und N-261 in grobe Richtung Setubal. Eines Abends, es war inzwischen gerade dunkel geworden durchquerte ich sowas wie eine kleine Bauernsiedlung. Von weitem war schon ein relativ großes Lagerfeuer zu sehen. Ich ging in die Richtung, denn die Strasse führte direkt an dem Platz vorbei, wo ein portugiesischer Jugendlicher, so um die zwanzig in einem großen breiten Haufen eine ganze Reihe an Holzbrettern und ähnlichem Gerümpel verbrannte. Er würdigte mich keines Blickes sondern stocherte eifrig in seinem Feuer rum um es gleichmäßig abbrennen zu lassen. Gut - dachte ich mir, wenn du mich nicht zur Kenntnis nimmst, scheint es dich ja wohl auch nicht zu stören, wenn ich mich hier an deinem Feuer noch eine Weile aufwärme. Irgendwann schien seine Arbeit getan und das Feuer hatte inzwischen kleinere Ausmaße angenommen. Er verschwand und ich hatte ohne was dafür tun zu müssen eine wärmende Feuerstelle, die mich durch die Nacht brachte.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Dunkle eckige Schatten in der Ferne kommen immer näher. Die kühle sternenlose Nacht sorgt für einen zügigen Schritt. Die dunklen Siluetten der Türme entpuppen sich als unbelebte dreizehnstöckige Hochhäuser in denen nur zwei Fenster beleuchtet sind wie die Augen eines riesigen Ungeheuers. Am Ende dieser Siedlung, dem Ende von Troja, näher ich mich einem hell erleuchteten Platz. Es ist ein Hafenanleger, bei dem sich anscheinend die gerade zum Auslaufen vertig gemachte letzte Fähre des Tages kurz davor befindet, die Kaianlagen zu verlassen. Ich sprinte los und erreiche noch gerade rechtzeitig das Schiff, dessen Taue gerade gelöst wurden. Einer der Seeleute, der anscheinend der Kapitän ist, fragt mich nach meinem Ticket. Bevor ich es verneinen kann ist er auch schon wieder mit dem Ablegen beschäftigt und ich stehle mich an anderen mich angrinsenden Seeleuten vorbei ins innere der Fähre. Die Überfahrt über die Flussmündung des Rio Sado in dem wie Dokumentationen zeigen, gelegentlich Flussdelphine zu beobachten sind, dauert circa fünfzehn Minuten. Auf der anderen Seite verlasse ich sofort Setubal, die kleine Stadt in die mich in Zukunft immer mal wieder eine Busfahrt führen wird, da es ab jetzt nur noch rund fünfzig Kilometer bis Lissabon sind und ich es kaum erwarten kann, dort anzukommen.
In der Nacht ist am Horizont ein helles Band zu sehen, als ob ich schon in Bälde mein Ziel erreicht hätte. Aber bis zum Morgen schein ich dem ganzen nicht näher gekommen zu sein. Das gleich optische Phänomen spielt sich auch in der kommenden Nacht ab, aber auch dann wurde ich noch nicht erlöst. Der Weg führte mich an einem links zurückliegenden Restaurant vorbei, in dem ich wiedermal nach einem bißchen para comer bat. Die Chefin des Restaurants, die mit ihrem schlesischen Gesicht exakt aussieht wie meine verstorbene Großmutter Martha, spendiert mir ein Sandwich mit einem Glas heißer Galao. Zum Abschied drückt sie mir noch einen zehn Euro Schein in die Hand. Ich bedanke mich glücklich und steuer wieder an der Strasse angekommen sofort die nächste Bushaltestelle an. Mag sein, daß ich vielleicht noch eine Stunde warten musste, aber egal. Ein Bus der mich jetzt bis nach Lissabon bringen würde traf schon bald ein.
Inzwischen hatten wir schon September oder sogar Oktober, ich weiß es nicht mehr und meine Reise hat so lange gedauert, daß ich mir nicht den Spaß nehmen lassen wollte, zu Fuß über die berühmte San Francisco Kopie von Brücke des 25. April zu laufen. Das Datum für die Nelkenrevolution. Der Tag im Leben der Portugiesen, an dem sie sich erst im Jahr 1974 von der faschistischen Diktatur des Antonio Salazar befreien konnten. Daher stieg ich kurz vor der Brücke aus. Vom letzten Geld das ich noch hatte wollte ich mir vorher noch am Rand von Almada eine billige Flasche Rotwein kaufen um diesen Trip ausführlich direkt auf der Mitte der Brücke zu feiern.
Ich näherte mich also mit meinem Gepäck und der darin befindlichen Weinflasche der Brücke und registriere zunehmend, daß es gar keinen Übergang für Fussgänger zu geben scheint. Ich passiere also sowas wie eine Mautstelle für die Fahrzeuge und bewege mich weiter auf die Brücke zu. Inzwischen höre ich irgendwelche Rufe auf portugiesisch hinter mir, aber ich gehe einfach unbeeindruckt weiter. Das wollen wir doch mal sehen. Ich laufe also weiter auf einer Art Gitterrost, das unterhalb der Brücke im Hafengebiet von Alcantara für ein stetiges Hummelgesumme von den Autoreifen sorgt. Die zwei Fahrbahnen neben mir sind aber so schmal und es gibt auch nicht den geringsten Seitenstreifen für Fussgänger, daß das ganze aber auch nicht den geringsten Spaß macht. Das mit dem Wein kann ich völlig vergessen. Ich habe gerade ein Drittel der Strecke geschafft, als ein Jeep neben mir anhält und ein Portugiese, ein Angestellter der Brückenaufsicht mich ins Auto bittet und mich kommentarlos bis auf die andere Seite der Brücke bringt und mich freundlich verabschiedet. Endlich angekommen. Übrigens wird der Bau der Brücke in dem Portugiesischen Film PESADELO COR DE ROSA (Sweet Nightmare) mit Catarina Furtado symbolisch angedeutet. Auf der anderen Seite des Tejo setzte ich meinen Gang in Richtung Zentrum fort. Und wie es in den Büchern von Jose Saramago beschrieben wird, führt es jeden neuen Besucher der aus dem Alentejo zum erstenmal in die Stadt kommt, durch die Rua Augusta über den Rossio bis rauf zum Praca do Marques de Pombal, bevor er umdreht und wieder zurück läuft. So erging es auch mir bis ich für die nächsten Monate einen Übernachtungsplatz hinter einer großen Zeltplane des im Bau befindlichen aber zur Zeit gestopptem Museu de Cera de Lisboa im Hafenviertel von Alcantara fand. Bom dia!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . E N D E
.
.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
Am frühen Morgen kurz nach dem hellwerden im Mai in einer kleinen Telefonzelle in dem kurz hinter der Französisch - Spanischen Grenze liegenden kleinen Küstenort Portbou. In dieser 1Meter mal 1Meter messenden Telefonzelle befand ich mich im Jahr 1998 aber nicht um zu telefonieren, sondern weil ich versucht hatte in ihr halbwegs erträglich die Nacht zu überstehen. Ohne Geld und nur mit einem billigen Schlafsack ausgerüstet war das die einzige schnell zu erreichende Schlafmöglichkeit in Anbetracht der Kühle der Nacht und meiner sperrlichen Bekleidung. Bis hierhin hatte ich es gestern Abend von Toulon mit dem Zug ohne Ticket geschafft. Auf dem Bahnhofsvorplatz empfing mich ein junger Russe mit einer gerade geöffneten Flasche Rotwein und wir kamen mit lediglich zwei Sätzen ins Gespräch. Ich sprach kein Russisch und er kein Englisch. Daher bestanden unsere Dialoge über die ganze Zeit in der wir die Flasche Rotwein leerten aus der Frage "Sa va?" und der zunehmend gut gelaunten Antwort "Sa va bien!". Also erst mal alles spitze soweit. Als die Flasche leer war, war er auch so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. Es war inzwischen schon lange dunkel, kein Mensch mehr auf der Strasse und ich versuchte es mir auf Grund der aufkommenden Kälte mit meinem angeduselten Kopf in der nahen Telefonzelle einzurichten und die Nacht zu überstehen.
Ich war nach dem Leben als Obdachloser auf den Straßen von Niza und dem Übernachten im dortigen Nachtasyl nach einem Monat nicht länger berechtigt dort zu übernachten. Also nahm ich den Zug nach Toulon ohne zu bezahlen. Und von dort einen weiteren bis zur Enstation von Portbou. Ebenfalls ohne Ticket. Das ging zum Glück in beiden Fällen gut ohne das ich kontrolliert wurde. Das ganze war aber trotzdem so nervenaufreibend, daß ich von der Gratiskutschiererei erstmal die Nase voll hatte und mich bewegen musste. Das Wetter war gut und ich hatte Lust zu laufen. Also erst mal raus aus dem Ort und weiter auf der N-260 Richtung Süden. Von hier über Gibraltar bis Lissabon lagen ja nur lächerliche 1.910 km vor mir.
Da ich schon seit Wochen ohne Geld unterwegs war und das Betteln um jeden Cent mir zu schwer fiel, musste ich folglich auf andere Weise zu meinem Frühstückskaffee kommen. Also einfach mal das nächste kleine Cafe das auf dem Weg lag angesteuert, rein und mit gestikulieren und gänzlich ohne Spanischkenntnisse um einen Cafe gebeten. Aber bevor ich überhaupt den Tresen ereicht und der Bedienung richtig klar machen konnte, was ich wollte, schallte mir auch schon ein hektisches "No no no !" entgegen. Also wieder kehrt und weiter in Richtung Ortsausgang. So ganz wollte ich mich aber noch nicht geschlagen geben und daher die Straßenseite gewechselt und im wohl letzten Cafe des Ortes noch einen Versuch gestartet. Und siehe da, hier war man schon bei weitem freundlicher und spendierte mir einen Milchcafe in einem Limonadenglas und dem spanischen Kellner liess sich sogar noch ein "Sandwich" entlocken. Super Start in den Tag. Auch wenn der Belag des Brötchen aus der typisch spanischen Chorizo-Salami bestand, die mir in den kommenden Wochen noch öfter begegnen sollte. Eine Wurstsorte auf die ich bisher nicht stand und ich mich auch in den kommenden Wochen nicht anfreunden können werde. Nachdem der Kellner noch meine Wasserflasche aus dem Wasserhahn auffüllen durfte ging es endlich weiter und aus dem Dorf raus in Richtung Süden.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Was das Trampen betrifft, sind meine Erfahrungen aus Deutschland ausgesprochen sparsam. Der letzte Versuch war der, dass ich mit einem Kumpel mehrere Stunden am Ortsausgang stand und wir uns immerwieder abwechselten, den Daumen rauszuhalten, aber keiner halten wollte. Nach ein paar Stunden gaben wir dann auf und liefen beide frustriert wieder nach Hause. Das ganze war immer noch in meinem Hinterkopf präsent, daß ich erst gar keine Lust hatte, es hier in Spanien auch zu versuchen. Eventuell Stunden am Straßenrand zu verbringen um dann eventuell doch mitgenommen zu werden, aber das vielleicht nur ein paar Kilometer bis zum nächsten Dorf erschien mir einfach nicht erstrebenswert. Und so machte ich mich daher einfach mit meinem Bündel auf den Weg.
Wir Deutschen bekommen schon relativ früh eingetrichtert, daß man, wenn man eine Straße entlang geht, dies immer auf der linken Seite macht. Nur hatte ich auch in der Vergangenheit im Fernsehen einen Bericht aus ich weiß nicht mehr welchem Land gesehen, wo man sich über die deutschen Touristen gerade über diese Angewohnheit aufgeregt hatte. Mich daran erinnernd wechselte ich auf die rechte Seite der Fahrbahn. Das war jetzt auch bei weitem stressfreier. Für mich als Fussgänger, der jetzt nicht mehr jeden auf sich zu kommenden LKW bis zuletzt anstarrt. Und für die Autofahrer vermutlich genau so, die sich jetzt nicht mehr fragen müssen, ob der auf sie zu kommende Wanderer auch wirklich seine Richtung beibehält. Erst recht, dann wenn es dunkel wird kommen einem auf der rechten Seite keine blendenden Autos entgegen, die einen aus der Richtung bringen können. Ab jetzt standen mir für meinen täglichen Weg ein weisser Seitenstreifen von ca 15 Centimetern plus einem halben Meter zusätzlich asphaltiertem Seitenstreifen zur Verfügung. Auf diesem schmalen Corridor sollte sich im wesentlich mein zukünftiges Leben abspielen.
Die Sonne schien. Am Himmel Schleierwolken und angenehme Temperatur zum Wandern. Der Weg mäandert aus Portbou hinaus an der abschüssigen Küste bergauf. An dieser Stelle ist wichtig zu wissen, daß wir im Moment, wenn ich das hier alles niederschreibe das Jahr 2026 haben. Ich aber über eine Reise aus dem Jahr 1998 berichte. Das ganze liegt also 28 Jahre zurück. Hätte ich damals Notizen gemacht, wie ich es bei meiner dreiwöchigen Lissabonfahrt und der London-tagesfahrt gemacht habe könnte ich damit heute vermutlich ein Buch über diese Wanderung, die irgendwann im Mai in Portbou begann und irgendwann im September - Oktober in Lissabon endete, schreiben. Aber nach achtundzwanzig Jahren gänzlich ohne die kleinste Notiz wird es wohl nicht viel mehr als eine Kurzgeschichte mit Überlänge. Von allem Erlebten habe ich vermutlich nicht mal mehr ein Prozent als Erinnerung zur Verfügung. Das erleichtert den Schreibfluss nicht gerade. Aber ich mach trotzdem erst mal weiter.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Ein Feldweg einem leise plätscherndem Bach folgend entlang an Wiesen auf denen zwischen leuchtend gelben Löwenzahnblüten verträumt schwarzbunte Kühe grasen vorbei an hüfthohen Roggenfeldern und dann durch einen Buchenwald in dessen grün belaupten Ästen sich das Sonnenlicht bricht während in der Ferne schwach ein Kuckuck zu hören ist war meine Wanderung gerade nicht. Zu meiner linken rauschten abwechselnd PKW's und immerwieder LKW's vorbei, daß ich zu Beginn Mühe hatte das Gleichgewicht zu halten und immerwieder in den sandigen Seitenstreifen abrutschte. Kilometer um Kilometer wurde es aber allmählich besser und mein Tritt wurde sicherer. Man gerät zunehmend in eine Art Trance und fängt an die Autos nicht mehr zu hören und vor sich hin zu träumen. Die Kondition war zur Zeit noch nicht die Beste und daher war ich immer dankbar, wenn mal wieder eine Bushaltestelle auftauchte, bei der ich mich ein paar Minuten ausruhen konnte. Vorausgesetzt sie war auch mit einer Bank ausgestattet. Das Übel war, daß ich zum damaligen Zeitpunkt noch Raucher war. Aber schon seit Wochen ohne Geld durch die Welt reiste. Folglich beschränkten sich meine Kippen auf von Autofahrern achtlos weggeworfene Zigarettenreste und was man halt so am Straßenrand findet. Eventuell hat man auch mal, wenn einem ein qualmender Spanier begegnet und man ihn um eine Zigarette bittet Glück und seine Schachtel ist nicht gerade wiedermal ganz zufällig leer. Das funktionierte natürlich nur in Ortschaften, wo ich dann meist auch gleich das erste kleine Cafe ansteuerte um für einen Cafe con leche zu Betteln.
Für etwas Essbares wartete ich meist bis zum nächsten Cafe. Wenn ich dann dort für ein bißchen Comer bettelte, war so gut wie immer die Antwort die obligatorische Frage: "Un Sandwich?" Wenn man so wie ich auf das Wohlwollen anderer angewiesen ist, ist man schon dankbar, wenn man ein trockenes Brötchen bekommt. Da kommt man nicht auf den Gedanken zu sagen: "Ne Paella bitte und vorab ein Süppchen mit anschließendem Schokoladenpudding mit Vanillesauce." Da antwortet man dankbar "Si - un sandwich !" Das Problem ist nur, daß man am Anfang noch nicht genügend Erfahrung hat und sich durch ein häufig vorkommendes "No" zu schnell frustrieren läßt und es dann eventuell nicht weiter versucht, sondern mit knurrendem Magen weiterläuft oder sogar damit sich am Abend in den Schlafsack verkriecht. Erst mit der Zeit und den fortschreitenden Wochen wurde mir klar, daß man von vornherein bereit sein muss auch ein "Nein" zu akzeptieren. Und wenn's weniger gut läuft auch beim zweiten Cafe ein "Nein" hinzunehmen. Und wenn's ein wirklich beschissener Tag ist, wird's eben erst im vierten Cafe was. Aber dann gleich mit Milchcafe plus Sandwich. Zum Glück gibt es an so einer spanischen Nationalstrasse diese kleinen Cafes in denen man meist auch eine Kleinigkeit essen kann am laufenden Band und werden vor allem zur Mittagszeit von den LKW - Fahrern rege besucht. Das ist eben das Problem. Die Gesundheit ist für die kommenden Wochen auf Sparflamme gesetzt, denn ab jetzt wird sich die Ernährung im wesentlichen nur um dieses Gedeck drehen.
Da ich schon seit Urzeiten gewohnt bin einen Mittagschlaf zu machen ist auch hier auf der Nationalstrasse ab Mittag nicht mehr viel mit mir anzufangen wenn ich mich nicht mindestens eine Stunde hingelegt habe. Auf Bushaltestellenbänken oder Parkbänken kleiner Küstenorte ist das natürlich nur mit Mühe möglich. Vor allem läuft man da Gefahr, runterzuplumsen und ungebremst erst beim Aufschlagen wach zu werden. Extrem ätzende Art aufzuwachen. Wenn es sich machen lässt, schlage ich mich seitlich in ein Pinienwäldchen oder sonstiges Buschland. Es gibt hier in Spanien dann ein spezielles Problem, das versucht einen beim Dösen die Ruhe zu nehmen. Nämlich die berühmte spanische Fliege. Ich meine jetzt nicht das mittelalterliche Foltergerät, sondern das Insekt. Am Anfang glaubt man es kaum wie diese gewöhnliche Stubenfliege sich von unserer deutschen unterscheidet. Das Viech fliegt einem permanent mit einer Aggressivität in Richtung der Nase daß man es nur schwer erträgt. Ohne einen Schutz ist das sogut wie nicht auszuhalten. Nur mit einem Tuch über dem Kopf kommt man dann am Mittag ein wenig zur Ruhe.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Da sich die Strasse über die hügeligen südlichen Ausläufer der Pyrenäen schlängelt, ist zur Zeit ein Abstecher an die Küste noch zu umständlich. Und ohne ein Zelt zu übernachten ist zwar auf Grund des anhaltend guten Wetters kein Problem, aber da sich in diesen mediterranen Gegenden immer ein Rohbau findet, an dem noch tagsüber gearbeitet wird oder aber dem Erbauer vorüber gehend das Geld ausgegangen ist, verkrieche ich mich immer gegen Abend in solch ein Gebäude um die Nacht zu überstehen. Am Morgen sollte man sich wegen eventuell auftauchender Arbeiter nur nicht zu viel Zeit lassen. Ärger gibt es in solchen Situationen nie, aber dämlich angeglotzt wird man schon wenn man sich dann plötzlich morgens aus einem Zimmer kommend an den Arbeitern verlegen vorbeischleicht. Einen Zimmermannshammer hat mir jedenfalls nie einer hinterher geschmissen.
In Deutschland hatte ich da zum Schluß schon größere Probleme. Anfang 1997 hatte ich dort in einem Einfamilienhaus im zweiten Stock eine teilmöblierte Einzimmer - Dachgeschosswohnung bezogen. Mit dem Vermieterpärchen fortgeschrittenen Alters verstand ich mich auch recht gut, daß sie alle paar Wochen immer mal wieder bei mir auf einen Kaffee reinschneiten. Zu der Zeit hatte ich die Angewohnheit auf einem Stövchen immer eine Kanne Tee vor sich hin ziehen zu lassen. In den ersten Wochen hatte ich noch nichts bemerkt. Aber nach ein paar Monaten musste ich plötzlich feststellen, daß sich von den täglichen Teelichtern zum warmhalten der Teekanne eine kleine stetig zunehmende Rußschicht auf der vom Vermieter zuvor neu tapezierten Tapete gebildet hatte. Und promt in den Tagen in denen ich das feststellen mußte, kündigten sich auch wiedermal mein Vermieterpärchen an. Und kaum dass ich die Beiden reingebeten hatte, war ich auch schon mehr oder weniger fristlos vor die Tür gesetzt. Zu allem Glück tauchte ich weiß nicht mehr warum die Polizei auf mit einem "fliegenden" Richter. Der verpasste mir ohne lange Diskussion einen Betreuer. Ich sagte noch dem Richter: "Das hört sich ja wie eine Entmündigung an !" Der Richter antwortete nur kurz und teilnamslos: "In Deutschland gibt es keine Entmündigung mehr." Was für ein Etikettenschwindel!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Na - jedenfalls hat der Betreuer vom Typ frisch der Uni entsprungener Soziologe sich darum gekümmert, daß ich eine neue Zweizimmerwohnung in einem billig erbauten fünfziger Jahre Mehrfamilienhaus mit dünnen Wänden bekam. Das neue Problem war nur, daß immer wenn er mir zum Monatsbeginn meine Sozialhilfe ausgezahlt hatte, ich nichts mehr von ihm gehört habe. Das bedeutete, daß ich weiterhin einen Herd in der Küche hatte, der nicht angeschlossen war und ich mir von einer älteren Untermieterin einen kleinen Gaskocher leihen musste, um wenigstens ab und zu eine Dosensuppe kochen zu können. Überall standen noch unausgepackte Umzugkartons rum. Auch das wichtigste in meiner Wohnung, meine umfangreiche Stereoanlage konnte ich nicht ohne Hilfe aufbauen und anschließen. Das hatte zur Folge daß ich auch um lauter Musik zu hören, meine Kopfhörer nicht benutzen konnte. Also war der Fernseher mit seinen Viva und MTV - Programmen aber ohne Kopfhörerbuchse die einzige Möglichkeit Musik zu hören.
Ein zusätzlicher Kostenfaktor der damaligen Zeit waren meine gelegentlichen Haschisch - Käufe. Diese sorgten zusätzlich dafür, daß ich immer öfter zum Monatsende kein Geld mehr hatte und folglich auch nichts mehr zu essen und die letzten Tage gehungert wurde. Hinzu kam, daß ich mit meinem bekifften Kopf auch mal lauter Musik hören wollte. Das brachte wiederum meinen Übermieter, ein Grieche vom Typ "Attentasopfer" aus der Pariser Metro des Wim Wenders - Film "Der amerikanische Freund" auf den Plan. Der ließ es sich nicht nehmen, mir immerwieder mal den Strom abzuschalten. Für mich war das noch kein so großes Problem, nur wollte ich meinen blauen Kongosalmlern keine kalte 100 Liter Wohnung zumuten und musste also wiedermal in den Keller. Versuchte gerade vor dem Kasten stehend meine Sicherung ausfindig zu machen als ich noch gerade einen Schatten war nehme und ein Knüppel unerbittlich und wiederholt auf mich eindrischt. Meine einzige Angst in diesem Moment war, daß er mich so zusammenschlägt, daß ich hier im Keller liegen bleibe und mich so schnell niemand findet. Zum Glück kann ich mich aber nach einer Weile aufrappeln und mich in meine Wohnung schleppen. Von da an gabs nur noch einen Gedanken für mich: "Ich muss raus aus dieser Wohnung. Muss raus aus diesem Ort. Und muss auch raus aus diesem Land." Also in einer der nächsten Tage Tasche gepackt. Tieren noch eine letzte Ration in der Hoffnung daß sich in absehbarer Zeit jemand um sie kümmert. Schlüssel in den Briefkasten und vom letzten Geld ein Zugticket bis Paris gekauft. Wies dort weiter gehen soll wird man sehen. Was aus allem Zurückgelassenem wurde habe ich nie erfahren.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
April 1998 in Paris. Ella (Fitzgerald) und Louis (Armstrong) schwärmen ja gewaltig von "April in Paris". Und wer noch nie im April in Paris war, spürt spätestens nach dem Hören ihrer Platte, hier sowas wie eine "Summertime" verpassen zu können. Der Witz ist nur, daß die beiden vermutlich einen sichtbarlichen Grund hatten, für den Rest des Monats das Hotelbett nicht mehr verlassen zu müssen. Ich muss es hier leider allen Jazz interessierten sagen: Der April in Paris ist vermutlich der verregnetste von allen Monaten! Das ist sowas von ätzend! Nach meiner Ankunft und mehr oder weniger blank suchte ich auf einer Informationstafel nach einem Touristeninfo - Signet. Ausfindig gemacht machte ich mich auf den Weg dorthin. Die freundliche Dame kreuzt mir eine Stelle auf dem Stadtplanleporello an, wo sich ein Nachtasyl befinden soll. Noch relativ zentral in Paris findet sich in einer unscheinbaren Nebenstraße ein schmukloser ausgebauter Schuppen vor dessen verschlossenem Eingang schon ein paar Typen rumlungern.
Um 18 Uhr wird die Tür von einem breitschultrigen Türsteher geöffnet. Einem Kontrolleur müssen wir unseren Ausweis vorlegen der sich unsere Daten notiert um ganz reingelassen zu werden. Es gibt Räumlichkeiten mit billigen Etagenbetten aus Stahl. In einem großen Aufenthaltsraum finden sich alle ein zu einem Abendessen. Die Übernachtung ist unproblematisch. Jeder kümmert sich um sich selbst und lässt den Nachbar in Ruhe. Am Morgen wird man um sieben geweckt und muss sich beeilen um unbeschwert einen Platz im Frühstücksraum zu bekommen, wo ich ab hier jeden Morgen den leckersten Milchcafe meines Lebens genießen werde und immer nochmal los muss um mir eine zweite Kelle in meine henkellose Schale von Tasse füllen zu lassen. Nach dem Frühstück müssen wir 50 bis 80 Leute, meist mittleren Alters mit vielen aus den ehemaligen Ostblockländern das Gebäude verlassen.
An einer Bushaltestelle mische ich mich von nun an jeden Morgen ohne Geld, folglich ohne Ticket unter die Fahrgäste und fahre ins Zentrum In Richtung Centre Pompidou um mich dort in einen grossen Raum im Kellergeschoss einer dortigen Bibliothek zwischen vielen Studenten vor dem allgegenwärtigen Regen zu retten. Während vor und hinter mir und neben mir Studenten still über Kollegeblocks und Büchern hängen, weil wir noch in einer Zeit leben, wo Notebooks noch nicht allgegenwärtig sind, habe ich meinen Kopf auf der Tischplatte platziert und döse mich der plötzlich aufkommenden Müdigkeit hingebend in Richtung Mittagessen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Meine lieben Leser, ich muss an dieser Stelle mal ein bißchen den Stadtschamanen raus hängen lassen. Natürlich ohne rythmisches Trommeln und ohne monotone Gebetsformeln. Eher so ein bißchen Joseph Beuys - mässig vor die Füße geknallt. Was ihr mit dem Gesagten macht, bleibt euch überlassen.
Ohne es zu wissen stellt sich immer die Frage bei dem was ihr gerade konsumiert ob es "gebremst" ist, oder ob es "beschleunigt". Also was ihr gerade esst, trinkt oder raucht. Wenn man wach bleiben will trinkt man entweder Kaffee oder Cola. Und wer seinen Herzrythmus so richtig zum schwitzen bringen will greift zu Red Bull oder sonstigem Energie Drink. Und wie isses am Abend? Ich meine jetzt nicht den Gang in die Disco. Ich bin inzwischen schon ne ganze Ecke älter, daher denke und frage ich nach dem Verhalten beim Fernsehgucken und anschließendem Schlafengehen. Da gehen nämlich im Allgemeinen die Probleme los. Da gibt es nicht wenig Leute, die dann stundenlang wach liegen und sich frustriert laufend von der einen auf die andere Seite drehen. Der letzte Ausweg ist dann oft die vom Arzt verschriebene Schlaftablette. Und die kann einen, wie ich aus Zeiten meiner "dunkelsten" Erfahrungen weiß, einem zwar regelmäßig abends den Knock Out verpassen, einen aber dafür jeden Morgen nicht sanft aus dem Schlaf ins Wachwerden gleiten lassen, sondern promt einen jeden Morgen mit einem Erschrecken erwachen lassen. Mit einem absoluten Alptraum startet ihr dann jeden Morgen in den so schon "sonnenlosen" Tag. Echt ätzend. Und so war das mal ein paar Morgende lang mit den vom Arzt verschriebenen Schlaftabletten. Dann doch lieber wach bleiben.
Die beiden ungesunden Extreme, Energie Drink und Schlaftablette sollen hier aber nicht Thema sein. Mir geht es um die in allen Lebensmitteln steckenden grundsätzlichen Richtungen der belebenden oder beruhigenden Wirkung. Ich musste auch erstmal über vierzig werden und auf den Straßen von Lissabon leben, um dahinter zu kommen, daß unsere gesamte Ernährung auf diesen zwei Polen aufbaut. Und ich habe bis heute (2026) weder etwas zu dem Thema gelesen, noch im TV oder Internet etwas dazu gehört. Das wundert mich schon ein bißchen, wenn ich an all die vielen Ärzte und Wissenschaftler dieser Welt denke.
Wenn man auf der Straße lebt und das tägliche Standardgetränk keine Flasche Rotwein ist, ist man schon ein wenig von öffentlichen Brunnen abhängig. Zum Glück mangelt es nicht davon in warmen Gegenden wie Portugal. Nach dem ersten halben Jahr auf Lissabons Straßen und nächtigen unter einem überdachten Gebäudekomplex im Hafenviertel von Alcantara verließ ich Lissabon sichtlich ausgemergelt, da inzwischen aus Frust nichts erbettelt zu bekommen so manches Mal erst gar nicht meine Schlafstelle verlassen hatte und lieber hungrig liegen geblieben bin. Am Strand hinter Fonte da Telha machte ich es mir mit einer den Strand entlang geschleiften ausrangierten Matratze gemütlich. Eine ganz in meiner Nähe entspringende Quelle war der Grund für die Wahl des Platzes. Das Trinken war somit gesichert und das Essen würde sich schon mit Betteln am Strand irgendwie ergeben. Mit geschenkter Sardine vom täglichen Strassenmarkt tat es das dann auch.
Mein gesunder Schlaf und das tägliche problemlose Einschlafen fielen mir am Anfang noch gar nicht auf. Erst als nach einem halben Jahr das Wetter schlechter und die Regentage öfter wurden und wegen ausbleibender Strandbesucher ich wieder in einen Ort musste, um nicht zu verhungern, bemerkte ich den Unterschied von meinem Quellwasser der Vergangenheit zum neuen Brunnenwasser von Costa da Caparica. Von jetzt an war erst mal Schluß mit zeitigem Einschlafen. Da ich in dieser Anfangszeit auch noch Raucher war, stellte ich auch einen Unterschied der verschiedenen Zigarrettenmarken fest. Schon zu Jugendlicher Zeit hatte ich Probleme mit dem Einschlafen. Bis mir meine damalige Freundin eine andere Tabakmarke empfahl, der, hätte sie gelesen, gesünder sein soll. Zu der Zeit brachte ich natürlich meine Einschlafprobleme nicht mit dem gewählten Tabak in Verbindung. Erst viel später erkannte ich den Zusammenhang des problemlosen Einschlafen mit der neuen Tabaksorte meine Gizeh - Jongleure.
Und wenn man auf der Straße vom täglichen Betteln lebt und dazu auch noch Raucher ist, lautet die erste Frage nicht nach ein paar Cent für ein Brötchen oder einem Gratiskaffee, sondern die erste Frage an die ersten Passanten die einem nach dem Aufstehen begegnen lautet, ob sie eine Zigarette für einen hätten. Und dann frag nicht nach Sonnenschein wenn dir gleich mehrere offensichtliche Raucher nach einander ne leere Packung hinhalten und sie gerade die letzte rauchen würden. Und wer hebt eigentlich eine leere Zigarrettenpackung auf? Sowas kann dann ganz plötzlich unangenehm ausarten und mit Handy im neuen Jahrtausend ist man wegen so einem idiotischen Zigarrettenproblem dann auch mal ganz schnell umringt von ein paar Uniformierten. Das alles hat dann dazu geführt, daß ich mir irgendwann in Lissabon das Rauchen abgewöhnte.
Und so wie das mit dem Tabak oder den Zigaretten ist, so verhält sich das auch mit den unterschiedlichen Mineralwassersorten. Da gibt es belebende, wie zum Beispiel GEROLSTEINER mit dem grauen Verschluss und beruhigende wie VILSA in der dunkelblauen Flasche mit dem dunkelblauen Verschluss.
Und so wie sich das mit allen Getränken dieser Welt verhält, so ist es auch mit der Nahrung. Nur da wir eine größere Kombination von allem zum Frühstück oder später zu uns nehmen, ist nicht von vornherein sicher zu sagen, worauf es hinaus läuft. Ich als erfahrener Sozialhilfeempfänger bin natürlich ein geübter Mittagsschläfer. Und da man sich beim Mittagschlaf schon sehr bald nach dem Essen hinlegt, merke ich ziemlich schnell, ob ich unruhig mit zappeligen Beinen daliege und nach einer knappen Stunde eher genervt wieder aufstehe, oder entspannt vor mich hindöse und nach ca anderthalb Stunden lieber noch liegen bleiben würde. Wenn man aber nach dem Mittagessen noch weiter arbeiten muss ist schon klar, daß man da eher wach sein sollte.
Wer also nicht zu viele Probleme am Abend mit dem Einschlafen haben möchte, sollte schon ein bißchen darauf achten, was er vor dem zu Bett gehen isst, trinkt oder raucht. Aber Vorsicht! Das braucht Zeit. Wer anfängt in zu vielen Töpfen gleichzeitig zu rühren wird nicht schlauer sondern konfus. Jedenfalls gibt es von jedem Produkt eine beruhigende und belebende Version. Egal ob Wasser, Brot oder Kartoffel. Darum wundert mich das auch heute nicht mehr, wenn es zu Schul oder Studienzeiten Phasen gab, wo ich vermutlich wegen einem falschen Frühstück regelmäßig drohte einzuschlafen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Obdachlos in Paris und ohne einen Pfennig Geld in der Tasche ist eine völlig neue Lebenserfahrung um die ich früher immer gebetet habe sie nie machen zu müssen. In jüngeren Jahren haben mich solche Leute und ihr Leben nie interessiert. Nur gelegentlich haben sich die Wege von Obdachlosen mit meinen gekreuzt, wenn mal wieder einer dieser Looser an der Tür klingelte und meine Mutter immer bereitwillig solchen durchziehenden Leuten ein paar Mark gab. Mein Vater antwortete uns dann immer regelmäßig wenn wir zurück ins Wohnzimmer kamen: "Wie könnt ihr nur so einem was geben....!"
Paris - eine Stadt mit Kultur an jeder Ecke, ist aber nur dann toll entdeckt zu werden, wenn man auch Geld in der Tasche hat. Ohne Geld und ohne Sonnenschein lebt man irgendwie, aber es könnte auch ein ganz anderer Ort sein. Das ganze Denken dreht sich nur noch um die Frage des kommenden Essen und der Frage nach der nächsten Übernachtung. Für Kunst und Kultur ist da kein Platz mehr. Inzwischen habe ich einen Ort in der Stadt ausgemacht, wo es etwas umsonst zum Mittagessen gibt. Dort find ich mich immer ein. Seit ein paar Tagen in denen ich dort bin fällt mir eine auffallend gut aussehende Blondine auf, die sich im schon fortgeschrittenen Alter befindet und zu den ehrenamtlichen Angestellten zwischen den Nonnen gehört und einem das Tablet füllt. Die macht so einen Eindruck auf mich, daß ich in meiner sogenannten Freizeit auf ein Stück Papier mit einem Kugelschreiber ein Portrait von ihr aus der Erinnerung mache um es ihr am nächsten Tag zu schenken. Am Mittag des nächsten Tages bin ich wieder bei besagter katholischer Essensausgabe, doch die Schönheit ist nirgens zu sehen. Und das ab hier auch an den darauffolgenden Tagen nicht mehr. Schade. Mir nochmal meine Zeichnung ansehend kommt mir plötzlich ein Gedanke: "Verdammt - War das etwa Ursula Andress?"
So vergehen die erste Woche und auch die zweite Woche ohne das sich in meinem Tagesablauf irgendetwas ändert. Keinen Spaziergang über die Champs Elysees. Keine Wanderung über Montmartre oder in Richtung Eiffelturm. Kein Centre Pompidou Museumsbesuch. Und logischerweise auch kein Louvre. Was den betrifft, hatte ich noch den letzten Besuch mit meiner damaligen Freundin in Erinnerung. Durch endlose Gänge und Säle kommen wir nach Stunden in einen kleineren Saal. Ich sage zu meiner Freundin: "Du - ich kann nicht mehr. Ich hab auch Hunger. Lass uns abhauen. Im Moment kleben sowieso lauter Japaner vor der Glasscheibe der Mona Lisa. Mir reichts."
An einem der Morgende habe ich plötzlich so einen Idiot in etwa meinem Alter am Frühstückstisch mir gegenübersitzen, der mit irgendeinem Tick anfängt mir gewaltig auf den Wecker zu gehen. Ich spreche ihn auf englisch an, aber er stellt sich taub und reagiert überhaupt nicht auf mich, sondern terrorisiert mich unbeeindruckt weiter. Ich bin so genervt davon, daß das ganze zu einer Handgreiflichkeit eskaliert. Der Türsteher kommt und trennt uns beide und verweist mich der Räumlichkeiten. Da ich mir keine Hoffnung zu machen brauchte, daß er den Vorfall bis zum einchecken am Abend wieder vergessen haben könnte, musste folglich eine Alternative zu dieser triesten verregneten Stadt her.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Der einzige erträgliche Ort zu dieser Jahreszeit konnte sich wenn dann nur irgendwo an der Cote d'Azur befinden. Aber dort ohne Geld möglichst zügig hin zu kommen war nicht so einfach. Also machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof Gare de Lyon. Dort angekommen studierte ich die Anzeigetafel der Abfahrtszeiten der Züge. Es gab hier tatsächlich einen Zug, der am Abend startet und nonstop am nächsten Morgen in Toulon ankommt ohne auch nur einmal zu halten. Wäre eigentlich genau das was ich jetzt bräuchte. Wenn er durchfährt ohne zu halten, kann ich mir nicht vorstellen, daß er da bei einem deutschen Schwarzfahrer eine Ausnahme machen würde und wegen mir nach dem Verlassen des Bahnhof in die Eisen geht und mich rausschmeißt. Das Problem war nur, die Nerven zu behalten und möglichst unbemerkt an den am Bahnsteig wartenden Bahnbeamten und Schaffnerinnen vorbei in einen der Waggons zu kommen ohne von ihnen beim Einsteigen ausgebremst zu werden.
Die Abfahrtszeit war gekommen. Mein Pulsschlag hämmerte und meine Atmung war alles andere als entspannt. Zwei - drei Minuten vor der angegebenen Abfahrtszeit begab ich mich zügigen Schritts auf den Bahnsteig des Sackbahnhofs, ging forsch an den Beamten vorbei und erreichte eine unbewachte Tür einer der Waggons. Kaum das ich drin war kommt auch schon ein junger Mann annähernd in meinem Alter direkt hinter mir rein. Er spricht mich auf englisch an. Wir kommen ins Gespräch und er erklärt mir, daß auch er ohne Ticket an die Cote deAzur reisen wolle. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie entspannend diese Worte für mein vegetatives Nervensystem waren. Der Zug fuhr auch schon los und der Typ packte sofort seinen Tabacksbeutel mit dem übergrossen Zigarettenpapier aus und baute uns ganz relaxed erst mal'n Joint, den wir abwechselnd durchzogen. Es dauerte dann auch gar nicht mehr so lange und ein Schaffner, der seine Runde drehte fragte nach unseren Tickets. Wir beide verneinten. Der Beamte fragte nach unseren Pässen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich noch einen und wir gaben sie ihm. Ohne viele Worte zu machen nahm er sie und ging in die Richtung zurück aus der er gekommen war. Nach ca einer viertel Stunde kam er zurück. Händigte uns wieder die Pässe aus und nahm mich mit den Waggon entlang. Mir schwahnte schon schlimmes. Aber der Mann führte mich in ein Abteil. Zeigte auf eins der Etagenbetten und gab mir zu verstehen, daß ich das bis zum Morgen benutzen dürfe. Boha - das konnte ja gar nicht besser laufen. Ich legte mich auch sofort hin und geriet mit meinem angeduselten Kopf auch schon bald in einen entspannten Tiefschlaf.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Nach einem tiefen traumlosen Schlaf wache ich auf. Es ist hell. Der Zug steht und ich schaue in den Gang. Verdammt - der Zug steht nicht nur. Er ist abgestellt. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Wieso weckt einen hier keiner oder geht zur Kontrolle nochmal durch alle Abteile? Ich angel mich aus dem zum Glück offenen Waggon. Die Sonne blendet. Der Himmel in leuchtendem blau. Überall wo man hinsieht grelle leuchtende Farben. Nach dieser Parieser Tristesse wird man geradezu von einer Buntheit erschlagen. Zum erstenmal kann ich verstehen warum die Expressionisten hier mit Farbe nur so um sich geschmissen haben. Ich suche den Weg über die Gleise zurück in den Bahnhof von Toulon. Irgendwelche siebziger Jahre Filme ziehen mich weiter in Richtung Nizza. Inzwischen das Schwarzfahren geübt besteige ich ohne noch lange zu überlegen einen Regionalzug nach Nizza. Die ganze Zeit fährt der Zug am Meer entlang, das mit seinem leuchtenden blau wie hypnotisch wirken könnte. Ich bin nur weiterhin alles andere als entspannt. Nach hundertfünfzig Kilometern erreiche ich mit dem Rest der Krawatten tragenden Berufspendlern und vereinzelten Touristen meinen Zielort ohne dass irgendwann ein Schaffner zu sehen war.
Hier führt mich mein Gang als erstes wieder zur Touristeninfo und von dort mit einem abgespeckten Faltblatt von Stadtplan zu einem örtlichen Nachtasyl. Dort empfängt uns am Abend hinter einem Schalter mit Holzverschlag und Trennscheibe wie ein altertümlicher Fahrkartenschalter weit unten sitzend ein dicker Mann mit Brille und tiefer krächzender Stimme. Dieser Typ von bischöflicher Erscheinung flankiert von zwei Padres im Stiel zweier Messdiener lässt sich von jedem Ankömmling höchstpersönlich den Pass durch eine kleine Öffnung in der Scheibe durchschieben. Nach einer kurzen Begutachtung und Notiz in seinem großen Wirtschaftsbuch bekommen wir ihn zurück und haben eingecheckt. Diese Prozedur wird sich von nun an die folgenden Tage jeden Abend wiederholen. Die Räumlichkeiten scheinen sich, von den Etagenbetten einmal abgesehen, nicht sehr verändert zu haben seit dem Film THE KID mit Charly Chaplin. In den nächsten Wochen wird sich mein Leben in Nizza nicht sonderlich von dem in Paris unterscheiden. Der einzige Unterschied ist das tägliche strahlende Wetter, daß das Warten auf die Essensausgaben und den Schlafplatz erheblich erleichtert. Ich mache mir fast jeden Tag die Mühe um eine steile Treppe hinauf zum 50 Meter höher gelegenen Parc du Chateau zu machen und um hier über den Dächern von Nizza im Gras vor mich hinzudösen oder den in der Nähe trainierenden Jungs beim Baseball zu zusehen. Nach einem weiteren Monat ist der Spass vorbei. Denn länger als vier Wochen darf man sich nicht in Frankreich in einem Nachtasyl aufhalten. Wenn, dann muss man den Ort wechseln. Was wie ich mitbekommen habe auch eine ganze Reihe machen. Mich zieht es südlicher. Von einem Urlaub mit meiner Freundin, mit der ich viereinhalb Jahre zusammen war, habe ich Portugal in sehr guter Erinnerung. Folglich nehme ich nach dem abgelaufenen vier Wochen einen Zug zurück bis Toulon und von dort auf meine übliche Weise einen weiteren bis zur Enstation von Portbou. Immernoch keinen Schaffner zu Gesicht bekommend. Warum auch immer.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Inzwischen hat die Bezeichnung der Strasse von N-260 zu N-ll gewechselt. In dieser hügeligen Gegend fällt mir ein in etwa einem knappen Kilometer entferntes Plateau auf, das sich in ungefähr 50 Meter Höhe liegend einladend grün vom dahinter liegenden Berg abhebt. Da es schon später Nachmittag ist suche ich einen Feldweg zwischen Wiesen um auf diese Rampe zu kommen. Das gelingt mir auch. Nach einer halben Stunde dort oben angekommen mache ich mir auch sofort ein Lagerfeuer. Ein paar Kartoffeln die den Weg in meine Tüten gefunden haben; Obdachlose reisen mit Alditüten und nicht mit Lois Vitton - Taschen, kommen für ein luxuriöses Abendessen in die Glut. Das ganze mit dem phantastischen Ausblick in's Tal mit der Nationalstrasse und ihren vorbeiziehenden Autos könnte kaum besser sein, wenn ich Idiot nur nicht vergessen hätte, meine Wasserflasche noch aufzufüllen. Für den Rest des Abends und die ganze lange Nacht hatte ich nur noch gerade mal eine klassische deutsche Tasse Wasser zur Verfügung. Ich glaube auf meiner ganzen Reise gab es keinen Tag an dem ich so gedurstet habe wie hier. Aber irgendwann war auch diese sternklare Nacht überstanden und ich machte am anderen frühen Morgen eine kleine Kugelschreiberzeichnung von der ganzen Szenerie die ich noch mit einer kleinen Collage bereicherte. Ein Schnipsel einer Zigarettenpackung auf dem ein Heroe ein Schwert in die Luft reckt wurde neben das angedeutete Lagerfeuer geklebt. Danach ging es wieder weiter Richtung Süden.
Über die N-ll kommend näher ich mich den ersten Vororten von Barcelona. Eigentlich habe ich nach den letzten Wochen in Frankreich die Nase voll von größeren Orten und Menschenansammlungen. Daher versuche ich auch seit Tagen grössere Orte immer möglichst in einem zu durchqueren. Das einzige was mich ausbremmst sind die Frage nach einem Milchkaffee, weil da einfach mehr drin ist als in einem kleinen Espresso und der Frage nach dem obligatorischen Sandwich. Nachdem diese Fragen im wesentlichen geklärt sind, schaffe ich es bis zum Abend aber nur bis etwas über die Mitte der Stadt. Von einer breiten Promenade begebe ich mich über eine schmale Mauer auf den zentralen Sandstrand von Barcelona. Gehe noch etwas weiter um aus dem Licht der Strassenlaternen zu kommen und rolle meine an einem der letzten Strände gefundene Bastmatte aus und richte mich unweit des Wassers mit meinem Schlafsack für die Nacht ein. Mein letztes Betthupferl für die Nacht ist meist ein Zuckerwürfel aus einem der letzten Cafes bevor ich mich auf die Seite drehe und die Augen schließe.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Nach etwa gut einer Stunde, ich bin noch nicht eingeschlafen, spüre ich, wie jemand an meiner hinteren Hosentasche rumfummelt. Ich drehe mich rum um zu sehen, was für ein Idiot das ist. Da wird mir auch schon treffsicher aus nur einem Meter Entfernung ein faustgrosser Pflasterstein direkt in's Gesicht geworfen. Ich schreie auf. Sehe erst mal gar nichts, weil ich mit meinem Schmerz erstmal zu beschäftigt bin. Greife zu einem T-Shirt und halte es an das linke Auge. Ich rappel mich auf. Schwanke in Richtung der nahen Promenade und sehe noch im Augenwinkel fünfzig Meter von meinem Lagerplatz entfernt meine aufgerissenen Plastiktüten und darum verstreut meine wenigen Klamotten. An der Promenade angekommen bitte ich jemanden eine Ambulancia zu rufen. Während ich warte versuche ich zu sortieren was da überhaupt gerade passiert ist. Sie müssen zu zweit gewesen sein. Während einer sich an meinen Taschen zu schaffen machte, muss ein Weiterer daneben gestanden haben und mir den Stein ins Gesicht gepfeffert haben, damit ich der Bullerei keine Beschreibung von den Beiden liefern kann. Und mal überhaupt. Was für Leute übernachten wohl mit Schlafsack an einem Strand? Leute die die Taschen voller Geld haben und am Morgen in ihren um die Ecke geparkten Jaguar steigen? Was für geistig unterbelichtete müssen die zwei gewesen sein. Riskieren für ein paar verschwitzte Shirts und sonstigen unbrauchbaren Kleinkram einem wildfremden Touristen ein Auge auszuwerfen. Vermutlich pilgern sie auch noch am Sonntag andächtig mit Mama in die Kirche.
Inzwischen ist ein Krankenwagen eingetroffen und fährt mich, der sich immernoch ein blutüberströmtes T-Shirt vor's Gesicht hält zum nächsten Krankenhaus, während all meine Sachen zurück bleiben. Im Krankenhaus werde ich im Bereich meines linken Auges operiert. Was genau im Detail gemacht wird weiß ich nicht. Nach der Operation frage ich den Arzt, ob ich denn wieder sehen können werde, oder blind auf dem Auge bleibe. Der Arzt zuckt nur mit den Schultern und gibt mir zu verstehen, daß er das jetzt noch nicht sagen könne. Na toll. Das kann ja wohl nicht war sein. Nach all dem unbeschwerten Wandern der letzten Tage jetzt plötzlich sowas. Wenigstens habe ich nach den letzten Wochen mal wieder ein bequemes Bett und drei reichhaltige Mahlzeiten am Tag. Am dritten Tag kommt der Arzt wieder zu mir rein, reißt mir ohne Vorwarnung den Verband vom Auge und gibt mir zu verstehen, daß ich mich mit meinen beiden unversehrten Augen verabschieden dürfe. Na - suppi. Im Spiegel des Badezimmer sehe ich an meiner Augenbraue eine etwa anderthalb Zentimeter lange vernähte Wunde. Da ham'wir wohl nochmal Glück gehabt. Ich wander also wieder in Richtung Strand. Komme auch wieder dort vorbei, wo alles vor drei Tagen passierte und sehe an fast der gleichen Stelle wieder lauter verstreute Klamotten. Nur daß das jetzt eindeutig nicht meine sind. Sie haben also tatsächlich wieder zugeschlagen! Was soll man da noch sagen? Da fällt mir nur noch eine Platte von dem spanischen Gitarristen Al di Meola ein. Von seiner "Elegant Gypsy" das Stück "RACE WITH DEVIL ON SPANISH HIGHWAY". Eine Platte die zu Beginn der Achtziger so gut wie jeder Jazzrock - Interessierte in seiner Plattenkiste hatte.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Ich habe Glück, denn meine Matte und der Schlafsack liegen immernoch wie ich sie vermutlich verlassen hatte. Ich schnappe mir das Zeug und verlasse zügigen Schritts diese Metropole über die C-31. Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen mein Leser, daß ich Probleme habe die richtige Zeit einzuhalten. Mein Schreiben wechselt gelegentlich von Gegenwart zu Vergangenheit und wieder zurück zu Gegenwart. Ich bitte das nicht zu eng zu sehen. Ich bin kein Schriftsteller. Als zweimaliger Sitzenbleiber war ich zu Schulzeiten schon glücklich, wenn es in Deutsch zu einem "Ausreichend" gelangt hat. Ich bin gelernter Radio und Fernsehtechnikergeselle mit späterem abgebrochenen Grafik - Design Studium. Wenn ich mich heute trotzdem relativ gut ausdrücken kann, dann darum weil ich mich über Jahre in einer langen Zeit der Genesung durch die umfangreiche nationalsozialistische Erinnerungs - Bibliothek meines Vaters gekämpft habe. Heldentaten zu Land, zu Wasser und in der Luft. Von "Die Nacht der Generäle" bis "Holt Hartmann vom Himmel". Das meiste heroisch. Nur weniges kritisch. Da bildeten Bücher wie Solschenizyns "Archipel Gulag" und KZ - Augenzeugenberichte schon eher die Ausnahme. Viele der Bücher Weihnachts und Geburtstagsgeschenke von mir selbst. Aber was soll man auch sonst einem Napolaschüler schenken, wenn man ein miserabler Schüler ist und ihm gefallen will.
Der Witz ist, daß es heute, also nicht hier auf der spanischen C-31, sondern inzwischen schon lange wieder in Deutschland das Gekritzel hier verfassend, im Jahr 2026 es schon wieder wie damals klingt und von westlichen Geheimdiensten noch zusätzlich befeuert wird: "DER RUSSE KOMMT! DER RUSSE KOMMT! Und man eben mal Hundert Milliarden Euro (100.000.000.000,- €) wie das weiße Kaninchen für den Verteidigungsminister aus dem Hut zaubert und gleichzeitig sich täglich in den Medien über Sparmaßnahmen in der Rente, der Krankenversicherung bis zur Sozialhilfe streitet, geradezu unbemerkt die Entwicklungshilfe für Afghanistan und Afrika um Milliarden streicht und damit in Zukunft wieder steigende Flüchtlingszahlen in Kauf nimmt und dabei auf Seiten der Politik dankbar das Thema Erderwärmung und Umweltproblematik einfach überspringt, obwohl jeden Abend sich in den Nachrichten die Meldungen über Hitze, Waldbrände, Dürre, Ernteausfälle und Niedrigwasser überschlagen, nur weil der russische Bär sich aufführt wie ein kleines plärendes Kind, dem ein paar seiner Spielkameraden davon gelaufenen sind und er sie (die Ukrainer) jetzt mit aller Gewalt zurück haben will. Ganz Deutschland ruft plötzlich wie aus dem Winterschlaf aufgeschreckt nach Soldaten, Leopard 2 und neuen Kampfjets und der Rest der Europäer ist gezwungen bei diesem allgemeinen Geblöcke so zu tun, als ob die Ukraine schon immer ein Teil der Europäischen Union war. Man versucht sie mit Sanktionen gegen Russland zu unterstützen und beschwert sich dann, wenn Putin mit hybrider Kriegsführung zurückschlägt, als ob man nicht fähig wäre Eins und Eins zusammen zu zählen. Wenn der ukrainische Gatte und der ukrainische Sohn, meine Mütter Courages dieser Welt sagen: "Wir sterben lieber, als noch mal so zu leben wie zu Sowiet Zeiten.", dann ist das ihre ganz persönliche Meinung. Meine ist das als gläubiger Christ noch nicht. Wie übrigens auch so ganz nebenbei meine momentane Wanderung verdeutlichen soll. Es mag ja in den Augen der Gesellschaft ehrenwert sein, sein Land verteidigen zu wollen, nur braucht mir keiner von diesen Landesverteidigern erzählen, er habe den Nazarehner verstanden. Was glaubt ihr wohl, meine Leser, warum sich Jesus damals noch ziemlich exakt 100 Jahre Zeit gelassen hat, um erst dann zu erscheinen, wenn die Römer in Jerusalem das Sagen haben? Ich bin mir sicher, man will keine Mütter im Paradies, die aus Zukunftsangst oder um einen Esser weniger am Tisch zu haben ihre Söhne ans Militär verschenken und dann das erste Foto in Uniform von ihm ganz stolz rumreichen. Man will einfach keine Väter im Paradies, die um ihr Ansehen bangen und daher dem Sohn mit dem Besuch der Armee eine erfolgreiche berufliche Zukunft versprechen. Man will keine Söhne und Töchter im Paradies, die sich mit anderen zusammen rotten, um dann gewaltsam was weiß ich zu verteidigen. Wem natürlich sein bißchen Freiheit und sein lächerliches kleines irdisches Paradies wichtiger sind und folglich sein ganzes Gequatsche von Gott, Jesus und "C"hristlich nur Lippenbekentnisse sind, soll halt weiter in die Kriege dieser Welt ziehen. Dann aber auch nicht wundern, wenn es "am Ende" doch nix werden sollte mit Gnade und Vergebung. Ich kann einfach nicht verstehen wie man seit der Eroberung von Nord-, Mittel- und Südamerika vor fünfhundert Jahren durch die Europäer so überhaupt kein bißchen dazu gelernt haben kann.
Und ich hab im Moment noch nicht mal sechzig Cent für einen Espresso auf Tasche. Wat'n f.....
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Am Abend, es dämmerte schon, betrat ich eine Bar mit Billiardtisch und Musik die rege Besucht war. Kaum das ich drin bin und die Räumlichkeit richtig erfasst habe, kommt auch schon ein etwa dreissigjähriger gut aussehender Spanier auf mich zu der einen Kopf kleiner ist als ich. Er, der eigentlich gar nicht aussieht wie ein Spanier sondern eher wie ein Deutscher und mich auf englisch anspricht als würden wir uns schon lange kennen läd mich sofort zu einem Glas Whisky ein. Wir palavern eine ganze Weile über Gott und die Welt. Zur fortgeschrittenen Stunde bietet er mir an auf seiner Hazienda übernachten zu können. Wir fahren also eine staubige leicht ansteigende Schotterstrasse ins Hinterland und sind schon bald auf seinem Hof oder dem seiner Eltern angekommen. Er schwärmt mir was von seiner Musik vor und versucht mich mit einer Auswahl seiner Klassik - Platten zu beeindrucken. Das ist eigentlich nicht meine Musik. In der Vergangenheit kam es nur ganz selten vor, daß ich von meinen Audio - Cassetten gelangweilt und von der aktuellen Radiomusik genervt, ich mir zum Beispiel eine Symphonie von Sibelius auf WDR3 hab gefallen lassen. Ich bin aber inzwischen so müde, daß ich mich gar nicht mehr auf die Musik konzentrieren kann. Er merkt das wohl und zeigt mir ein Jugendzimmer in dem ich pennen könne. Dauert auch nicht mehr lange und ich bin eingeschlafen. Am nächsten Morgen entdecke ich ein Board mit einer ganzen Reihe spanischer Taschenbücher. Und zwischen den an die fünfzig Exemplaren schaut mich ein Cover mit dem einzigen deutschem Titel an. Eine Biographie über den Maler Matisse. Ich, der nach all den Monaten schon auf literarischem turky war, kann es sich nicht verkneifen, das Buch ungefragt in seiner Plastiktüte verschwinden zu lassen und gut gelaunt zum Frühstück zu erscheinen. Er fährt mich danach wieder zurück an die Nationalstrasse und ich verabschiede mich mit einem schlechten Gewissen von dem netten jungen Herrn. Gracias!
Inzwischen kann ich es kaum erwarten, bis die nächste Bushaltestelle auftaucht. Dort angekommen begebe ich mich sofort wie in einem alten Marco Polo - Film unter eine akustisch geschützte Glocke aus Buchstaben, Wörtern, Zeichen, Farben und Formen, während vor mir Peugeot, Seat und Nissan und immerwieder ein LKW oder eine dieser spanischen Hornissen, diese lauten röhrenden und getunten Mopeds der spanischen Jugend vorbeirauschen. Künstlerbiographien habe ich schon zu Studienzeiten von Leonardo über Picasso bis zu Andy Warhol's Tagebuch gerne gelesen. Da fällt es mir Anfangs schwer, das Buch zu zu klappen und weiter zu laufen. Mein Weg führt mich zur Zeit unweit des Wassers entlang. An einer Stelle wo die Strasse durch parkende Autos verbreitert erscheint, fällt mir von weitem schon ein dazwischen parkender Kleintransporter auf, der zu einem Wohnmobil umgebaut wurde. Davor sitzt ein ungefähr 35 jähriger Mann auf seinem Klappstuhl der mich anspricht und zeigt, daß auch er die deutsche Sprache bevorzugt. Super - endlich sich nach all den Monaten mal wieder mit jemandem auf Deutsch unterhalten. Zwischendurch hüpfen wir zur Abkühlung in das nur wenige Meter entfernte Meer. Es wird noch ein recht lustiger Abend mit Lagerfeuer und Gegrilltem. Er pennt in seinem Wohnmobil und ich mache es mir am Strand gemütlich. Am nächsten Tag bietet er mir an, mich ein paar Kilometer mit zu nehmen. Er sei mit einem kleinen Brennofen für Getöpfertes auf dem Weg nach Marbella. Ich steige ein und los geht die Fahrt. Noch kurz an einem Supermarkt vorbei für Essbares und eine Flasche Wein. So lass ich mir das gefallen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie kommen wir auf das Thema "zur Toilette gehen". Er erklärt mir, er würde, was durchaus naheliegend ist, sein großes Geschäft immer im Meer machen. Ich, der bisher gar nicht auf den Gedanken gekommen ist, hält das für eine gute Idee meine Salvador Dali - Erfahrenen. Also beim nächsten Termin gleich mal ausprobiert. Wer sich, wie ich nicht mit der Dichte von Körpern vorher auseinander gesetzt hat; ein Liter eines Stoffs der leichter ist als ein Liter Wasser schwimmt, vereinfacht gesagt, darf sich dann nicht wundern wenn das Geschäft nicht unbemerkt zu Boden gleitet, sondern ein Kinderarm dickes Teil ganz überraschend direkt neben einem auftaucht. Man dann wie wild anfängt zu rudern um sich möglichst schnell zu entfernen und der ganze Anblick jetzt nur noch durch eine plötzlich auftauchende Haifischflosse getoppt werden kann. Ich muss es leider so drastisch formulieren: Scheiße schwimmt! Und es ist sowas von erniedrigend, daß ich es danach nur noch in absoluten Notfällen auf die Art gemacht habe. Ein bisschen Wassermusik gefällig?
An einem der kommenden Morgende wache ich auf und stelle fest, daß mir jemand den Pass in der Nacht aus der Hose gezogen haben muss. Fritz, mein Fahrer fährt mich zur nächsten Polizeiwache, da ich hoffe das ich wenigstens für den Rest der Reise sowas wie ein Ersatzdocument bekomme. Die Gendarmen nehmen auch den Verlust auf, doch sowas wie einen Ersatz bekomme ich nicht. Die Fahrt hätten wir uns folglich sparen können. Irgendwie traue ich bei dem Thema meinem derzeitigen Fahrer nicht so ganz über den Weg, aber behalte diese Vermutung für mich. Inzwischen hat die Fussball - Weltmeisterschaft begonnen und wir machen uns die Mühe, beziehungsweise Fritz, und fahren den Berg hinauf zu einem direkt auf der Spitze liegendes Bergdorf. Dort läd mich Fritz zu Grillhähnchen und anschließenden Schnäpsen in eine kleine spanische Bar ein, daß wir uns kaum noch auf das auf dem Bar - Fernseher gezeigte Spiel mit Zidane konzentrieren können. Keine Ahnung wer am Ende gewonnen hat. Jedenfalls geht es im Dunkeln gutgelaunt auf unserem Schleichweg wieder zurück an den Strand.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Am anderen Tag hat Fritz beschlossen auf den nächsten Campingplatz zu fahren um dort für ein paar Tage einen Stellplatz zu mieten. Für ihn mag das ja ganz praktisch sein, aber für mich, der ohne Zelt unterwegs ist, sich am Abend mit Matte und Schlafsack zwischen die Wohnmobile zu legen schien mir nicht gerade einladend und nahm daher meine Sachen um mich von ihm zu verabschieden und einen Platz am Strand zu suchen. Auf dem Weg dorthin konnte ich mir von einem Marktstand noch ein paar Sardinen schenken lassen. Diese bruzelten nun lecker duftend auf meinem Lagerfeuer als es inzwischen schon dunkel geworden war und sich ein Auto nähert. Das kommt direkt bis kurz vor meinen Platz gefahren ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, das blendende Licht auszumachen. Es ist Fritz der sich mit schleimendem Kommentar nähert: "Günther - ich habe ein paar Sardinen für dich." "Hab schon welche auf dem Grill." antworte ich. "Pack deine Sachen und verpiss dich aus der Stadt." ist sein Kommentar. Dann fängt er an mich ernsthaft zu bedrohen und umkreist mich die ganze Zeit, während ich halb sitzend und halb liegend mich die ganze Zeit ihm zu drehe, da ich jeden Moment einen Fußtritt oder was weiß ich von ihm erwarte. Er gibt mir zu verstehen ich hätte höchstens eine viertel Stunde um meine Sachen zu packen und zu verschwinden. Ich sehe also zu mein Zeug so schnell wie möglich in meine Tüten zu stopfen. Danach fährt er die ganze Zeit mit seinem Wohnmobil im Schneckentempo hinter mir her um zu kontrollieren ob ich auch wirklich den Küstenort verlasse. An einer Stelle, an der er gerade an einer Seitenstraße vorbei ist, gehe ich ganz schnell nochmal zurück um mich in der Straße von ihm abzusetzen. In diesem nur sparsam beleuchteten Weg verstecke ich mich zwischen Mülleimern in einem dunklen linken Seiteneingang. Nach einer Weile sehe ich ihn auf der anderen Seite vorbeilaufen. Bald darauf versuche ich mich in der anderen Richtung davon zu machen. Leider habe ich mich wie Buch Cassidy und Sundance Kid zu früh aus meinem Schuppen gewagt, denn der blöde Mexikaner steht schon wieder hinter mir. Die ganze Prozedur geht wieder von vorne los, bis er dann tatsächlich am Ortsausgang verschwunden ist. In einer Seitenstraße mit einem verlassenen frei zugänglichen Bungalow muss ich mich von dem ganzen Stress im extrem einladenden Swimmingpool erstmal abkühlen. Was für ein Tag.
Die fehlende Möglichkeit nach dem Baden im salzigen Meer nicht immer auch noch duschen zu können hat in den letzten Wochen dafür gesorgt, daß meine eher lockig braunen Haare angefangen haben sich zu verfilzen. Inzwischen haben sie einen richtigen Bob Marley - Touch bekommen und ich kann mit meinen vierzig Jahren endlich nachholen, was mir meine Eltern in den Siebzigern immer verboten haben. Nähmlich lange Haare und mit Bräune und Errol Flynn Oberlippenbart so ein richtig cooles Hippie - Outfit.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Auch die Kreativität hat in den letzten Wochen zugenommen, da ich mich außer mit Wandern und gelegentlichem Lesen noch mit anderem beschäftigen muss. An Bushaltestellen oder Parkbänken kleiner Küstenorte entstehen kleine A4 - Kugelschreiber Zeichnungen auf den Rückseiten von Akten und Kartons von Mappen aus irgendwelchen Rathausmülleimern, von dem, was ich halt so um mich sehe. In Bar's und Cafe's habe ich mir angewöhnt, wenn ich einen Milchcafe oder Espresso abstauben konnte, eine kleine Zeichnung auf Servietten von der Tasse zu machen und mit dem Kaffeelöffel und den letzten Tropfen des Kaffee noch dem Ganzen ein paar Aquarelltupfer zu verpassen und das ganze auf dem Tresen oder dem Bistrotisch als Dank zurück zu lassen. Alle paar Wochen ist auch immer eine frisch geschnorrte Zigarette dran. Die wird entweder mit dem Kugelschreiber maltretiert oder mit irgendwelchen kleinen bunten Schnipseln beklebt oder mit den restlichen bunten Wollfäden eines weggeworfenen Pulover und wechselnden Farben umwickelt. Das schärfste Objekt auf dem Gebiet entstand, in dem ich in einem kleinen Drahtgestell eine Zigarette befestigte die einen Vogelkörper darstellt, weil ich auf meiner Wanderung einen ganz kleinen Fogelschädel am Straßenrand gefunden habe und jetzt versuchte ihn in dem filigranen Teil unterzubringen. Auch mit den immer wieder auftauchenden Katzenaugen, die im Dunkeln von den Autoscheinwerfern leuchten und die Fahrbahnmarkierung an Kreuzungen bilden und hin und wieder durch vorbeifahrenden Autos aus ihrer Verankerung gerissen wurden entstehen kleine Objekte. Meist wird von mir nicht mehr viel damit gemacht. Lediglich ein Pfauenauge oder sonstiger am Wegesrand gefundener Falter wird von mir mit angezündetem und draufgetropftem Plastikrest daran befestigt. So entstanden und werden noch in den kommenden Wochen entstehen eine ganze Reihe kleiner aber feiner Zeichnungen und Objekte die ich aber nicht mit mir rumschleppe. Dafür bräuchte ich schon allein einen kleinen Bollerwagen, den ich hinter mir herziehen müsste. Nein - die Sachen bleiben immer gleich an Ort und Stelle zurück, wo sie entstanden sind. Ich bin einer der daran glaubt, daß, falls wir in's Paradies kommen sollten, auch dort alles von dem wir uns seit der Kindheit trennen mußten, wieder zurück bekommen werden. Warum also warten bis wir es verlieren, geklaut wird oder ganz einfach irgendwann nicht mehr interessiert? Ich überspringe da einfach im Leben diese Zufälle, lasse das Zeug da wo es entstanden ist und hoffe darauf, daß sich ein Damiel oder Cassiel darum kümmert. Du meinst, der Kellner hat das Teil zerrissen und in der Toilette entsorgt? Woher willst du wissen, daß das immernoch das Original war?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17
Am Morgen dauert es inzwischen immer eine ganze Weile, bis ich alles in meinen zwei oder auch mal drei Tüten verstaut habe. Die werden dann eng hintereinander gestellt; ein sich inzwischen eingefundener Stock, der mehr als Tragehilfe dient, denn als Spazierstock zu gebrauchen ist und in der Mitte mit einem kleinen Handtuch umwickelt wurde, wird durch die Griffe der Tragetaschen geschoben und hochgestemmt, daß die ganze Schose mit dem Handtuch auf meiner rechten Schulter Platz findet. Auf diese Art und Weise bin ich schon seit Wochen unterwegs. Auf altertümlichen Illustrationen sieht man aber keine Alditüten an der Stelle, sondern meist ein rotes Tuch mit weißen Punkten, das am hinteren Ende des Stocks verknotet ist und in dem sich bekannter Massen die Bordverpflegung von "Hans im Glück" befindet. Es ist tatsächlich eine bewährte Art Dinge zu transportieren, wenn man damit wandern muss.
Schon seit Deutschland bin ich ohne Armbanduhr unterwegs. Eigentlich brauche ich auch keine Uhr. Ich hab ja keine Termine einzuhalten. Aber mehr aus kreativem Drang habe ich angefangen meinen Tragestock zusätzlich zu einer Sonnenuhr zu erweitern. Dazu musste das Teil erstmal mit der Hilfe von Cafeuhren und Kirchenuhren geeicht werden. Dazu habe ich eine Zeitlang möglichst zur vollen Stunde ein Cafe verlassen, draussen den Stock möglichst exakt gerade hingestellt, einen kleinen Stein genommen, an die Stelle gelegt, wo die Schattenspitze war, den Stock nun vorsichtig seitlich in Richtung des Steinchen gekippt und so die Länge des Schatten auf meinem Stock notiert. Am Mittag war logischer Weise der kürzeste Schatten. Folglich befand sich der Zwölf Uhr Mittags - Strich am unteren Ende des Stocks. Je später oder früher es wurde, um länger wurde der Schatten und somit die als Ring in meinen Stock geschnitzte Uhrzeit. Als grobe Orientierung für den Tag war das völlig ausreichend. Ich hatte damit immerhin eine Genauigkeit von plus - minus 15 Minuten erreicht. Das Problem war nur, daß er nach zwei bis drei Wochen nicht mehr zu gebrauchen war, da sich über das Jahr gleichmäßig die Höhe des Sonnenstands ändert und somit auch die Schattenlänge. Daher hatte die Sonnenuhr dann ausgedient und ich hatte den Spaß, wieder eine Neue anfertigen zu dürfen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Viel wichtiger wäre aber eine Uhrzeit in der Nacht. Die Spanischen Sommernächte waren gelegentlich so kalt, daß ein Übernachten im billigen Schlafsack unmöglich war. Das war gelegentlich so kalt, daß sich an den Orangen der Bäume kleine Eiskristalle gebildet hatten. Ich also irgendwann wieder aufstehen musste und erst nach einer viertel Stunde laufen eine erträgliche Betriebstemperatur erreicht hatte. Das Übel war, nicht zu wissen wie lange ich dann noch laufen musste bis es hell wurde und die ersehnte Sonne aufgeht. Da kann es schon wertvoll sein zu wissen, ob man nur noch eine Stunde laufen muss, oder noch mehr als vier Stunden vor einem liegen. Zum damaligen Zeitpunkt bin ich noch davon ausgegangen, daß der Tag exakt 24 Stunden hat. Inzwischen wieder in Deutschland die Schose hier schreibend spukt mir das Internet aus: Stimmt nicht! Sind nur 23 Stunden, 56 Minuten und 26 Sekunden. Also jeden Tag 3:34 Minuten kürzer. Das sind in zehn Tagen schon über eine halbe Stunde und in einem Monat mehr als anderthalb Stunden.
In Spanien hatte ich das aber noch nicht bedacht und ging davon aus, daß es genau 24 Stunden sind. Die Position der Sterne durch die Schräglage der Erde sich über das Jahr nur in der Höhe ändern, aber nicht in ihrem Verlauf. Ich also folglich in der Nacht eine Küchenuhr am Himmel habe. Der Mittelpunkt der Uhr, also da wo die Zeiger befestigt sind, ist mein Polarstern. Jetzt musste ich nur noch ein Sternbild festlegen, daß den Zeiger meiner Uhr darstellt. Natürlich hatte ich jetzt keine Aufteilung in Zwölf Stunden, sondern auf dem Ziffernblatt befanden sich 24 imaginäre Striche am nächtlichen Himmel. Der Zeiger meiner nächtlichen Bahnhofsuhr bildete die Hinterachse des Großen Wagen oder auch Großer Bär genannt. Zu beachten ist, daß der Zeiger auf der nördlichen Halbkugel unserer Erde rückwärts läuft. Jetzt musste ich nur noch nachts die Zeiten der vollen Stunden in den Bars und Kirchturmuhren mit den Positionen und angezeigten Zeiten meiner Hinterachse auf einem Zettel synchronisieren und meine nächtliche Anzeige war vertig. Na - nicht so ganz. Je nach nächtlicher Zeit kann es sein, daß der Große Wagen so tief steht, daß ein Ablesen wegen des Streulichts am Horizont unmöglich ist. Daher musste noch ein zweites Sternbild her das jetzt besser zu sehen ist. Es bot sich daher das gegenüber dem Polarstern liegende Cassiopeia, das Himmels - W an. Die Position des hellsten Eckstern der zusammen mit dem Polarstern den Zeiger bildet notiert und fertig war die Himmelsrolex. Die durfte dann auch mal'ne halbe Stunde nach gehen. Um zu wissen wie lange diese ätzende Nacht noch dauert reichte das allemal.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Auf der N-340 gab es mal einen Morgen, der auf Grund der nächtlichen Kälte also schon in der Nacht begonnen hatte und ich somit nach dem Hellwerden kurz vor Sonnenaufgang in einen kleinen Küstenort komme und mich schon die ganze Zeit der Hunger plagt. Das einzige das um die frühe Zeit schon geöffnet hat, ist die Backstube des Ortes. Da ich aber keine Lust hatte, auf der Suche danach meinen ganzen Krempel mit mir rumzuschleppen, stellte ich das Zeug einfach an einer kleinen Mauer ab. Es war ja auch sonst noch kein Mensch unterwegs. Wer sollte also schon damit etwas anfangen können. Ich machte mich also auf den Weg um irgendwo eine Bäckerei zu erspähen oder zu erriechen. Ich wurde dann auch tatsächlich fündig. Erbettelte mir zwei Brötchen und ging zurück zu meinen Sachen. Die waren aber tatsächlich nicht mehr da, wo ich sie abgestellt hatte. Ich dachte: Das kann doch wohl nicht war sein! Was für ein Chicago ist das denn hier? Da seh ich in der Ferne wie gerade ein Müllwagen in eine Seitenstraße abbiegt. Na - herzlichen Glückwunsch Günni. Jetzt kannste wieder aufs neue den (Jäger) und Sammler machen. Und ich hör sie schon wieder von weitem rufen: "Man muss loslassen können!" Ach - tatsächlich? Schon mal mit so gar nichts im Leben in den Tag gestartet? Ich meine keine Wohnung. Keinen Job. Kein Geld. Nur das Hemd und die Hose die du trägst? Ich kann dir sagen, das ist ein völlig neues Lebensgefühl. Und wenn du dann halb verärgert, halb gut gelaunt über das schöne Wetter die spanische Nationalstrasse entlangwanderst und dann tatsächlich am Wegesrand als allererstes ein Taschenmesser findest, dann glaubst du nicht mehr, dann weißt du daß es "ihn" gibt. Das kannst du mir glauben.....
Der Weg führte mich daher auch in den nächst größeren Ort um mir in einer dortigen kirchlichen Einrichtung um Schlafsack und Sweatshirt zu bitten. Das funktionierte zum Glück auch auf Anhieb und einem gut gelaunten Weiterwandern stand nichts im Weg. Bei der Frage nach Problemen mit Hunden auf meinen täglichen Wegen muss ich ein wenig ausholen. Bei meiner Wanderung im Jahr 1998 hatte ich noch nie etwas von einem Jakobsweg gehört. Erst als ich 2008 wieder zurück in Deutschland war erfuhr ich zum erstenmal durch Hape Kerkelings 2006 erschienenes Buch etwas von dieser Strecke in Nordspanien. Ob Hape sich in seinem Buch zu Hundeproblemen geäußert hat, weiß ich im Moment nicht. Ich habe aber sehr wohl von Problemen auf dem Jakobsweg in den letzten Jahren in den Büchern von Shirley McLane und Paulo Coelho gelesen. Dort berichtet man schon im Vorfeld von Angst vor den Hunden, daß es dann sogar zu Chuck Norris - mässigem Kampf zwischen Hund und Coelho kommt. Der Fight endet mehr oder weniger unentschieden und Mensch und Hund tragen sogar ernsthaft bedrohliche Verletzungen davon. Ich habe keine Ahnung, ob das tatsächlich so passiert ist, oder ob es sich dabei bei unserem Paulo nur um eine gewinnbringende literarische Idee handelt. Jedenfalls scheinen die beiden Superstars des Film und der Literatur im realen Leben dann doch gelegentlich vorübergehende Aussetzer im Oberstübchen zu haben. Bei mir müsste man schreiben: Deutscher Stadtindianer zieht schnorrend durch Spanien während die Hunde schon von weitem die Flucht ergreifen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Mal ehrlich. Muss das Theater um die Hunde sein? Da steckt man sich einfach zwei Steine in die Tasche, Steinchen reichen da schon und das Problem ist gelöst. Ich hatte auf meinem Weg sicher genau so viel Probleme mit Hunden wie die da oben. Vor allem in der Nacht kam es schon ab und zu vor, daß da so ein Kläffer sich vom Hof traut und dann meint sich mir Lassiter - mässig mitten auf der Straße in den Weg stellen zu müssen. Dann wird halt zu einem der Steine gegriffen und in grobe Richtung des Hundes geworfen. Der oder die brauchen dann nur das Gepolter des sich nahenden Steins zu hören und beschleunigen mal eben daß die Hinterläufe die Vorderläufe überholen und schon in Kürze ist keiner mehr zu sehen oder zu hören. Problem gelöst. Vieleicht hat aber unser Pauolo Coelho sich nur bei seinen Derwischen in Konstantinopel in seinem Buch "Hippie" ein paar Mal zu oft um die eigene Achse gedreht und einen leichten Langzeitschaden davon getragen. Der Mann ist ja nicht um sonst mit einem Schwert wie Siegfried unterwegs um gegen die inneren Dämonen in den Krieg zu ziehen. Vielleicht sollte er sich mal von seinem Alchimist behandeln lassen. Übrigens - den zweiten Stein zur Sicherheit habe ich auf der ganzen Strecke nie gebraucht.
Wenn wir hier schon beim Thema Shirley McLane und Paulo Coelho auf dem Jakobsweg gelandet sind, möchte ich hier aber noch auf eine wirklich bedenkliche Sache hinweisen. Die beiden führen in ihren Büchern Dialoge und Zwiegespräche mit "Flüsterstimmen", als ob es das Selbstverständlichste von der Welt wäre. Ihre Gesprächspartner haben logischerweise fromme Namen und müssen in deutlich verständlichem Ton sich ihren Fragen stellen. Hat jemand von euch Lesern Erfahrung mit sogenanntem "Stimmen hören"? Ich seit Portugal Zeiten sehr wohl. Ob das ein Relikt aus meinen Kifferphasen ist? Keine Ahnung. Wahrscheinlich. Das heißt in diesem Jahr 2026 inzwischen schon über fünfundzwanzig Jahre lang. Aber daß in all der Zeit es nur annähernd so laut war, um ein richtiges Gespräch zu führen war es zu keinem Zeitpunkt. Ich frage mich ein bißchen, ob die Beiden von dem mit Religion überladenen Wanderweg eventuell genau wie Hesses Steppenwolf und Goethes Werther, von denen ich das schon länger vermute, eines Tages für einen Faust'schen Deal einen Mozard'schen Requiembesteller vor der Tür hatten. Wundern würde mich das bei den genannten Vier nicht. Vorallem auch diese selbstverständlich frommen Gegenüber, deren gute Absichten in keinster Weise in Frage gestellt werden. Dann gehöre ich folglich zu den Bösen. Bei mir hat sich der Ton der Flüsterstimmen schon sehr früh als einer mit einer faschistischen Grundhaltung herausgestellt und ich darum nicht viel für die Bedeutungen der Mitteilungen des Teufel oder seiner Laufburschen gebe, auch wenn er immerwieder mit Schmeicheleien versucht sich bei mir anzubiedern. Aber ihr plötzliches Fehlen durch "Heilung" inzwischen auch vermissen würde. Auch schon deshalb, weil immer wieder, wenn auch selten, Kommentare von der anderen, "der positiven Seite" auftauchen. Das ganze ausschließlich als reine "akustische Halluzinationen" abzutun, wie es die "Schriftgelehrten" der Psychologie und Neurologie machen, verbuche ich einfach mal unter sehr mutig. Mir haben jedenfalls die Stimmen durch Prophezeiungen immerwieder gezeigt, daß es sich bei mir nicht (nur) um Halluzinationen handeln kann. Aber diese Stimmen zu leichtfertig unter göttlich oder Engel zu verbuchen halte ich für einen großen Fehler. Auch wenn die vielleicht in einem Bunker sitzen und aus Gefälligkeit der liebe Gott und seine himmlischen Heerscharen sich persönlich für die technische Umsetzung im Bereich der Hypophyse und der Synapsen kümmern. Den Mitteilungen würde ich aber empfehlen, nicht naiv zu vertrauen. Jedenfalls sollte sich keiner wundern, wenn er dann doch mal auf der Brücke vor dem Abgrund steht, oder sich mit umgeschnallten Bombengürtel von seinen Freunden verabschiedet und dann noch eine Flüsterstimme hört: "Sie warten auf Dich!"........... (Mt. 4, 5-7)
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Zur Zeit war ich in einer Gegend unterwegs, wo die Landschaft aussah, wie auf dem Planeten "Plastik" kurz hinter Sirius. Wo man hinblickt, nichts als etwa zweieinhalb Meter hohe Wintergärten. Aber keine kleinen, wie in unseren Schrebergärten, sondern richtige Hallen. Eine neben der anderen. Den Spanischen Bauern mag das ja für eine gewinnbringende frühe Ernte sorgen und wir in Deutschland auch im Winter unsere Tomaten bekommen. Für mich als Wanderer ohne Geld auf der Tasche war das weniger befriedigend. Denn hier in dieser Gegend mit Plastikplanen soweit das Auge reicht und darunter mit vermutlich den leckersten Gemüsegenüssen gab es plötzlich nichts mehr zu pflücken...äh... pardon ... vergammeltes vom Boden aufzuheben. Keine Tomaten und weit und breit kein Baum mit den leckersten Orangen meines Lebens. Die spanischen Orangen sind einfach ein Traum. Ich frage mich, ob bei uns in Deutschland wirklich davon die erste Wahl ankommt. Auf Jedenfall kannst du die "Bringschuld" - Jaffa aus Israel daneben gleich ungesehen in den Mülleimer stecken. Egal ob frisch gegessen oder ausgepresst. Ich muss jedenfalls so bald wie möglich raus aus diesem "Overlook" - Plastikirrgarten und mal wieder ein bißchen Natur sehen.
Zum Glück ist es nicht so weit um an den Strand zu kommen und das Meer zu sehen. Dort ist es aber im allgemeinen nicht vor dem Spätnachmittag erträglich. Ich bekomme schon seit längerem den Eindruck, daß es zwischen Barcelona und Gibraltar nicht einen einzigen Baum mehr im Bereich des Strandes gibt. Schatten kann man folglich vergessen. Also bin ich meist immer erst gegen Abend am Strand. Lagerfeuer ist wichtig. Nicht um was zu grillen, sondern um die arschkalte Nacht zu überstehen. Wobei es natürlich Nächte gibt, wo auch das nicht bis zum Morgen reicht. Selbst wenn man sich zum Schluß noch einen erhitzten Stein, der die Umrandung des Feuer bildete in den Schlafsack holt. Das ist aber nicht immer der Fall. Keine Ahnung ob das an der Position der Küste in der ich mich befinde liegt oder ob die Windrichtung etwas damit zu tun hat. Jedenfalls sind die Nächte, was die Temperatur betrifft zur Zeit erträglich.
Meine Leser - schon mal ganz allein ohne Zelt nur in einem Schlafsack unter freiem Himmel übernachtet? Ich meine, es ist jetzt nicht bewölkt, sondern sternklarer Himmel. Man liegt da so. Versucht ein wenig Ordnung in das Durcheinander am Himmel zu bekommen. Der Große Wagen. Der Polarstern. Eventuell noch den kleinen Wagen mit den Plejaden, oder auch Siebengestirn genannt. Eventuell noch das Himmels - W mit Cassiopeia. Und während man so liegt und dieses riesige Szenario betrachtet und vor sich hin träumt, kommt plötzlich eine Sternschnuppe in dieses Spektakel reingerauscht. Was für ein Anblick! An der Stelle mag es Leute geben, die dann eventuell leicht hektisch ihren Nachbarn informieren: "Du darfst dir was wünschen!" Mag ja sein. Mit Gewissheit sagen, daß das Gewünschte auch in Erfüllung geht, kann aber vermutlich niemand. Allein schon deshalb, weil wenn der Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen sollte, sich schon lange niemand mehr an den Auslöser, die Sternschnuppe erinnert. Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung ist es bei weitem gewinnbringender, sich zu vergegenwärtigen, an was man gerade beim Reinrauschen der Schnuppe gedacht hat. Wow - was für ein Aufwand! Millionen Jahre Planung, nur um bei diesem "besonderen Gedanken" das Teil einem auf die Sekunde genau zu präsentieren. Wer's glaubt wird seelig.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Weitaus problematischer ist es, wenn man dann tatsächlich eingeschlafen ist, sich eventuell inzwischen in einer REM - Tiefschlafphase befindet und dann plötzlich hochschreckt und irgendein grelles Licht über einem sieht. Im ersten Moment weiß man nicht mal, daß man sich am Strand befindet. Das Herz hämmert bis in die Halsschlagader. Richtig erkennen, wer einen da mitten in der Nacht mit der Taschenlampe anblendet tut man schon gar nicht. Man ist sowas von erschrocken und fühlt sich wie nonstop vom Paradies in die Hölle katapultiert. Bis dann in das Dunkel die Aufforderung "Pasaporte!" fällt. Jetzt erst kapiert man was Sache ist. Drei Uniformierte meinen mitten in der Nacht bei mir auf Nummer Sicher gehen zu müssen. Komisch, aber irgendwie haben Sie auch schon mein frisch gefundenes Taschenmesser ausgemacht. Das wird nach allgemeiner Begutachtung auch sofort konfisziert. Muss sich beim Besitzer wohl um einen mordenden ETA - Terroristen aus der Billbaogegend handeln. Verständlich die Aktion. Ist halt nix mehr mit Tomaten kleinschneiden und Wanderstockverschönerung. Da ich wie schon erwähnt keinen Pass mehr besitze, haben die Herren einen berechtigten Grund mich aufzufordern alles zügig einzupacken und in den Jeep zu bitten. Der fährt uns dann zu Ihrem Stützpunkt, wo alles fein säuberlich aufgenommen wird. Nach einer abschließenden Unterschrift in ihr großes Logbuch darf ich meine Sachen nehmen und weiterziehen. Herzlichen Dank für den überflüssigen nächtlichen Terror.
Die Reise geht weiter. Keine Ahnung was meine tägliche gewandert Strecke ist. Vermute mal das es so zwischen fünfzehn und zwanzig Kilometer sind. Am Abend geht es immer links ab in Richtung Strand. Wenn es nicht gerade eine Hotelburgengegend ist, steht einem unbeschwerten Abend mit Lagerfeuer und eventuell noch ein paar Kartoffeln für die Glut nichts im Wege. Nur werde ich in dieser Nacht schon wieder aus der Tieftraumphase gerissen. Es spielt sich fast der gleiche Film ab wie schon die Nacht zuvor. Die Herrschaften scheinen gelangweilt zu sein und haben wohl von ihren Kumpels von der Wache aus dem Nachbarort erfahren, daß man sich mit dem Deutschen für ein - zwei Stunden gut ablenken und die lange Nacht rumkriegen könne und noch nebenbei sogar ein Taschenmesser dabei rausspringt. Was für ein Scheiß! Nicht noch'sone Nacht.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Es liegt also eine weitere Etappe an und ich mach es jetzt kurz. Das Theater mit der spanischen Polizei ist auch in der dritten Nacht noch nicht vorbei. Es sind natürlich wieder ein paar andere Typen, die mich in dieser Nacht terrorisieren. Also wieder alles wie die Nächte zuvor. Nur eine klitzekleine Sache ist in dieser Nacht anders. Schon in Deutschland hatte ich mir eine leicht veränderte Unterschrift angewöhnt, in dem ich am Ende meines Namens immer noch einen kleinen kunstvollen Schlenker machte, der dann noch zusätzlich ein kleines vereinfachtes Piktogramm ergab. Und genau das hatte ich in dieser Nacht nicht gemacht. Eher ganz simpel wie ein Fünftklässler. Meint doch tatsächlich der eine Bulle mit leicht kreisendem Finger, wo den die kleine Sache am Ende wäre? Scheiße - hab'ichs mir doch gedacht. Von da ab war nur noch einfache Unterschrift bei mir angesagt. War aber eigentlich gar nicht mehr nötig, denn von dieser Nacht an wahr Ruhe mit den nächtlichen Mexikaner - Überfällen, mein Hollywood. War wohl zu peinlich für die Pistoleros der letzten Nacht. Vamos - die N-332 wartet.
Was die Hygiene auf dieser langen Wanderung betrifft, die gerät Woche für Woche mehr aus dem Blickfeld. Wenn vieleicht noch am Anfang alle paar Tage die Unterwäsche und T-Shirts rausgewaschen wurden, so findet das inzwischen immer seltener statt. Es kommt schon eher mal vor daß ich, weil ich wiedermal die Nacht zum Tage machen musste, mir im Vorbeigehen ein paar wirklich schicke Shorts auf einer Wäscheleine auffallen und diese dann kurzerhand in meine Tüte fallen. Das ist dann aber schon wirklich die Ausnahme. Im allgemeinen führt mich mein Gang immer eher zu einer Kirche und im dortigen Umfeld gibt es dann auch meist eine Tür, hinter der einem bereitwillig ein neues Shirt ausgehändigt wird. In diesen Sommermonaten 1998 war es wiedermal, daß ich auf diese Art und Weise zu einem weißen T-Shirt kam, auf dessen Brust mit großen aber eleganten Buchstaben das Wort "Armstrong" aufgedruckt war. Ich hatte mir das T-Shirt nicht ausgesucht. Es wurde mir eher überreicht. Ich, als Elektronik interessierter verband den Namen natürlich sofort mit der Apollo 11 - Besatzung, der ersten Mondlande - Crew und mit der deutschen Übersetzung hatte ich den Eindruck, auch meine Wanderung und meine Tragkraft geehrt zu fühlen. Daß dem aber ganz und gar nicht so war, erfuhr ich erst mehr als ein Jahrzehnt später wieder in Deutschland. Hier musste ich mir zu aller Peinlichkeit im TV erzählen lassen, daß in diesen Jahren im Sport von nichts anderem geredet wurde, als von einem amerikanischen Radprofi, der von der Tour de France bis zur Vuelta ein Sieg nach dem anderen geholt hatte. Ihm diese Siege aber alle wieder aberkannt wurden, weil er gedopt hatte, was das Zeug hält. Ich also mit geschwollener Brust wochenlang in Spanien Werbung für einen Drogenübeltäter gemacht hatte. Man kann sich nicht vorstellen, wie peinlich mir das im Nachhinein erschien. Meine einzige Hoffnung blieb, daß das im Sommer achtundneuzig noch nicht bekannt war und unser Lance Armstrong vor jedem Fernseher der kleinen spanischen Bars gefeiert wurde. Beruhigend an der Stelle ist, daß die ganze krimminelle Geschichte in Hollywood mit dem Schauspieler Ben Foster noch ein sehenswertes Ende gefunden hat. Vor allem ist dem Mann im Western "Todeszug nach Yuma" eine Rolle auf den Leib geschnitten worden. Tja - Huston, ihr hört es, wir haben ein Problem.....
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Wie ich schon sagte, versuche ich eher vor, oder hinter den Küstenorten mein Lager am Strand aufzuschlagen, weil man da spätestens nach dem Dunkelwerden ungestört allein ist. Nur ist dann die Chance kleiner, auch mal mit einem Deutschen ins Gespräch zu kommen. Das war nämlich vor kurzem Geglückt und solche Begegnungen sorgen dann durchaus auch mal dafür, daß einem kurzerhand zum Abschied auch noch ungefragt ein Zehn Euroschein in die Hand gedrückt wird. Der wurde dann nicht von mir im nächsten Restaurant aufgegessen, sondern diese heilige Handgranate überreichte ich einem Verkäufer für das kleinste und billigste Taschenradio aus chinesischer Produktion. Macht nix. Das Teil hat Mittelwelle und der UKW - Empfang mit den örtlichen Sendern reichte völlig aus um während dem Wandern alles um mich herum zu vergessen. Zum Glück entdecke ich aber einen kleinen aber feinen Küstenort mit einem heimeligem maritimen Becken, auf dessen Rand sitzend ich meine Füsse ins Wasser hielt und fast den ganzen Nachmittag das Radio ans Ohr hielt und mich von der spanischen Moderatorinnenstimme hypnotisieren ließ. Gleichzeitig erledigten ein paar Sardinen die Fußpflege indem sie die ganze Zeit an meiner Hornhaut rumpickten. Der Nachmittag hat mir so gut gefallen, daß ich nach verbrachter Nacht in einem Rohbau am nächsten Tag wieder zum kleinen "Bruchtal" pilgerte um wieder die meiste Zeit mit den Füssen im Wasser kurzerhand noch ein paar weitere Tage unter dem Begriff "Urlaub" dran zu hängen. Das Essen war zwar sparsam, da ausser einem kleinen Markt, der ein bißchen für mich das Obst aussortierte, es nicht viel Möglichkeit zum Betteln gab. War aber alles ausreichend um ein paar Tage FM - Discosound - Ferien zu machen. Am Abend des dritten Tages, die Dämmerung war schon eingebrochen, bauten sich plötzlich ein Holländer, der eine kleine Bar unweit betrieb und zwei - drei seiner Kumpels vor mir auf, gaben mir zu verstehen, daß es ihnen jetzt reicht mit meiner Anwesenheit in ihrer maritimen Idylle und ich zu meiner eigenen Gesundheit diesen Ort besser sofort verlasse. Es war deutlich zu erkennen, daß es da für mich nix zu diskutieren gab. Ich schnappte meine Sachen, verbrachte noch eine unruhige Nacht in meinem Rohbau um am nächsten Tag wieder weiter in Richtung Süden durchzustarten. Schade.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
In all den Wochen habe ich durchgehend schönes Wetter. Mag sein, daß es zwischendurch mal ein bißchen bewölkt war, aber geregnet hat es nie. Bis auf einen einzigen Tag. Da fing es schon morgens an zu nieseln. In ein kleines Dorf an der Küste kommend finde ich dann auch prompt, wie von jemandem extra für mich hingelegt, in einer Müllcontainerecke eine circa 2 Meter mal 3 Meter große Plastikplane, wie sie die Bauern für ihre Wintergärten benutzen. Die nehme ich dankbar an mich und verkrümel mich damit an den Strand. Dort wird unter Zuhilfenahme meines Sonnenuhrstocks damit ein provisorisches Zelt gebaut in dem der Stock direkt neben meiner Matte mit dem Schlafsack in den Sand gesteckt und die Plane über mich gestülpt wird. So verbringe ich den ganzen Tag bis zum anderen Morgen auf Diät gesetzt unter dem prasselnden Zeltdach. Und das durchaus gut gelaunt. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und die Reise geht bei strahlendem Sonnenschein weiter.
Eines Tages komme ich an einem kleinen relativ frisch erbauten kleinen Hotel vorbei. Ich denk mir, geh mal rein und guck was passiert. Vieleicht gibt es ja irgendwelche Essensreste abzustauben oder dergleichen. Ich also rein. Komme in einem Vorraum an eine kleine Hotelrezeption. Niemand ist zu sehen. Vorsichtiges Rufen von mir, aber niemand taucht auf. Erst jetzt sehe ich, daß am Rand des Tresen wie bestellt und nicht abgeholt ein Taschenbuch liegt. Ich rutsche mit meinen Ellbogen aufgestützt ein bißchen rüber um zu sehen ob ich was mit dem spanischen Aufdruck anfangen kann. Verdammt - da liegt ein Taschenbuch mit Coveraufdruck in deutscher Sprache! Man sieht noch eine Roadrunner - mässige Staubwolke von mir und ich bin mit dem Teil, an dessen Autor ich mich leider nicht mehr erinnern kann auch schon wieder auf der N-332. Suppi - endlich mal wieder was frisches zu lesen.
Ich bin nun schon seit Monaten unterwegs und das an einer nicht ganz ungefährlichen viel befahrenen Straße, aber es gab nicht ein einziges Mal irgendwelche Probleme mit vorbeifahrenden Autos. Gott sei Dank. Nur ein einziges Mal, als die Straße eine Abzweigung nahm und in einem leichten Linksbogen schwach anstieg berührte ein vorsichtig beschleunigender PKW mich ganz schwach mit seinem rechten Aussenenspiegel, daß es nicht wie ein Versehen wirkte, sondern schon eher wie ein Gruß. Teu teu teu.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern warum, aber ich war mal wieder im dunkeln unterwegs. Vermutlich war es wieder zu kalt zum pennen. Irgendwann gegen zehn oder elf komme ich in eine kleine Menschenleere Siedlung. Plötzlich kommen drei vier junge Spanier und ein Mädchen um die Ecke und auf mich zu. Sie sind vermutlich alle so zwischen zwanzig und fünfundzwanzig und quatschen mich an. Sie interessieren sich sehr für meine Reise und das was ich zu erzählen habe und ich sehe, daß einer der Typen die Blätchen gezückt hat und dabei ist sein Piece klein zu bröseln. Super - denk ich. Endlich mal wieder in Gesellschaft einen durchziehen. Schade ist nur, daß die kleine Spanierin, die auffallend hübsch ist, darum bemüht ist, mich in keinster Weise eines Blicks zu würdigen. Keine Ahnung warum nicht. Als die Tüte aufgeraucht ist, müssen alle irgendetwas wichtiges zu tun haben, denn so schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch schon wieder verschwunden. Ich stehe noch einen Moment leicht verloren rum, greife dann zu meinem Gepäck und will schon weiter ziehen, als plötzlich sich langsam ein Policia - Wagen nähert und neben mir anhält. Ohne lange mit mir rumzudiskutieren bitten sie mich einzusteigen. Oh Gott - was haben Die jetzt mit mir vor. Gerade schön stoned und jetzt das Theater. Da kommen einem die schlimmsten Gedanken. Genährt durch Fernsehkrimis denkt man da auch daran, daß die mit mir irgendwohinfahren und dann ihren Frust an mir auslassen und mich gnadenlos verprügeln. Als wir ein Stück aus dem Ort raus sind halten sie plötzlich an. Einer der Männer zeigt auf ein etwa fünfzig Meter entferntes altes verlassenes Haus. Sie geben mir zu verstehen, daß ich dort übernachten könne. Ich bedanke mich erleichtert, steige aus und zeige, daß ich mich über die Wiese in Richtung der Bruchbude machen will. Die "Bullenschese" macht sich aus dem Staub. Auf halbem Weg zu der Hütte, bei der ich im Halbdunkel keinen Eingang sehe, sondern nur ein paar dunkle Löcher in Schulterhöhe ohne Scheiben, bleibe ich stehen und kehre zurück auf die Straße. Haben diese Pappnasen von Uniformierten wirklich gedacht, sich mir mit diesem filmreifen Geisterhaus, bei dem ich mich vermutlich noch Indiana Jones - mässig hätte erst mal durch Spinnweben kämpfen müssen und auf Grund der Dunkelheit gar nicht gewusst hätte, was alles für ein Dreck auf dem Boden liegt, mir einen Gefallen zu tun? Dann doch lieber ein weilchen auf der Nationalstrasse weiterlaufen bis ein schicker neuer Rohbau irgendwo zu sehen ist. Eigentlich hätte ich heute Abend lieber "DIE NACKTE KANONE" sehen wollen und keine Steven King - Gruselschose meine Kiffer dieser Welt!
Zur Zeit führt mich die Straße über ein nicht allzuhohes Plateau, bei dem es rechts von mir einige Meter schräg in die Tiefe geht. Auf dieser Schräge hat sich über die Jahre vereinzelt Sperrmüll aller Art angesammelt. An einer Stelle fällt mein Blick auf ein Gestell mit zwei kleinen Plastikrädern. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich, daß es sich dabei um einen Einkaufstrollie handelt, wie ihn ältere Leute für den Supermarkteinkauf benutzen. Das Teil könnte genau das richtige für mich sein, vorausgesetzt die Räder sind nicht irgendwie zu sehr verostet oder sonstirgendwie in mitleidenschaft gezogen. Ich nehme also mein Gepäck von der Schulter, stelle es ab und angel mich etwas unbeholfen über die Leitplanke. Hier rutsche ich mehr als daß ich gehe die zwei drei Meter die Schräge runter um mir das Gestell zu schnappen und kraxel wieder bis zur Straße hoch. Dort wird das, was vom Trolley übrig geblieben ist genauestens inspiziert. Ausser der üblichen geräumigen Einkaufstasche scheint nichts zu fehlen. Auch die Räder sind in Ordnung und drehen sich problemlos. Das Teil ist gekauft. Meine Plastiktüten werden daran befestigt und es kann auch schon den Wagen hinter mir herziehend weiter gehen. Es stellt sich nur sehr schnell heraus, daß der relativ kurze Griff dafür sorgt, daß ich ständig mit den Hacken an dem Trolley anstoße. Das Problem muss irgendwie gelöst werden, denn so, ständig mich danach umdrehend funktioniert das auf Dauer nicht. Irgendwie braucht der Griff eine Verlängerung damit ich damit unverkrampft gehen kann.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Meine noch weiter im Betrieb befindliche Sonnenuhr wird jetzt gebraucht. Diesen Stock befestigte ich mit ein paar Drahtresten an der äusseren Seite des Griffs und schon konnte die Reise jetzt bei weitem unbeschwerter weitergehen. Mit der Zeit wurde durch das Sammeln irgendwelcher am Wegesrand gefundener Gegenstände der Wagen immer schwerer und da die ganze Sache mit den kleinen Kunstoffrädern sich immer schwerer ziehen liess, vorallem wenn die Strecke über mehrere Stunden ging, oder die Strasse gar eine leichte Steigung aufwies, musste auch das Problem irgendwie gelöst werden.
Also in meinem mobilen Keller das Sammelsurium in meinen Tüten durchforstet und eine Leine gefunden. An deren Ende noch eine breitere Schlaufe befestigt, daß sie eine Art Umhängetaschentrageriemen bildete und jetzt das ganze am Trolliegriff befestigt. Die Leine musste jetzt nur noch auf die passende Länge gekürzt werden, daß, wenn ich die Umhängeschlaufe übergestülpt hatte, nur noch mit der Holzstange lenken musste. Die gesammte Zugkraft kam aus meinen Schultern. Jetzt konnte es bequem weitergehen. Mit der Zeit wurden noch ein paar optische Verschönerungen vorgenommen wie lange dünne Stange mit Wimpel, wie man sie gelegentlich bei Fahrrad - Kinderanhängern sieht. Und fertig war mein gedanklicher "Ferrari", mit dem ich ab jetzt immer stolz vor jedem spanischen Cafe vorfuhr.
Entlang der N-332 stapfend erreichte ich gegen Mittag ein Plateau. Ich hatte inzwischen Hunger und es waren keine Häuser zu sehen, also auch keine Bushaltestelle in der Nähe. An den Strand zu kommen wäre zu umständlich gewesen. Ich hatte aber ein paar Tomaten im Gepäck, die klein geschnitten mein Mittagessen werden sollten. Hinter der Leitplanke war inzwischen eine zweite Strasse aufgetaucht, die aber schon bald einfach endete. Die Stelle schien mir durchaus einladend. Nur meinen Trolley und mich selbst mit meiner Ungelenkigkeit darüber stemmen war mir zu viel Aufwand. Ich musste ja auch nur fünfzig bis hundert Meter zurückgehen, denn dort war eine Abzweigung auf der man vermutlich bis hier ans Ende kommen würde. War zwar unmittelbar neben der Hauptstraße, aber das störte mich im Moment nicht. Ich ging also zurück und fand den asphaltierten Weg bis ans Ende. Hier richtete ich mich trotz knallender Sonne mit einem zutechtgeschobenen Stein, der als Sitzunterlage diente ein. Ich legte einen kleinen Tuppertopf vor mich hin und begann die Tomaten klein zu schnippeln. Dabei freute ich mich schon auf den inzwischen von mir selbst gebrühten Pulverkaffee danach, den ich mir ab und zu mit einer leeren Coladose mit Wasser gefüllt und mit einer zurechtgebogenen Regenschirmspeiche in das schnell eingerichtete Lagerfeuer stellte, zubereitete.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Leider kam es ersteinmal nicht dazu, denn während ich in meine Tomatensalatzubereitung vertieft war, höre und sehe ich wie sich auf meinem Seitenstreifen ein Policia - Jeep langsam nähert. Das kann doch wohl nicht war sein, denk ich. Jetzt meinen die mich schon am Mittag aufmischen zu müssen. Ich bereite hier mein Mittagessen zu und wüsste nicht, gegen welches Gesetz ich hier verstoße. Die Herren quatschen mich an, aber ich bin im Moment dermaßen sauer, daß ich beschließe, deren Palaver oder Aufforderung einfach erst mal zu ignorieren. Nach kurzer Zeit, als sie wohl merken, daß das so nichts wird, gibt es auf einmal einen ohrenbetäubenden Knall. Ich blicke leicht erschrocken auf und sehe wie einer der drei Orks eine Pistole in die Luft hält. Gut - denk ich, jetzt scheint der Spass vorbei zu sein und ich kann das mit meinem leckeren Tomatensalat vergessen. Die Jungs schnappen sich meinen "Ferrari" und hieven ihn auf die Pritsche ihres Jeep. Ich darf glücklicherweise auch mitfahren. Fast eine halbe Stunde dauert die Fahrt bis zu ihrem Stützpunkt. Dort angekommen beginnt wieder das Verhör mit der üblichen Fragerei. Ich bin aber immer noch stinksauer über diese ganze überflüssige Aktion, daß ich beschlossen habe, weiter nicht den kleinsten Ton von mir zu geben.
Leider scheinen die Policias mein Schweigen unter "Geistig unzurechnungsfähig" zu verbuchen, denn es dauert dann auch nicht mehr lange und die Herren liefern mich nach einer weiteren längeren Fahrt direkt bei ihrer örtlichen Klappsmühle ab. Na das ist schon'n starkes Stück. Da landet man einfach mal so mir nichts dier nichts in der geschlossenen Abteilung einer spanischen Psychiatrie. Der Aufenthalt ist mir aber aus der Zeit in Deutschland durchaus vertraut. Also schreckt es mich nicht zu sehr ab, mal über den Tag hinweg mit anderen Trübsal blasenden Gestalten über den Flur zu schleichen. Man sollte nur nach meiner Meinung nicht anfangen wollen, sich beim Tablettenschlucken renitent zu Gebärden und die Einnahme heimlich verweigern. Irgendwann fliegt das im Allgemeinen immer auf und dann ist's vorbei mit Lustig was die Pfleger betrifft. Sollte also mal jemand freiwillig oder unfreiwillig in der Psychiatrie landen, halte ich es um ein vielfaches für wichtiger weiterhin mit einem Familienmitglied oder Freund den Kontakt über das Pflegertelefon oder gelegentliche Besuche aufrecht zu erhalten. Gut - ich muss zugeben, daß gerade solch eine Verbindung nicht angesagt war. Das lag aber auch vor allem daran, daß ich auch zum Schluß in Deutschland keinen Kontakt mehr zu Eltern oder Verwandtschaft hatte. Im übrigen gab es meinerseits nicht viel zu meckern. Ich hatte ein bequemes Bett. Drei reichhaltige Mahlzeiten am Tag um die ich mich nicht kümmern musste. Ein Gemeinschaftsfernseher. Fühlte sich eigentlich vorübergehend wie Urlaub an. Nach ziemlich genau zwei Wochen war nach einem kurzen Gespräch mit der Therapeutin mein Aufenthalt beendet und ich durfte wieder weiter ziehen. Problem war nur, daß man nach derartigen Krankenhausaufenthalten immer in neuen Klamotten steckt. Von den alten sieht man nichts mehr. Also keine Tüten mehr und auch der Ferrari-Trolley war weg. Ich konnte also wieder mal bei Null anfangen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Alle paar Wochen kam es for, daß ich nicht nur ein Sandwich bekam, sondern gleich ganz gönnerhaft an einen Restauranttisch gebeten wurde. Ein einziges Mal hatte ich richtig Glück. Da servierte mir eine Strandbarbesitzerin auf einem Teller einen großen gegrillten Fisch mit Beilage. Ich war so dankbar darüber, daß ich am Ende sofort damit anfing, eine Kugelschreiberzeichnung auf Papier vom Kopf und seinen Gräten zu machen und das Blatt dankbar zurück ließ. In den meisten Fällen aber, wenn es von Seiten der Barbesitzer zu solchen Schenkungen kam, war im allgemeinen immer meist irgendetwas Undefinierbares auf meinem Teller, bei dem ich oft das Gefühl hatte, daß man mich einfach nur testen wollte, ob ich als Ausländer das wohl mit Genuss aufessen würde.
Einmal bekam ich wieder einen Schein von einem deutschen Touristen, mit dem ich ins Gespräch gekommen war. Der drückte mir sogar zwanzig Euro in die Hand. Damit marschierte ich stolz in das nächste Strandartikel und Andenkengeschäft und kaufte davon einen billigen Drachen und wieder ein kleines Taschenradio. So ein Drachen, der in der billigsten Version immer ein Einleiner ist, wurde dann, wenn ich keine Lust zu laufen hatte, sondern den Tag lieber am Strand verbrachte an einem mit Sand gefülltem fünf Liter Plastikeimer befestigt und zappelt so auch mal unbewacht über den Tag hinweg an meinem Lager.
Für das Kofferradio hatte ich eine andere Idee. Da das Laufen mit dem Gepäck und gleichzeitiges halten des Radio zu viel Probleme mit sich brachte, baute ich aus einem gefundenen Stück stabilerem Draht ein Gestell. Das hatte über den Kopf gespannt ein Drahtende und ein zweites rückläufiges Ende. Auf der einen Seite bog ich den Draht zu einer eckigen Halterung, in die dann das Radio gesteckt werden konnte, so daß dessen Lautsprecher wie bei einem Kopfhörer direkt an meinem Ohr war. Auf der anderen Seite hatte ich nur nach einem Probelauf gemerkt, daß das so noch alles andere als bequem ist. Dort musste noch irgendetwas zum Schutz hin. Auf einer weiteren Wanderung fand ich dann auch sowas wie einen größeren Gummistopfen, der genau aufs Ohr passte und so die Sache auf der anderen Seite abfederte. Von nun an lief ich stolz mit ausgezogener Antenne und viel Discomusik und unverständlichem spanischem Moderatorinnengescherze auf der N-332 weiter. An einen Strand kommend stelle ich mein Gepäck ab. Ziehe meine Badeschorts an, stülpe mir wieder mein cooles Radiogestell über und fange einen kurzen Spaziergang an der auslaufenden Wasserlinie an. Irgendwie war ich gedanklich wohl zu sehr bei meinem UKW - Sender als mich plötzlich und unerwartet die siebte Welle der Brandung voll erwischt. Die reißt mir mein Radio vom Kopf das auch sofort auf nimmer wiedersehen in der Brandung verschwindet. Puh - die Liebe war kurz aber heftig.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Vor ein paar Tagen meinte eine der Shirley McLane und Paulo Coelho - Flüsterstimmen: "Schreib mal was zu deiner Liebe und Partnerschaft." Ich kann verstehen, wenn es Leute gibt, die sich dafür interessieren und das ganze möglichst noch mit ein bißchen prickelnder Erotik angereichert haben wollen. In meinem Fall ist das aber nicht mal soeben mit einem bißchen oberflächlichen Erzählen getan. Ich kann nur soviel sagen, egal ob die Beziehung nur Wochen oder ob sie Jahre gedauert hat. Es waren immer die Frauen, die sich von mir getrennt haben und nie umgekehrt und ich auch nicht immer erklären könnte warum. Bei meiner letzten Beziehung, in die ich mich 1988 verliebte aber wir nie endgültig zusammen fanden wurde es zum Schluß so heftig, daß es sogar in meinem Suizidversuch endete. Aber an der Stelle war noch nicht Schluß. Die psychischen Langzeitfolgen sorgten dann sogar noch zu mehreren Psychatrieaufenthalten da es am Ende gar zu soetwas wie einer JURASSIC PARK - Geschichte ausartete. Obwohl - irgendwie dachte ich, daß das so mit der Filmreihe, die ich mir immer mal wieder ganz gerne ansehe, passen würde. Aber wenn es noch ein bißchen näher an der Wahrheit sein soll, müsste ich eigentlich, bei dem was mir der Voodoo Anfang der Neunziger meiner Phantasie vorgaukelte, eher noch auf Signoret Wheaver's ALIEN - Filme verweisen. Da warn meine Tage so düster, das möchte keiner erleben. Und ich im Moment auch nicht den geringsten Bock darauf habe, das hier jetzt bis ins Detail auseinander zu klamüsern. Auch wenn das ganze vielleicht der Auslöser meiner ganzen späteren Tragödie war ........ obwohl ........ "Tragödien! .......Die Welt braucht Tragödien!" ........ heißt es zu Beginn bei der Comedia del Arte in irgend einem frühen Asterix und Obelix - Band. Jedenfalls habe ich es dann Mitte der Neunziger Jahre auf Grund meiner Lebenssituation aufgegeben, nocheinmal in meinem Leben als Sozialhilfeempfänger und angehender Obdachloser zu versuchen einen Pamela Anderson oder Carmen Electra - Clone zu erobern. Mir bleibt auf YouTube nur das Hörspiel "CORDOBA ODER DIE KUNST DES BADENS". Ich lebe seit Beginn des neuen Jahrtausend daher aus Überzeugung allein und habe seit dem keinen Tag erlebt an dem ich mich einsam gefühlt hätte.
Eine der kleinen Tragödien auf der N-332 war der tägliche permanente unterschwellige Hunger. Der musste mal wieder in den Griff bekommen werden. In einer kleinen Siedlung mit Einfamilienhäusern, die ich durchquerte entdeckte ich eine Frau im Vorgarten ihres Hauses. Ich steuerte einfach mal auf sie zu um sie mit den paar Wörtern spanisch die ich gerade so gelernt hatte um etwas Essbares zu bitten. Sie zögerte auch nicht lang und verschwand im Haus. Nach einer Weile kam sie zurück und überreichte mir lächelnd eine Plastiktüte, die bis oben hin mit Kleinigkeiten gefüllt war. Ich zog weiter, aber mußte natürlich sofort in Richtung Strand um den Inhalt der Tüte genauer in Augenschein zu nehmen. Das passte auch durchaus, da es schon später Nachmittag war. Dort angekommen fischte ich aus der Tüte Brot, Margarine, Käse, Limonade und gleich mehrere Joghurts. Die gute Frau schien geradezu ihren Kühlschrank leer geräumt zu haben. An diesem Abend gab es noch ein ausführliches Fressgelage, bei dem noch mehr als nur ein Jogurtbecher den Weg in die Mülltüte fanden.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Ist euch meine Leser schon mal aufgefallen, daß in Spielfilmen im Fernsehen der oder die Hauptdarsteller, wenn sie die Handlung nach Spanien führt, fast immernoch am selben Abend durch puren Zufall an ein Lagerfeuer führt, um das ein paar virtuos spielende Gitarreros sitzen und eine Flamencotänzerin eindrucksvoll mit ihrem Gesang die ebenso durch Zufall vorbeikommenden Touristen in ihren Bann zu ziehen weiß? Ich war wohl rund vier Monate an der spanischen Küste unterwegs. Das sind rund hundertzwanzig Abende. An diesen 120 Abenden habe ich solch eine Lagerfeuerromantik aber auch an keinem einzigen Abend auch nur aus der Ferne erahnen können. Daß diese spanische Flagge nicht ein einziges Mal gehisst wurde lässt mich irgendwie fragend zurück. Aber auch bei den spanischen Fußballnationalspielern hatte ich das Gefühl, wenn es der Barfernseher zuließ, daß sie bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer immer irgendwie leicht verschreckt über den Platz liefen und sie nicht genau wüssten, wo sich denn nun Ferdinand der Stier versteckt hält und das ganze Spiel überhaupt nicht die Souveränität von 2026 hatte. Sie schieden dann ja auch schon während der Vorrunde aus. Aus der Sicht von heute kaum vorstellbar.
Irgendwann hinter Malaga, ich kann heute nicht mehr sagen wo genau, hatte ich Glück und bekam wiedermal von einem deutschen Touristen etwas Geld. Diesmal hatte ich aber großes Glück, denn er steckte mir zum Abschied einen fünfzig Euroschein zu. Darüber war ich so dankbar, daß ich erstmal eine ganze Weile überlegte, was ich mir alles davon kaufen könnte. Letztendlich fiel mein Entschluss aber nur auf eine Sache. Ich hatte mich informiert und erfahren, daß das Geld exakt für ein Busticket bis kurz hinter die Spanisch - Portugiesische Grenze reichen würde. Endlich mal in ein paar Stunden mehr als zweihundert Kilometer überspringen nach all dem Gelatsche war einfach zu verlockend. Und da ich keinen Pass mehr hatte, erhoffte ich mir auf die Art beim Grenzübertritt weniger Probleme, als wenn ich so runter gekommen wie ich inzwischen aussah, mich zu Fuss irgendwelchen Grenzbeamten nähern würde. Also die Fahrt ging irgendwann los. Sie dauerte auch mehrere Stunden. Irgendwann näherten wir uns der portugiesischen Grenze. Freie Durchfahrt war nicht. Der Bus musste anhalten. Ein Grenzer in Uniform bestieg den Bus. Er kontrollierte von vorn angefangen den Pass von jedem Reisenden bis auch ich irgendwann an der Reihe war. Ich gab ihm zu verstehen, daß ich keinen hätte. Ohne noch groß eine Pause zu machen, setzte er einfach seine Kontrolle hinter mir fort um am Ende kommentarlos den Bus wieder zu verlassen. Puh - da ham'n wir nochmal Schwein gehabt!
Inzwischen war das Ende des Sommer gekommen und die Nächte fingen an langsam regelmäßig kühler zu werden. Mein Weg führte mich inzwischen stetig nach Norden über die N-120 und N-261 in grobe Richtung Setubal. Eines Abends, es war inzwischen gerade dunkel geworden durchquerte ich sowas wie eine kleine Bauernsiedlung. Von weitem war schon ein relativ großes Lagerfeuer zu sehen. Ich ging in die Richtung, denn die Strasse führte direkt an dem Platz vorbei, wo ein portugiesischer Jugendlicher, so um die zwanzig in einem großen breiten Haufen eine ganze Reihe an Holzbrettern und ähnlichem Gerümpel verbrannte. Er würdigte mich keines Blickes sondern stocherte eifrig in seinem Feuer rum um es gleichmäßig abbrennen zu lassen. Gut - dachte ich mir, wenn du mich nicht zur Kenntnis nimmst, scheint es dich ja wohl auch nicht zu stören, wenn ich mich hier an deinem Feuer noch eine Weile aufwärme. Irgendwann schien seine Arbeit getan und das Feuer hatte inzwischen kleinere Ausmaße angenommen. Er verschwand und ich hatte ohne was dafür tun zu müssen eine wärmende Feuerstelle, die mich durch die Nacht brachte.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Dunkle eckige Schatten in der Ferne kommen immer näher. Die kühle sternenlose Nacht sorgt für einen zügigen Schritt. Die dunklen Siluetten der Türme entpuppen sich als unbelebte dreizehnstöckige Hochhäuser in denen nur zwei Fenster beleuchtet sind wie die Augen eines riesigen Ungeheuers. Am Ende dieser Siedlung, dem Ende von Troja, näher ich mich einem hell erleuchteten Platz. Es ist ein Hafenanleger, bei dem sich anscheinend die gerade zum Auslaufen vertig gemachte letzte Fähre des Tages kurz davor befindet, die Kaianlagen zu verlassen. Ich sprinte los und erreiche noch gerade rechtzeitig das Schiff, dessen Taue gerade gelöst wurden. Einer der Seeleute, der anscheinend der Kapitän ist, fragt mich nach meinem Ticket. Bevor ich es verneinen kann ist er auch schon wieder mit dem Ablegen beschäftigt und ich stehle mich an anderen mich angrinsenden Seeleuten vorbei ins innere der Fähre. Die Überfahrt über die Flussmündung des Rio Sado in dem wie Dokumentationen zeigen, gelegentlich Flussdelphine zu beobachten sind, dauert circa fünfzehn Minuten. Auf der anderen Seite verlasse ich sofort Setubal, die kleine Stadt in die mich in Zukunft immer mal wieder eine Busfahrt führen wird, da es ab jetzt nur noch rund fünfzig Kilometer bis Lissabon sind und ich es kaum erwarten kann, dort anzukommen.
In der Nacht ist am Horizont ein helles Band zu sehen, als ob ich schon in Bälde mein Ziel erreicht hätte. Aber bis zum Morgen schein ich dem ganzen nicht näher gekommen zu sein. Das gleich optische Phänomen spielt sich auch in der kommenden Nacht ab, aber auch dann wurde ich noch nicht erlöst. Der Weg führte mich an einem links zurückliegenden Restaurant vorbei, in dem ich wiedermal nach einem bißchen para comer bat. Die Chefin des Restaurants, die mit ihrem schlesischen Gesicht exakt aussieht wie meine verstorbene Großmutter Martha, spendiert mir ein Sandwich mit einem Glas heißer Galao. Zum Abschied drückt sie mir noch einen zehn Euro Schein in die Hand. Ich bedanke mich glücklich und steuer wieder an der Strasse angekommen sofort die nächste Bushaltestelle an. Mag sein, daß ich vielleicht noch eine Stunde warten musste, aber egal. Ein Bus der mich jetzt bis nach Lissabon bringen würde traf schon bald ein.
Inzwischen hatten wir schon September oder sogar Oktober, ich weiß es nicht mehr und meine Reise hat so lange gedauert, daß ich mir nicht den Spaß nehmen lassen wollte, zu Fuß über die berühmte San Francisco Kopie von Brücke des 25. April zu laufen. Das Datum für die Nelkenrevolution. Der Tag im Leben der Portugiesen, an dem sie sich erst im Jahr 1974 von der faschistischen Diktatur des Antonio Salazar befreien konnten. Daher stieg ich kurz vor der Brücke aus. Vom letzten Geld das ich noch hatte wollte ich mir vorher noch am Rand von Almada eine billige Flasche Rotwein kaufen um diesen Trip ausführlich direkt auf der Mitte der Brücke zu feiern.
Ich näherte mich also mit meinem Gepäck und der darin befindlichen Weinflasche der Brücke und registriere zunehmend, daß es gar keinen Übergang für Fussgänger zu geben scheint. Ich passiere also sowas wie eine Mautstelle für die Fahrzeuge und bewege mich weiter auf die Brücke zu. Inzwischen höre ich irgendwelche Rufe auf portugiesisch hinter mir, aber ich gehe einfach unbeeindruckt weiter. Das wollen wir doch mal sehen. Ich laufe also weiter auf einer Art Gitterrost, das unterhalb der Brücke im Hafengebiet von Alcantara für ein stetiges Hummelgesumme von den Autoreifen sorgt. Die zwei Fahrbahnen neben mir sind aber so schmal und es gibt auch nicht den geringsten Seitenstreifen für Fussgänger, daß das ganze aber auch nicht den geringsten Spaß macht. Das mit dem Wein kann ich völlig vergessen. Ich habe gerade ein Drittel der Strecke geschafft, als ein Jeep neben mir anhält und ein Portugiese, ein Angestellter der Brückenaufsicht mich ins Auto bittet und mich kommentarlos bis auf die andere Seite der Brücke bringt und mich freundlich verabschiedet. Endlich angekommen. Übrigens wird der Bau der Brücke in dem Portugiesischen Film PESADELO COR DE ROSA (Sweet Nightmare) mit Catarina Furtado symbolisch angedeutet. Auf der anderen Seite des Tejo setzte ich meinen Gang in Richtung Zentrum fort. Und wie es in den Büchern von Jose Saramago beschrieben wird, führt es jeden neuen Besucher der aus dem Alentejo zum erstenmal in die Stadt kommt, durch die Rua Augusta über den Rossio bis rauf zum Praca do Marques de Pombal, bevor er umdreht und wieder zurück läuft. So erging es auch mir bis ich für die nächsten Monate einen Übernachtungsplatz hinter einer großen Zeltplane des im Bau befindlichen aber zur Zeit gestopptem Museu de Cera de Lisboa im Hafenviertel von Alcantara fand. Bom dia!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . E N D E
.
.
... link
Donnerstag, 2. Februar 2012
3. RENNST DU GEGEN WÄNDE. . .
guennisseite, 11:45h
( Gedicht von Peter Rühmkorf 1929 - 2008, aus: Ausser der Liebe nichts )
Rennst du gegen Wände,
Mann, was soll der Stuss?!
Irgendwann ist Ende,
irgendwann ist Schluss.
Gestern noch paar Lieder,
allemann zusamm;
und schon seid ihr wieder
raus aus dem Programm.
Kommt´n Interviewer,
fragt nach´m Lebenssinn,
hau dem Wichtigtuer
Portion Hackfleisch hin!
Denkt er dann, er hätt was
- sagenwermal Substanz -
Du und ein zartes Etwas
fliehen ausser Lands.
Bon voyage, euch beiden
rund um Welt und Uhr -
Liebe geht mit Leiden
um wie von Natur.
MEIN INTERNET-TIPP: http://www.relaischateaux.com
.
.
TRANSLATION:
.
(A poem by PETER RUEHMKORF, 1929 - 2008, Ger., from "Nothing except love")
.
ARE YOU RUNNING AGAINST WALLS.....
Are you running against walls
man what kind of rubbish?!
Any time its over
anytime its The End.
Yesterday still some songs
everybody together
and already you are again
out of the program.
Comes an interviewer
asks for sense of life
hit this pompous idiot
a portion minced meat.
Does he think now he got
- wesayjust substance -
you and a soft someone
flee out of the Land.
Bon voyage you both
around the world and watch -
Love handles suffer
like comes from nature.
Rennst du gegen Wände,
Mann, was soll der Stuss?!
Irgendwann ist Ende,
irgendwann ist Schluss.
Gestern noch paar Lieder,
allemann zusamm;
und schon seid ihr wieder
raus aus dem Programm.
Kommt´n Interviewer,
fragt nach´m Lebenssinn,
hau dem Wichtigtuer
Portion Hackfleisch hin!
Denkt er dann, er hätt was
- sagenwermal Substanz -
Du und ein zartes Etwas
fliehen ausser Lands.
Bon voyage, euch beiden
rund um Welt und Uhr -
Liebe geht mit Leiden
um wie von Natur.
MEIN INTERNET-TIPP: http://www.relaischateaux.com
.
.
TRANSLATION:
.
(A poem by PETER RUEHMKORF, 1929 - 2008, Ger., from "Nothing except love")
.
ARE YOU RUNNING AGAINST WALLS.....
Are you running against walls
man what kind of rubbish?!
Any time its over
anytime its The End.
Yesterday still some songs
everybody together
and already you are again
out of the program.
Comes an interviewer
asks for sense of life
hit this pompous idiot
a portion minced meat.
Does he think now he got
- wesayjust substance -
you and a soft someone
flee out of the Land.
Bon voyage you both
around the world and watch -
Love handles suffer
like comes from nature.
... link
Mittwoch, 1. Februar 2012
2.AT FIRST (ENTRYs) ARE GOING TO BE THE LAST
guennisseite, 14:08h
( a translation of 1. )
Wether the New Testament prophecy (BIBEL, Mt 20,16) of the moviestar Brian from Nazareth at the stable of the Monty Pythons is right, every gnu must find out by himself while crossing the daily brackish water. Here at MY FIRST BLOG it is an in the system logical justified fact. Already today i see myself placed in front the problem, to organize my todays appearance at this in the moment not foreseeable timeperiod of growing storycollection in a way, that this on the computerscreen rolling off middleage parchment, which here at the beginning tries to tell the ultimate news to the gothamites of the town, after a while, in according to the busyness of the creator, is forming the closing sentence and therefore the proclamation about the punishment for the thief and his executioner; free based on a PETER RUEHMKORF quotation, where the " Shoebedoe " is again more expensive at the payment, than it has been at the booking. My last will, which is in the moment also the first? They may change the executioner into a execrated cutie. . . Guenni
MY WEB-TIP : http://www.nazarethvillage.com
THE END
Wether the New Testament prophecy (BIBEL, Mt 20,16) of the moviestar Brian from Nazareth at the stable of the Monty Pythons is right, every gnu must find out by himself while crossing the daily brackish water. Here at MY FIRST BLOG it is an in the system logical justified fact. Already today i see myself placed in front the problem, to organize my todays appearance at this in the moment not foreseeable timeperiod of growing storycollection in a way, that this on the computerscreen rolling off middleage parchment, which here at the beginning tries to tell the ultimate news to the gothamites of the town, after a while, in according to the busyness of the creator, is forming the closing sentence and therefore the proclamation about the punishment for the thief and his executioner; free based on a PETER RUEHMKORF quotation, where the " Shoebedoe " is again more expensive at the payment, than it has been at the booking. My last will, which is in the moment also the first? They may change the executioner into a execrated cutie. . . Guenni
MY WEB-TIP : http://www.nazarethvillage.com
THE END
... link
Freitag, 13. Januar 2012
DIE ERSTEN (EINTRAEGE) WERDEN DIE LETZTEN SEIN
guennisseite, 12:45h
Ob die Neutestamentarische Prophezeiung von Brian von Nazareth aus dem Stall der Monty Pythons stimmt, muss ein jedes Gnu beim durchqueren des täglichen Brackwasser selbst in Erfahrung bringen. Hier bei meinem ersten BLOG ist es eine im System logisch begründete Tatsache. Schon jetzt sehe ich mich vor das Problem gestellt, meinen heutigen Auftritt bei dieser sich über einen im Moment nicht absehbaren Zeitraum entwickelnden Geschichtensammlung so zu gestalten, dass dieses mittelalterliche auf dem Computerbildschirm sich abrollende Pergament, das hier am Anfang die ultimative Neuigkeit an alle Schildbürger der Stadt zu verkünden versucht, nach einiger Zeit, je nach Fleiss des Verursacher, das Schlusswort bildet und somit die Verkündung des Strafmass an den Strauchdieb und seinen Scharfrichter einnehmen wird; frei nach dem Peter Rühmkorfschen Zitat, wo das " Schuhbiduu" beim Bezahlen schon wieder teurer ist als noch beim Bestellen. Mein letzter Wunsch, der ja im Momenmt auch gleich der Erste ist ? Es möge der Scharfrichter gegen eine scharfe Richterin ausgetauscht werden......Günni
MEIN INTERNET-TIP: http://www.nazarethvillage.com
E N D E
MEIN INTERNET-TIP: http://www.nazarethvillage.com
E N D E
... link